Ein Blick auf die Pfalz von außen

Erwartungen an die Pfalz als Reiseland

Wer sich mit der Zukunft des Pfalz-Tourismus beschäftigt, muss wissen, wie das Fremdbild der Region aussieht. Wie bekannt ist die Pfalz? Was wird damit assoziiert? Und vor allem: Wo liegt sie überhaupt? Die Antworten auf letztere, für Pfälzer erstaunlich klingende Frage, werden mit zunehmendem räumlichen Abstand diffuser. Hat der Frankfurter noch einigermaßen klare Vorstellungen von der geografischen Lage, siedelt der Hamburger die Pfalz „irgendwo“ im Süden der Republik an, in Berlin dürfte das Bild kaum konkreter sein, was erst recht für die neuen Bundesländer gilt.

Bei den Planungen zum Merian-Heft Pfalz machte der verantwortliche Redakteur, selbst Pfälzer, die ernüchternde Erfahrung, dass die Hamburger Kollegen, denen er einen überdurchschnittlichen Bildungsstand attestiert, erst „eingenordet“ werden mussten. Eine Karte musste her, um Klarheit zu schaffen. Mit Erstaunen wurde registriert, dass Worms und Mannheim nicht in der Pfalz liegen, während Speyer, die Weinstraße und Kaiserslautern selbstverständlich als pfälzisch galten. Karto­grafisch besteht also Nachholbedarf. Eine einfache, einprägsame Grafik mit den Umrissen Deutschlands und einem Punkt in der richtigen Ecke könnte in Publikationen und auf Websites zumindest erste Orientierung bieten.

Assoziiert wurden mit der Pfalz vor allem der Wein, gefolgt vom Speyerer Dom, dem Pfälzerwald und, dank des FCK, Kaiserslautern. Es zeigt sich, dass der Fußball in der Lage ist, Orte ins allgemeine Bewusstsein zu heben, die man sonst kaum zur Kenntnis nehmen würde. Kaiserslautern wurde so in den fünfziger Jahren bundesweit bekannt, in den sechzi­ger/siebziger Jahren wider­fuhr dies Mönchengladbach, heute Hoffenheim und dem Kraichgau. Die Werbekraft des Fußballs ist nicht zu unterschätzen, man sollte sie nutzen.

Werbekraft des Fußballs ist nicht zu unterschätzen

Mit der Pfalz assoziiert wird leider auch Provinzialität im Sinne von fehlen­der Weltläufigkeit. Diesem Vorurteil ent­­­ge­genzuwirken war eines der Hauptanlie­gen des Hefts. Die Pfalz soll­te, ja muss immer wieder als Provinz im besten Sinn präsentiert werden, als Ort, der den – vor allem bei Großstädtern – ausgeprägten Wunsch nach Heimat und Geborgenheit befriedigt, ohne provinziell, sprich hinterwäldlerisch zu sein, was die Region wahrlich nicht ist.

Der Bekanntheitsgrad der Pfalz ist erfreulich hoch. Hierbei darf nicht das beliebte „googlen“ als Maßstab gelten. Die Suchmaschine weist zwar mehr als 27 Millionen Treffer auf (im Vergleich: Rheinhessen 1,5 Mio), doch als Namensbestandteil des Bundeslands Rheinland-Pfalz werden auch Eintragun­gen gezählt, die mit der Pfalz nichts zu tun haben. Die Pfalz in Verbindung mit Wein ergibt 534 000 Treffer – aber auch hier drückt das größte weinbautreiben­de Bundesland die Quote naturgemäß nach oben.

Immerhin gilt festzustellen: Während in den frühen achtziger Jahren Pfälzer Weine Exoten auf den Karten Hambur­ger (und nur darüber kann hier einigermaßen empirisch berichtet werden) Restaurants und erst recht Kneipen waren, hat sich das Verhältnis zu ausländischen und auch inländischen Gewächsen zugunsten der Pfalz gedreht. Die Pfalz ist, dank ihrer Weine und einer durchaus wohlwollenden Presse, sprichwörtlich in vieler Munde. Daran gilt es anzuknüpfen.

Pfälzer Spezialitäten sind ein schützenswertes Stück Kultur

Groß ist das touristische Potenzial der Pfalz, vor allem für Genuss-Reisende. Die Weine und die Möglichkeiten, sie zu verkosten, sind erstklassig, die Küche befreit sich allmählich aus der Saumagen- und Leberwurst-Schublade – wobei es eine Todsünde wäre, traditionelle Pfälzer Spezialitäten von der Karte zu streichen und auf eine regional neutrale „Nouvelle Cuisine“ zu setzen. Der Reisende schätzt die Vesper; in Weinstuben und Kneipen ist sie, zu moderaten Preisen angeboten, ein schützenswertes Stück Pfälzer Kultur.

Das Übernachtungsangebot ist vielfältig und geografisch gut gestreut. Von der einfachen Pension bis zum Sterne-Hotel sind alle Kategorien gut vertreten. Naturliebhabern bietet die Pfalz Deutschlands größtes zusammenhängen­des Waldgebiet. Bundesweit einmalig ist die Dichte an Hütten. Es wäre ein für den Pfalz-Tourismus nicht zu unter­schätzender Verlust, müssten die ehrenamtlich betriebenen Häuser aus Mangel an Nachwuchs schließen. Vorbildlich ist auch das vom Pfälzerwald-Verein unterhaltene Wegenetz. Aber auch hier muss darauf geachtet werden, dass die Qualität der vorhandenen Pfade und ihrer Beschilderung aufrecht erhalten und nicht etwa zugunsten neuer „Premium-Wege“ vernachlässigt wird.

