Bündnis gegen ruinösen Preisdruck bei Milch

DBV, dlv und NGG mit gemeinsamem Appell an den Handel

Der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche LandFrauenverband (dlv) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gehen gemeinsam gegen den ruinösen Preisdruck bei Milch im Lebensmitteleinzelhandel vor. Anlässlich einer Presseaktion vor einer Filiale des Discounters Lidl am vergangenen Freitag in Berlin rief DBV-Präsident Gerd Sonnleitner die Verantwortlichen in den Handelsunternehmen zur Änderung ihrer bisherigen Preispolitik auf: „Kommt endlich zur Besinnung, stoppt den Wahnsinn der Preisspirale nach unten, vernichtet nicht Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen und in der Verarbeitung, denkt an die langfristige Verfügbarkeit des wichtigen Nahrungsmittels“, erklärte Sonnleitner.

Brigitte Scherb, Franz-Josef Möllenberg und Gerd Sonnleitner prüfen bei Lidl die Milchpreise an der Ladentheke. Nach fünf Preissenkungen in diesem Jahr steht die Milch im Regal für 48 Cent. Vor zwei Jahren war dies noch der Preis, den die Bauern erhielten.
Foto: dbv

Nach den Worten des NGG-Vorsitzenden Franz-Josef Möllenberg trifft der Preiskampf im Lebensmittelhandel Bauern und Arbeitnehmer. Die Nachfragemacht des Handels vernichte bäuerliche Existenzen und Industriearbeitsplätze. Der „Dumpingwahnsinn“ müsse ein Ende haben, forderte Möllenberg. dlv-Präsidentin Brigitte Scherb appellierte an die Verbraucher, endlich Schluss zu machen mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität bei Lebensmitteln“. Für erhebliche Aufmerksamkeit in den Medien sorgte auch eine vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) initiierte Übernachtung von rund 200 Bäuerinnen aus dem ganzen Bundesgebiet vor dem Bundeskanzleramt (siehe S. 9).

Staatssekretär für Rücknahme der Mengenausdehnung

Unterdessen forderte Staatssekretär Dr. Gerd Müller vom Bundeslandwirtschaftsministerium erneut einen EU-Sonderagrarrat zur Krise auf dem Milchmarkt. Seiner Ansicht nach können die Probleme auf dem Milchmarkt nur gesamteuropäisch gelöst werden. Er sprach sich dafür aus, die beschlossene Mengenausdehnung zurückzunehmen, eine europaweite Marktoffensive zu starten sowie die Oligo­polstruktur des Einzelhandels zu überprüfen.

Sonnleitner, Möllenberg und Scherb betonten bei ihrer Zusammenkunft vor der Lidl-Filiale, weder Bauern noch Gewerkschaften könnten oder wollten den Markt aus den Angeln heben. In der derzeitigen weltweiten Krise müsse jedoch der Gemeinsinn aller in Politik, Wirtschaft und Verbraucherschaft mobilisiert werden, damit nicht Werte in der gesamten Lebensmittelkette unwiderruflich vernichtet würden. „Eine Bauernfamilie mit Milcherzeugung hat mit den derzeitigen Erzeugerpreisen nur noch Arbeit und nur noch Kosten, aber keinen einzigen Euro Verdienst“, stellte Sonnleitner fest. Die Größe eines Betriebs spiele dabei keine Rolle. Milchbauern müssten tagtäglich vom Ersparten drauflegen, lebten von der Substanz und gerieten in Existenznot. Mit einem gelben Aufkleber „Danke Lidl – jetzt reichts“ auf der Milchtüte für 48 Cent forderten Möllenberg, Sonnleitner und Scherb Discounter und Verbraucher zum Nachdenken und Handeln auf. age