Rebsortensynonyme bei der Weinvermarktung?

Umfrage zu Rebsortensynonymen bei Weinbaubetrieben

Der Gesetzgeber lässt die Verwendung von Weinsynonymen zu. Wie kommen solche Syno­nyme bei der Kundschaft an? Wissen die Kunden immer, welche Rebsorte dahinter steckt? Lässt sich damit Wein leichter verkaufen? Was bewirkt der Name einer „neuen Rebsorte“ beim Kunden? Für unser LW fragte Rudolf Litty, Freimersheim, bei Winzern nach, ob sie bei der Weinvermarktung Rebsortensynonyme verwenden und welche Erfahrungen sie gemacht haben?

Das Weingut Minges aus Roschbach, vermarktet seinen leichteren Grauburgunder als Pinot Grigio Kabinett, seit der Gesetzgeber es erlaubt Synonyme bei der Weinbezeichnung zu verwenden. Hierdurch konnte Joachim Minges eine deutliche Belebung des Umsatzes bei dieser Rebsorte verzeichnen. „Ziel dieser Namensgebung war es, die mittlere Altersgruppe der Weintrinker durch die international bekannte Rebsortenbezeichnung an unser Weingut zu binden. Schwerere Weine ab Spätlese tragen weiterhin die traditionell deutsche Bezeichnung des Grauburgun­ders“, erklärte Minges. Er beobachtete, dass viele Kunden großes Interesse an Pinot Grigio zeigen, manchmal ohne zu wissen, welche Rebsorte sich hinter diesem Namen verbirgt. Da das Weingut Minges den persönlichen Kontakt zum Kunden sehr pflegt, fällt es nicht schwer den Verbraucher über die Syno­nyme der Weinbezeichnung aufzu­klären. „Vermarktungstechnisch war die Umstellung der Weinbezeichnung dieser Rebsorte für das Weingut ein richtiger Schritt, woran wir in Zukunft festhalten“, zieht Minges ein Fazit. Die Weinkellerei Reinhold Meyer GmbH, Landau-Godramstein, hatte vor einiger Zeit im Randsortiment einen Grauburgunder Spätlese, in der traditionellen, lieblichen Geschmacksrichtung und einen Grauen Burgunder QbA, trocken, in einer recht breiten, säurearmen Geschmacksrichtung. „Die­se Weine brachten keine ausreichenden Umsätze, die Nachfrage war unbedeutend- das lag jedoch teils an unserer Vertriebsschiene Fachhandel Exclusiv, mit wenig persönlichem Kontakt zum Endverbraucher“, erzählte Reinhold Meyer. Gleich nachdem sich die Gesetzgebung änderte und Synonyme wie Pinot Gris oder Pinot Grigio aus deutschem Wein erlaubt waren, entschlossen sich Meyers spontan, Pinot Grigio QbA, mit wenig Restzucker und frischer Säure anzubieten. Zwischenzeitlich gehöre dieser Artikel zum Standardsortiment und sei ein Selbstläufer. Weitere Synonyme zu verwenden sind in der Überlegung, die Weinkellerei Meyer wird den Markt beobachten.

Überwiegend gute Erfahrungen

Timo Erlenwein, vom Weingut Erlenwein in Ilbesheim, verwendet bei der Weinvermarktung im Weingut die Weinsynonyme Rivaner und Grauburgunder. Diese beiden Synonyme zeigen, wie sehr sich die Kunden bei der Weinauswahl an der Sortenbezeichnung orientieren. Erlenwein konnte feststellen, dass Weine der gleichen Rebsorte unterschiedlich gut von den Kunden angenommen wurden. Zum einen, weil die Verwendung eines Synonyms eine Neuerung im Sortiment darstellte, zum anderen aber auch, weil sich die Kunden zu jeder Weinbezeichnung ein bestimmtes Geschmacksbild eingeprägt haben. „Wenn dieses Geschmacksbild nicht mehr dem Zeitgeist entspricht, wird es schwer Weine unter der jeweiligen Sortenbezeichnung zu verkaufen“, sagte Erlenwein. Eine Vielzahl der Wein­kunden kenne sich inzwischen sehr gut mit der Verwendung von Syno­nymen aus. Dennoch würden Weine, die mit Weinsynonymen bezeichnet sind, in der Regel viel objektiver verkostet als Weine der gleichen Rebsorte unter der gewohnten Bezeichnung. Thomas Siegrist vom Weingut Siegrist & Schimpf, Leinsweiler, hat sich aufgrund seiner Exporttätigkeiten mit Japan und USA für die Synonymanwendung bei allen Pinot Noir Sorten entschieden. Auch aus Finnland sei der konkrete Wunsch für das Synonym Pinot Blanc gekommen. Siegrists wollten eine einheitliche Etikettenlinie aufziehen und haben sich dann überlegt die Synonymanwendung konsequent durch­zuziehen. „Hinsichtlich der neuen Rebsortenbezeichnung hat ein Teil der deutschen Kundschaft schon sehr kontrovers reagiert, was sich aber im Laufe von zwei Jahren gegeben hat. Heute sind wir froh darüber, dass wir dieses Thema so konsequent durchgestanden haben. Auch bringt uns diese eine Linie bei der Etikettierung eine nicht unerhebliche Kostenersparung“, ziehlt Siegrist Bilanz. Rudolf Litty, LWK Weinbauamt, Neustadt/Weinstraße


Zugelassene Rebsortensynonyme
Am 1. August 2003 ist das neue EU-Bezeichnungsrecht in Kraft getreten,
welches die Verwendung der Rebsortensynonyme zulässt. Die zulässigen Synonyme sind:

Name der RebsorteSynonyme Bezeichnung
Weißer BurgunderWeißburgunder, Pinot blanc oder Pinot bianco
Roter ElblingElbling
Weißer ElblingElbling
Blauer FrühburgunderFrühburgunder
Roter GutedelGutedel, Chasselas
Weißer GutedelGutedel, Chasselas
Blauer LimbergerLemberger, Blaufränkisch
Früher MalingerMalinger
Früher roter MalvasierMalvasier, Malvoisie
MüllerrebeSchwarzriesling, Pinot meunier
Müller-ThurgauRivaner
Gelber MuskatellerMuskateller, Moscato, Muscat
Roter MuskatellerMuskateller, Moscato, Muscat
Blauer PortugieserPortugieser
Weißer RieslingRiesling, Rheinriesling oder Riesling renano
RuländerGrauer Burgunder, Grauburgunder, Pinot gris oder Pinot grigio
Grüner SilvanerSilvaner, Sylvaner
Blauer SpätburgunderSpätburgunder, Pinot noir oder Pinot nero
Blauer TrollingerTrollinger
Grüner VeltinerVeltliner
SyrahShiraz