Der verantwortliche Redakteur des Merian, selbst Pfälzer, will mit dem Heft dem Vorurteil Provinzialität im Sinne von fehlen­der Weltläufigkeit entgegenwirken.
Foto: Merian

Mit ihren Burgen kann die Pfalz einen weiteren Superlativ in Deutschland aufweisen: Nirgendwo gibt es auf vergleichbarem Raum mehr Spuren mittel­alterlicher Geschichte. Bei einigen Bur­gen wünschte man sich allerdings nä­he­re Informationen. Hier wären Schautafeln hilfreich. Erwähnt werden sollen auch der Mountainbike-Park und die Kletterfelsen der Südpfalz. Es muss jedoch gelingen, die Balance zwischen Freizeitsport und Naturschutz zu halten. Das Fischbacher Biosphärenhaus und das Haus der Nachhaltigkeit auf Johanniskreuz bieten zeitgemäßes Infotainment.

Wein, Wald und Wellness sollte intensiv beworben werden

Wald und Wein sind die Pfunde, mit denen die Pfalz wuchern kann – und muss, möchte sie touristisch noch zule­gen. Wasser- und Wintersport gehören ganz sicher nicht zu den Pfälzer „W“s, WellVINess ist auf einem gutem Weg dahin. Die Verbindung von Wein und Wellness sollte intensiv beworben werden, vor allem in Frauenzeitschrif­ten und Fitness-Magazinen. Aus der Fülle der touristisch relevan­ten Angebote seien die Draisinenstrecken und das Kuckucksbähnel genannt. Diese sind willkommene Zugaben, die von Urlaubern gerne wahrgenommen werden, aber für sich alleine keine Reise­ziele darstellen. Anders der Speyerer Dom. Er lockt Besucher aus aller Welt. Leider treibt er sie nicht in die Pfalz hinein.

Wer für die Pfalz als Reiseziel wirbt, muss die Vielfalt der Möglichkeiten hervorheben und die Angebote miteinander vernetzen. Am besten kann dies über das neue Internetportal www.pfalz.de gelingen. Allerdings muss auch diese Adresse erst einmal beworben werden, ob in Zeitungsanzeigen, in Radio- und Fernsehspots, als Bannerwerbung im Netz oder an der Bande des Betzenbergs. Wenn die Adresse bei Pfalz-Inte­ressierten und Neugierigen angekommen ist, wird die Seite wesentlich mehr leisten als eine Suchmaschine.

Wichtig ist natürlich, dass die Website ansprechend gemacht ist (was man ihr attestieren kann) und häufig aktuali­siert wird, etwa, wenn die Mandelbäume blühen, der erste Storch zurückgekehrt ist oder die Lese beginnt. Es müssen Anreize zu immer neuen Besuchen geschaffen werden – virtuell oder besser noch real. Das gilt selbstverständ­lich auch für die Internetseiten der einzelnen Winzerbetriebe. Kunden und solche, die es werden könnten, interessiert, was im Wingert und im Keller gerade geschieht. Zugegeben: Die ständige Pflege einer Seite bedeutet Arbeit, aber die zahlt sich aus. Und auch für diese Seiten gilt: Eine Karte oder ein Lageplan ist hilfreich bei der Orientierung.

Werbung im Internet kann Ahnenforscher aus Amerika locken

Das World Wide Web bietet im Übrigen auch gute Chancen, Gäste aus Übersee zu gewinnen – bekanntlich war die Pfalz das klassische Auswandererland. Ahnenforschung hat, gerade in Nord- und Südamerika, einen enorm hohen Stellenwert. Auch diese Möglich­keit der Pfalzwerbung sollte, in Zusammenarbeit mit Genealogie-Experten, in Betracht gezogen werden. Die ganz sicher größte Werbewirkung hätte eine Fernsehserie mit der Pfalz als Schauplatz (gemeint ist hier beileibe nicht der Ludwigshafener „Tatort“). Schöne Bilder wirken immer; die Tourismus-Werber im Glottertal und Umgebung schwärmen noch nach 20 Jahren von der „Schwarzwaldklinik“.

Die landschaftliche Vielfalt der Pfalz und ihr hoher Freizeitwert, verbunden mit den Zeugnissen einer 2000-jähri­gen Geschichte und vor allem natürlich den Genüssen der Weinstraße stellen ein reiches touristisches Potenzial dar. Die zahllosen Möglichkeiten für potenzielle Besucher gilt es über die Grenzen hinaus zu transportieren – in einem gut geschnürten Bündel unter dem Dach der Marke Pfalz. Das ist weit effektiver als Einzelaktionen. Der Weintourist muss erfahren, dass er auch wandern, interessante Museen besuchen und mit der Draisine fahren kann. Und der Ham­bur­ger sollte die Pfalz auf Anhieb auf der Landkarte finden. Peter Mьnch, Redakteur Reisemagazin Merian