Knackpunkt ist die Nährstoffversorgung
Feldbegehung zu Öko-Raps am Betrieb Neuberger
Wie lässt sich Raps erfolgreich im ökologischen Landbau anbauen? Diese Fragestellung stand im Mittelpunkt der Feldbegehung des Kompetenzzentrums ökologischer Landbau (KÖL) Rheinland-Pfalz am 9. Juni 2026 auf dem Betrieb von Nils Neuberger in Griebelschied. Die Veranstaltung bot die Möglichkeit zum Austausch über Anbau, Bestandsführung und Vermarktung der anspruchsvollen Kultur und zur Diskussion der Erfahrungen aus dem Demonstrationsanbau auf dem Betrieb.
Foto: Cypzirsch
Aussaat im Mais-Reihenabstand
An der Demonstrationsfläche erläuterte Betriebsleiter Nils Neuberger die bisherige Bewirtschaftung des Schlages. Der Raps folgt in der Fruchtfolge auf Kleegras, Mais und Winterweizen. Vor der Aussaat erfolgte zunächst ein flacher Stoppelsturz. Anschließend wurde Stallmist ausgebracht und eingepflügt. Nach einem weiteren Grubbergang wurde am 26. August 2025 die Sorte „Picard“ mit einer Saatstärke von 28 Körnern/m² ausgesät.
Vermarktung des Öko-Rapses
Neben den ackerbaulichen Fragestellungen spielte auch die Vermarktung eine wichtige Rolle in der Diskussion. Für eine Nischenkultur wie Öko-Raps gestaltet sich die Vermarktung derzeit nicht einfach. Gleichzeitig bietet die Kultur mehrere Vorteile für ökologisch wirtschaftende Betriebe. So kann der bei der Ölgewinnung anfallende Presskuchen als hochwertiges Futtermittel genutzt werden. Darüber hinaus wird der Vorfruchtwert des Rapses positiv bewertet.
Auf dem Betrieb Neuberger soll nach der Rapsernte erneut Weizen angebaut werden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, innerhalb der Fruchtfolge zweimal Weizen nach günstigen Vorfrüchten zu etablieren – einmal nach Kleegras und ein weiteres Mal nach Raps.
Kritisch bewertet Betriebsleiter Nils Neuberger derzeit jedoch den vergleichsweise hohen Bedarf an Stallmist. Organische Düngemittel sind auf dem Betrieb ein knappes Gut, sodass der Raps in direkter Konkurrenz zu anderen Kulturen der Fruchtfolge steht.
CypzirschDie Aussaat erfolgte mit einer Einzelkornsämaschine in einem Reihenabstand von 75 cm. Diese für den Rapsanbau große Reihenweite ergibt sich aus den betrieblichen Gegebenheiten, da auch der auf dem Betrieb angebaute Mais in diesem Abstand ausgesät und gehackt wird. Die Beikrautregulierung im Raps erfolgte am 10. Oktober 2025 mit der Hacke. Zu Vegetationsbeginn 2026 wurde eine zweite Mistgabe ausgebracht.
Jochen Buß ergänzte, dass der Bestand trotz des weiten Reihenabstandes bereits im November fast Reihenschluss erreicht hatte. Mit rund 1 kg Frischmasse/m2war der Bestand im Herbst gut entwickelt. Rückblickend wäre ein zweiter Hackgang im Frühjahr möglich gewesen, um den ausgebrachten Mist einzuarbeiten und Beikräuter zu regulieren. Die aktuell vorhandenen Beikräuter seien mit Blick auf die Ernte jedoch als unkritisch zu bewerten. Insgesamt steht der Bestand aktuell gleichmäßig und dicht und lässt eine akzeptable Ernte erwarten.
Befall durch Stängelrüssler
Bei näherer Betrachtung einzelner Pflanzen wurde deutlich, dass der Bestand von Stängelrüsslern befallen ist. Während die Pflanzen äußerlich weitgehend unauffällig erscheinen, zeigt sich im Pflanzeninneren teilweise ein deutlich geschädigtes Markgewebe. Vor diesem Hintergrund wurde diskutiert, wie gut die Pflanzen zusätzlichen Stress durch Hitze und Trockenheit bis zur Ernte kompensieren können und welche Auswirkungen dies auf die Ertragsbildung haben könnte.
Für die Ernte 2027 ist erneut ein Rapsanbau nach Weizen vorgesehen. In der kommenden Saison sollen die bisherigen Erfahrungen genutzt werden, um das Anbauverfahren weiter zu optimieren. Das KÖL wird den Betrieb dabei weiterhin begleiten und unterstützen. Ziel ist es, die Machbarkeit des Öko-Rapsanbaus unter den regionalen Bedingungen praxisnah zu demonstrieren sowie interessierten Betrieben eine Plattform für fachlichen Austausch, Vernetzung und Wissenstransfer zu bieten.
Katharina Cypzirsch, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), KÖL – LW 26/2026
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