Immer wieder Tierwohl
Das Tierwohl wird mit vielen Begrifflichkeiten beschrieben; häufig wird von „cow comfort“ gesprochen. Der Begriff ist positiv besetzt, weil es um eine gute Versorgung der Kühe geht, die zu weniger kranken Tieren und höherer Produktivität führt – eine Win-win-Situation.
Demgegenüber ist der Begriff „animal welfare“ sensibler besetzt. Hier geht es mehr um das Tier selbst und seinen Eigenwert. Wissenschaftler und vor allem NGOs kritisieren aus dieser Perspektive bestimmte Aspekte der Milchviehhaltung. Die Branche tut sich damit oft schwer, dennoch ist der Dialog mit allen Akteuren wichtig, um einer „Betriebsblindheit“ vorzubeugen.
Ein dritter Begriff ist „humane dairy farming“, der gelegentlich im Öko-Sektor verwendet wird. Damit kann man sich schwertun, weil hier leicht Dinge vermischt werden. Er verstärkt die Tendenz, dass Menschen sich zu stark in die Lage der Tiere versetzen. Beispiel: Manche nehmen an, Kühe müssten besonders vor Kälte geschützt werden, obwohl sie eher vor Hitze geschützt werden müssen und in kühlen Bedingungen sehr gut zurechtkommen.
Heute liegt der Fokus eher auf dem Tierwohl und der Kuhkomfort ist ein selbstverständlicher Bestandteil der Betrachtungen. Neben dem körperlichen Wohlbefinden spielt der affektive Zustand, die GefühlsÂebene der Kuh, eine wichtige Rolle in der Bewertung von Tierwohl. Und doch lohnt es sich, auch immer wieder einen Blick auf die Basics zu werfen, nicht zuletzt deshalb, weil auch im kommenden Jahr im QM Milch Standard stärker Faktoren wie die Sauberkeit der Kühe bewertet werden.
Sibylle Möcklinghoff-Wicke, Innovationsteam Milch
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