RWZ Köln mit Umsatzrekord

2008 war ein Ausnahmejahr – Sehr starke Preisschwankungen

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG, (RWZ Köln) ist sehr gut durch das vergangene Jahr gekommen und erzielte mit 2,1 Mrd. Euro den höchsten Umsatz seit Bestehen des Handelsunternehmens, ein Plus von 450 Mio. Euro oder 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Jahresüberschuss beträgt rund 12 Mio. Euro nach Steuern, gegenüber 2007 ein Zuwachs von 3 Mio. Euro. Dies teilte der Sprecher des RWZ-Vorstandes, Hans-Josef Hilgers, vergangene Woche in Köln mit.

Zu dem erfreulichen Geschäftsergebnis hätten alle Geschäftsfelder beigetragen. Zurück­zuführen seien die Um­satz­er­höhung auf eine deutliche men­gen- und insbesondere wertmäßige Steigerung im Bezugsge­schäft mit Düngemitteln, Pflanzenschutz, Saatgut und Agrartechnik sowie im Absatzgeschäft mit Getreide und Ölsaa­ten. Das Jahr 2008 bezeichnete Hilgers als Ausnahmejahr. Die Rahmenbedingungen hätten sich mittlerweile in fast allen Geschäftsfeldern auch unter dem Einfluss der weltweiten Wirtschaftskrise normalisiert, so Hilgers.

Nicht ganz so zufrieden ist das Unternehmen mit der Entwicklung der Eigenkapitalquote. Das Eigenkapital stieg zwar wertmäßig deutlich um 12 Mio. Euro auf 77 Mio. Euro. Aufgrund der erhöhten Bilanzsumme stieg die Quote gegenüber dem Vorjahr jedoch nur um 1,4 Prozentpunk­te auf 15,1 Prozent. Bei stabil gebliebener Bilanzsumme wäre die Eigenkapitalquote auf 17 Prozent gestiegen. Ursache ist die mengen- wie auch wertmäßige Steigerung des Vorratsvermögens bei Getreide sowie die Wertsteigerung bei Düngemitteln im Rahmen der Einlagerung zu ungewöhnlich hohen Preisen. „Wir streben eine Bilanzsumme von 450 Mio. Euro an“. Bis 2010 soll außerdem eine Eigenkapitalquote von 20 Prozent erreicht werden, so Hilgers.

Risiko im Düngerhandel

Nachdem man sehr euphorisch in das vergangene Jahr gestartet war – im Herbst 2007 verzeichnete der Markt bei knappen Beständen ein Preishoch bei Getreide – sei man ernüchtert herausgegangen, so Hilgers zum Geschäftsverlauf. Die schwankenden Preise sind eine große Herausforderung für die Agrarhandelsunternehmen, machte der Vorstandssprecher deutlich. So wurde Getreide in der Spitze mit 300 Euro gehandelt, heute liegt der Preis bei 120 Euro die Tonne. Das gleiche gilt für Dünger: Über viele Jahre habe Kalkammonsalpeter (KAS) etwa 11 bis 13 Euro gekostet, zwischenzeitlich lag der Dünger bei 38 Euro pro Dezitonne. Diese Preisunterschiede sind für die Händler große Risiken. Bei 800 000 Tonnen Getreide, die die RWZ in der Ernte in kurzer Zeit im Geschäftsgebiet erfasst, bedeuten Schwankungen von nur 10 Euro ein potenzielles Risiko von 8 Mio. Euro. Die RWZ habe dies jedoch gut bewältigt, machte Hilgers deutlich. Im Getreidehandel gebe es keine offenen Positionen, was vom Erzeuger gekauft wird, ist schon an Kunden wie Mühlen oder Kraftfutterwerke weiterverkauft, beziehungsweise wird an der Warenterminbörse abgesichert. „Es wird nicht spekuliert“, soHilgers.

