Ohne die Hirten geht es nicht

Hungener Schäferfest erneut gut besucht

Einen passenderen Ort für die hessische Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und Hirtinnen und Hirten 2026 hätte die Landesregierung kaum wählen können: die Schäferstadt Hungen. Im Rahmen des Hessischen Schäferfestes überreichte Staatssekretär Daniel Köfer vom Hessischen Landwirtschaftsministerium symbolisch einen Hirtenstab an Hungens Stadtschäfer Ralf Meisezahl.

Staatssekretär Daniel Köfer war unter anderem zum Schäferfest gekommen, um Ralf Meisezahl den Hirtenstab als symboliches Geschenk zu überreichen.

Foto: Thomas Wißner

Der Hirtenstab sollte dabei weit mehr sein als ein symbolisches Geschenk. Er steht für die Verantwortung, die Schäfer seit Generationen für ihre Tiere und die von ihnen gepflegten Kulturlandschaften übernehmen. Heintz brachte die besondere Bedeutung des Berufs auf den Punkt: „Schäferei ist eine Berufung.“ Das Schäferfest sei deshalb nicht nur Gelegenheit zum Feiern, sondern auch ein wichtiger Ort für Begegnung und Austausch. Bürgermeister Wengorsch zeigte sich stolz, dass Hungen Gastgeber dieser besonderen Veranstaltung sein durfte. „Das Schäferfest gehört zu Hungen wie der Fisch zum Wasser“, sagte er. Bei aller Romantik, die mit dem Schäferberuf verbunden sei, dürfe nicht vergessen werden, dass Schäferei ein 24-Stunden-Beruf und einer der ältesten Berufe überhaupt sei.

Schäferei ist wichtig für den Erhalt der Kulturlandschaft

Staatssekretär Köfer rückte in seiner Ansprache vor allem die Leistungen der Schäfer für den Erhalt der Kulturlandschaft in den Mittelpunkt. Wenn Weidelandschaften erhalten und gepflegt werden sollen, müssten auch diejenigen unterstützt werden, die diese Aufgabe übernehmen. Die Arbeit der Schäfer sei anspruchsvoll und werde angesichts großer Flächen und schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen häufig unterschätzt.

Köfer sprach auch den Wolf an, der erst vor wenigen Wochen im benachbarten Vogelsbergkreis eine Schäferfamilie bereits zum zweiten Mal heimgesucht hatte, an. Der Schutz von Weidetieren stelle die Schäfer vor zusätzliche Aufgaben und wirtschaftliche Belastungen. Der Herdenschutz bleibe deshalb von großer Bedeutung. Gleichzeitig müsse mit dem Wolf verantwortungsvoll umgegangen werden. Köfer verwies darauf, dass sich die europäische und nationale Diskussion über den Schutzstatus des Wolfes inzwischen verändert habe. Bereits im Herbst 2024 sei der Wolf ins hessische Jagdrecht aufgenommen worden und so eine Möglichkeit für den Umgang mit der Wolfspopulation geschaffen.

Zum Schäferfest gehört traditionell auch ein Festumzug, an dem Vereine, Verbände, Feuerwehren, Sportvereine und weitere Gruppen aus der Schäferstadt und ihren Stadtteilen teilnehmen. Ein besonderer Höhepunkt war neben dem am Morgen frisch ermittelten Siegerpaar des Schäferlaufs ein Kuhgespann aus Südhessen, das mit seinen imposanten Tieren und dem landwirtschaftlichen Gespann die Blicke der Zuschauer auf sich zog. Es stellte eindrucksvoll den Bezug zur Landwirtschaft und zu den traditionellen Wurzeln des Schäferfestes her. Vermisst wurde beim Festzug zwar die Hungener Schafherde mit Stadtschäfer Ralf Meisezahl, doch war ihr Fehlen gut nachvollziehbar. Die Tiere hatten unter den zurückliegenden trockenen Wochen zu leiden und waren auch am Vortag beim Landesleistungshüten stark gefordert.

Intenationales Jahr der Weidelandschaften

Das Internationale Jahr der Weidelandschaften und Hirtinnen und Hirten 2026 wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen. Es soll weltweit auf die Bedeutung von Weidelandschaften sowie auf die Menschen aufmerksam machen, die diese Landschaften mit ihren Tieren bewirtschaften und erhalten. Weidelandschaften sind nicht nur Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Ernährung, zur Biodiversität und zur Pflege der Kulturlandschaft. Offiziell eröffnet wurde das Internationale Jahr bereits am 2. Dezember 2025 bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom. Mit der hessischen Auftaktveranstaltung in Hungen wurde nun auch in Hessen ein sichtbares Zeichen gesetzt.

Thomas Wißner – LW 36/2026