Kühe müssen wiederkauen
Das Wiederkäuen gehört bei den Kühen zur täglichen Routine. Etwa 35 bis 40 Prozent des Tages verbringen die Kühe mit dem Wiederkäuen (das sind ungefähr sieben bis neun Stunden). Hört sich banal an, ist es aber nicht, denn das Wiederkauen ist entscheidend für Gesundheit und Leistung der Kuh. Es fördert die Speichelbildung, stabilisiert den pH-Wert im Pansen und verbessert die Faserverdauung.
Eine sinkende Wiederkauzeit ist oft ein frühes Warnsignal für Gesundheits- oder Fütterungsprobleme. Die Wiederkauzeit wird schon lange als frühes Warnsignal genutzt, um Brunst zu erkennen, um Krankheiten und Probleme rund um die Geburt frühzeitig festzustellen und auch, um Hitzestressmaßnahmen zu bewerten.
Aber könnte das Wiederkäuen noch etwas anderes signalisieren? Ein aktueller Forschungsbericht des Miner Institute (USA) zeigt, dass das Wiederkäuen eine größere Rolle spielt, als wir gemeinhin annehmen. Die Studie mit über 3 500 Holstein-Färsen ergab, dass Tiere mit höherer Wiederkauzeit tendenziell mehr Milch produzieren, schneller wieder tragend werden und weniger Gesundheitsprobleme haben.
Besonders junge Färsen müssen in der Übergangsphase viel bewältigen: Kalben, den Wechsel in einen neuen Stall und eine Umstellung der Fütterung. Manche Färsen kommen mit diesen Veränderungen leichter zurecht als andere, und wie bei Menschen sind auch hier keine zwei Individuen gleich.
Kühe unterscheiden sich darin, wie stark ihre Wiederkauzeit vor und nach dem Kalben zurückgeht und wie schnell sie sich davon erholen. Diese Muster gelten als Indikator für die sogenannte Resilienz (Widerstandsfähigkeit). Die Studie fand eine Heritabilität zwischen 0,06 und 0,62, wobei die genetische Komponente besonders in den letzten Wochen vor dem Kalben deutlich war.
Das deutet darauf hin, dass manche Kühe von Natur aus besser mit Belastungen umgehen können. Die Wiederkauzeit könnte demnach nicht nur als Frühindikator für Krankheiten genutzt werden, sondern auch als mögliches Zuchtmerkmal, denn Kühe, die gut wiederkauen, entwickeln sich meist auch insgesamt besser. Die Züchtung auf Wiederkauverhalten könnte also ein weiterer Schritt in die Zukunft sein.
Sibylle Möcklinghoff-Wicke, Innovationsteam Milch
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