Beim Dünger ist die Risikoeingrenzung allerdings nur schwer möglich. „Wir gehen ein Risiko ein, denn wir müssen schon im Juli/August einlagern, damit wir im Frühjahr unsere Kunden versorgen können.“ Ohne den Puffer des Handels sei die Versorgung der Landwirtschaft im Frühjahr nicht sicherzustellen. Hilgers geht davon aus, dass die schwankenden Preise dazu führen werden, dass einige Agrarhan­delsunternehmen in die Insolvenz gehen, nämlich diejenigen, die Ware teuer eingekauft haben, und nicht zu diesen Preisen weiterverkaufen konnten.

Die Erlöse im Pflanzenschutzgeschäft entsprachen Hilgers zufolge mit gut 110 Mio. Euro in etwa dem Vorjahresniveau. An Saatgut setzte die RWZ rund 44 000 t und damit 13 Prozent mehr um. Das Holzgeschäft sei dagegen konjunkturbedingt schwach verlaufen, teilte Hilgers mit. Der Wertumsatz der RWZ im Geschäftsbereich Saatgut einschließlich Holz nahm 2008 geringfügig auf 53,9 Mio Euro zu.

Marktanteile hinzugewonnen

Im Futtermittelgeschäft verzeichnete die RWZ laut Angaben des Vorstandssprechers einen Umsatzanstieg um fast 50 Prozent auf 227 Mio. Euro und eine Absatzsteigerung um fast 20 Prozent auf 812 000 t. Die Mischfuttereigenproduktion sei um mehr als ein Fünftel auf 380 000 t gestiegen. Ursache hierfür seien der Rückgang hofeigener Futtermischungen und die deutliche Intensivierung der Vertriebsaktivitäten seitens der RWZ und ihrer Mitgliedsgenossenschaften gewesen, erklärte Hilgers. Damit einhergegangen sei eine Erhöhung der Markt­­anteile.

Deutliche mengen- und wertmäßige Zuwächse habe der Ein­zel­komponentenhandel verbuchen können. Ab der zweiten Jah­reshäl­f­te habe sich das Misch­futtergeschäft jedoch zunehmend schwieriger gestaltet, da der Rückgang der Getreidepreise wieder zu mehr Eigenmischun­gen auf den Höfen geführt und der Preisdruck im Milch- und Fleischbereich eine spürbare Verringerung der Tierbestände zur Folge gehabt habe.

Als eine erneut beeindruckende Aufwärtsentwicklung wertete Hilgers den Umsatzzuwachs im Agrartechnikgeschäft um 15 Prozent auf 155 Mio. Euro. Rund 710 Neuschlepper habe die RWZ 2008 in ihrem Geschäftsgebiet abgesetzt. Der Geschäftsbereich Weinbau- und Kellereibedarf konnte laut Hilgers den Umsatz um 7 Prozent auf 65 Mio. Euro ausbauen. Dazu habe auch die erhebliche Intensivierung der betreffenden RWZ-Vertriebsaktivitäten beigetragen.

800 000 Tonnen Getreide erfasst

Zum Absatzgeschäft führte Hil­gers aus, dass die RWZ in ihrem Geschäftsgebiet aus der Ernte 2008 rund 800 000 t Getreide erfasst habe. Insgesamt habe der Konzern den Wertumsatz im Jahr 2008 um 35 Prozent auf 435 Mio. Euro und die gehandelte Menge um mehr als 9 Prozent auf fast 1,6 Mio. t gesteigert. Auch das Kartoffelgeschäft der RWZ-Gruppe habe sich trotz Anbaurückgang mit einem Anstieg des Handelsvolumens um 122 000 t oder 11 Prozent auf etwa 1,24 Mio. t erfreulich entwickelt.

Das Geschäft mit Treibstoffen, Ölen, Fetten, festen Brennstoffen habe ebenfalls deutlich zugenom­men. Die Erlöse seien um 61 Prozent auf 532,5 Mio. Eu­ro ge­stiegen. Von allen Geschäftsbereichen am stärksten von der Rezession betroffen war laut Hilgers das Baustoffgeschäft. Die RWZ habe hier mit 58 Mio. Eu­ro aber den Umsatz nahezu halten können, was auf die vor ei­niger Zeit eingeleitete Konzen­tra­tion der Baustoffaktivitäten und auf Sanierungsmaßnahmen zurückzuführen sei. CM