Landtechnikexperten

Agritechnica-Nachlese beim Frankfurter Landwirt. Verein

„Nachlese Agritechnica 2011“ und „Neuere Trends in der Landtechnik“ waren die Themen der ersten Veranstaltung der Vortragsreihe des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins (FLV) im Winterhalbjahr.

DLG-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Grandke.

Foto: Jörg Rühlemann

„Die globalen Herausforderungen an die Landwirtschaft bleiben bestehen. Der siebenmilliardste Mensch wurde kürzlich geboren und 2050 sollen weltweit rund neun Milliarden Menschen erreicht werden. Gleichzeitig steigt der Bedarf an agrarischen Rohstoffen für die Energieerzeugung“, schätzt Dr. Reinhard Grandke, der Hauptgeschäftsführer der DLG, die Situation der Landwirtschaft ein. Die Ergebnisse des Trendmonitorings Europa, das die DLG zusammen mit Europas führendem Agrarmarkt-Forschungsinstitut durchgeführt hat, zeige, dass Europas Landwirte optimistisch in die Zukunft blicken. Die Landwirte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien schätzten der Umfrage zufolge ihre aktuelle Geschäftslage als stabil auf hohem Niveau ein. Auch für Polen, Tschechien und Ungarn könne im langjährigen Trend eine positive Einschätzung der aktuellen Geschäftslage registriert werden. „Offensichtlich sind die Landwirte dieser Länder in Europa angekommen und richten ihre Betriebe an den globalen Rahmenbedingungen aus“, meint Dr. Grandke.

Die diesjährige Messe hatte mit 2 703 Ausstellern, davon die Hälfte (1 343) aus dem Ausland, einen neuen Höchststand erreicht, so das FLV-Vorstandsmitglied weiter. Auch die Besucherzahl habe mit 419 212, davon 97 676 aus dem Ausland, stark über derjenigen von 2009 (gut 355 000) gelegen, was die große Anziehungskraft der Agritechnica auf die Landwirte, Lohnunternehmer und Maschinenringe aus aller Welt bestätige.

Wie Besucherbefragungen zeigten, bewerteten zwei Drittel der Landwirte ihre derzeitige und auch künftige betriebliche Situation als gut – deutlich mehr als 2009. Auch die Investitionsabsichten in den nächsten zwei Jahren lägen mit 72,5 Prozent über dem Wert der Befragung vor zwei Jahren (69,6 Prozent). Über die Hälfte der Befragten nenne Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen als Investitionsgrund. Di Befragungsergebnisse belegten außerdem einen außer­ordentlichen Informationsbedarf bei den Landwirten, wofür ihnen die Agritechnica eine umfassende und aktuelle Plattform biete, so Grandke.

Innovationen hervorgegehoben

Nach kurzer Darstellung der Organisation und der Aufgaben des DLG-Testzentrums für Technik und Betriebsmittel in Groß-Umstadt, der führenden Prüfeinrichtung für die Agrarbranche in Europa, stellte deren Geschäftsführer Dr. Hermann Buitkamp Neuheiten auf der Agritechnica 2011 vor. Wie zu jeder Agritechnica habe die DLG für hervorragende technische Innovationen Gold- und Silbermedaillen verliehen. In diesem Jahr habe eine von der DLG eingesetzte neutrale Expertenkommission zwei Gold- und 39 Silbermedaillen vergeben. Diese sind bereits in den Wochenblattausgaben 44 und 45/2011 vorgestellt worden, weshalb die Ausführungen des Referenten hierzu an dieser Stelle nicht nochmals wiedergegeben werden.

Technikneuheiten stellte Dr. Hermann Buitkamp vom DLG-Testzentrum vor.

Foto: Jörg Rühlemann

Ferner beschrieb der Testzentums-Geschäftsführer die ebenfalls ausgezeichnete Neuheit Toni – Telematics on implement von Claas. Toni ist von Claas in Zusammenarbeit mit den Im­plement(=Geräte-)-Herstellern Amazone, SGT Schönebeck, Horsch, Kaweco, Lemken und Zumhammer entwickelt worden, wobei der Veranstalter mit der Vergabe einer Neuheiten-Silbermedaille auch das gemeinsame Engagement würdigte. Das System bündele die direkte Datenübermittlung der gesamten Arbeitseinheit, also Traktor und Anbaugerät auf dem Betriebscomputer. Dem Landwirt stehen damit während des Arbeitseinsatzes in Echtzeit die Daten der eingesetzten Maschinen zur Verfügung. Aller fünf Sekunden werden automatisch zwölf Ertragskartierungsdaten, aller 15 Se­kunden 44 Leistungs- und Einstellungsdaten und auf Abruf rund 160 Zählerstände mit Hilfe eines Mobilfunkproviders übertragen. Mit Genehmigung des Betriebsleiters können die Daten auch Servicepartnern zur Verfügung stehen. Einstellungen ließen sich während des Einsatzes optimieren, hob der Referent hervor. Beim Einsatz von Toni in Westeuropa würden die Kunden voraussichtlich Lohnunternehmer und Agrarbetriebe mit mehreren Maschinen sein.

Viele Software-Neuerungen

Bei der von FLV-Vorstandsmitglied Karl-Adolf Jakob geleiteten Diskussion war man sich einig, dass die auf der diesjähri­gen Agritechnica vorgestellten und prämierten Neuheiten überwiegend „viel Software, jedoch kaum technisch revolutionäre Neuerungen“ seien. An das Testzentrum wären viele Nachfragen über Prüfungen technischer Neuheiten gerichtet worden. Sie dienten den Herstellern sowohl als Vergleichsprüfungen für interne Schulungen als auch zur Argumentation beim Vertrieb von Maschinen und Geräten sowie bei der Erschließung neuer Absatzgebiete.