Kosten, Bürokratie, Politik: Bauern und Winzer unter Druck

Jahreskreisversammlung SÜW und GER in Impflingen

Positives, aber auch viel Negatives hatten die Vorsitzenden der Kreisverbände Südliche Weinstraße (SÜW) und Germersheim (GER) im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV) aus dem vergangenen Jahr zu berichten. Themen wie Betriebskosten, gesetzliche Rahmenbedingungen oder Zukunftsaussichten der Branche dominierten die Jahreskreisversammlung vergangene Woche in Impflingen. Der Kreisverband SÜW wählte seinen Vorsitzenden und dessen Stellvertreter. Der BWV ehrte langjährige Mitstreiter.

Karl-Friedrich Junker (li.), Roland Bellaire (2.v.li.) und Eberhard Hartelt (re.) ehrten Hartmut Keller für sein langjähriges Engagement mit der Silbernen Verdienstnadel des BWV. Der Winzer aus Göcklingen ist seit 1987 im Verband aktiv.

Foto: I. Krick

Dass das Wetter, die Energiepreise oder die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln nicht die einzigen Gründe für die Probleme der Winzer in der Pfalz sind, machte der Kreisvorsitzende des BWV SÜW, Karl-Friedrich Junker, in seinem Bericht über das vergangene Jahr deutlich.

Zwar habe man 2025 gute Qualitäten mit hohen Mostgewichten lesen können. Besonders hob Junker hier den Dornfelder mit bis zu 80 °Oe hervor. Dies habe jedoch nicht dazu geführt, dass sich die auf niedrigem Niveau stagnierenden Preise erholt hätten. Ein europaweites Überangebot an Wein und Dumping-Angebote der Discounter hätten die Preise zusätzlich negativ beeinflusst.

Von der Landes- sowie Bundesregierung habe man sich weitestgehend im Stich gelassen gefühlt, führte Junker weiter aus. Faktoren wie Mindestlohn oder steigende Dieselpreise hätten zur Folge, dass die deutschen Winzer im europäischen Vergleich immer weniger konkurrenzfähig seien. Junker sprach außerdem über das EU-Weinpaket und stellte die darin enthaltenen Neuerungen vor. Dass darin ein europaweiter Anbaustopp fehle, bedauerte er.

Wettbewerbsfähigkeit ist zentral für die Betriebe

„Das Jahr 2025 stellte uns vor große Herausforderungen“, eröffnete der Kreisvorsitzende des Kreisverbands GER, Roland Bellaire, seinen Bericht, der sich auf den Ackerbau konzentrierte. Von zentraler Bedeutung sei auch hier die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.

„Kostensteigerungen für Energie, Dünger und Pflanzenschutz treffen unsere Betriebe mit voller Wucht“, teilte Bellaire die Einschätzung seines Vorredners. Die Erzeugerpreise seien in den meisten Fällen deutlich zu niedrig. Bellaire bemängelte die stetige Entwicklung hin zu einer „Kalenderlandwirtschaft“. „Es wird vorgeschrieben, wann gedüngt, wann gepflügt werden darf und wann nicht.“ Dies habe aber oft nur sehr wenig mit den konkreten Bedingungen vor Ort zu tun. Er plädierte dafür, mehr in das Wissen der Landwirte zu vertrauen und weniger an starren Regelungen festzuhalten. In Bezug auf das Düngerecht forderte er bundesweit einheitliche Regelungen.

Brüssel, Berlin, Mainz – es ist die Gesamtsituation

Der Präsident des BWV Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, spannte in seiner Rede einen Bogen von Brüssel über Berlin nach Mainz. Es seien nicht einzelne Punkte, vielmehr sei man mit der Gesamtsituation unzufrieden.

Er sprach die gegenwärtig diskutierten Kürzungen von EU-Geldern in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz sowie der ländlichen Entwicklungsförderung an und kritisierte dies scharf.

Von Berlin erwartet Hartelt einen Abbau von Bürokratie sowie die schnellere Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. In Sachen Mindestlohn berichtete er von einem Rechtsgutachten, das eine Sonderregelung rechtfertigen würde (LW-Ausgabe 12).

Mit Blick auf die zukünftige Landesregierung in Mainz, äußerte der BWV-Präsident seine Hoffnung auf bessere Unterstützung der Landwirte und der Winzer. Wichtig sei eine effizientere Verwaltung sowie eine weitere Entbürokratisierung.

Weintourismus, Export und Lebensmitteleinzelhandel

Joseph Greilinger, Geschäftsführer der Pfalzwein e. V. stellte in seinem Vortrag Marktdaten, Käuferverhalten und Werbeaktionen vor. Drei Sektoren seien für die Weinwerbung von besonderer Bedeutung: der Weintourismus, der Export in Drittländer und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH).

Mit der DWI-Kommunikationskampagne 2026 „Dein Moment. Dein Wein“ wolle man der sinkenden Nachfrage nach Wein eine gemeinsame Werbung entgegen setzen. Ziel sei es, sich auf Konsummomente zu fokussieren. Weiter Informationen gibt es im Internet unter www.pfalz.de/de/servicebereich-fuer-winzer.

Wahlen und Ehrungen

Ein weiterer Punkt im Programm war die Wahl des Kreisvorsitzenden SÜW sowie dessen Stellvertreter. Karl-Friedrich Junker wurde per Akklamation in seinem Amt bestätigt. Seine Stellvertreter sind Thomas Knecht und Ingo Pfalzgraf, die en bloc gewählt wurden. Gegenstimmen gab es jeweils keine.

Der BWV verlieh an diesem Abend zwei Silberne Verdienstnadeln. Für sein Engagement seit 1987 im Verband wurde Hartmut Keller aus Göcklingen geehrt. Der Elsässer Paul Schiellein erhielt ebenfalls eine Silberne Verdienstnadel. Er ist seit 1986 für die Landwirtschaft und die deutsch-französische Freundschaft engagiert.

ik – LW 14/2026