Medien prägen das Verständnis von Landwirtschaft
Erweiterter Verbandsrat zu Gast beim Hessischen Rundfunk
Wie wird Landwirtschaft in den Medien dargestellt und wie können Landwirtschaft und Journalismus stärker miteinander ins Gespräch kommen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Besuchs des Erweiterten Verbandsrates des Hessischen Bauernverbandes beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Neben Einblicken in die journalistische Arbeit bot der Termin Gelegenheit für einen offenen Austausch mit der Spitze des hr und verschiedenen Redaktionen.
Foto: Michelle Mantey
Landwirtschaft und Medien im Dialog
Im Anschluss an die Führung stand der direkte Austausch im Mittelpunkt. Intendant Florian Hager, Programmdirektorin Julia Krittian, Wolfhard Kahler von der Hessenunit sowie Redakteure verschiedener Hörfunkredaktionen kamen mit den Vertretern des Berufsstandes ins Gespräch. Dabei berichteten die hr-Vertreter über aktuelle Herausforderungen für den Journalismus und die notwendigen Einsparungen beim Sender. Zugleich wurde deutlich, dass Einsparungen nicht zulasten der journalistischen Qualität gehen sollen. Eine zentrale Aufgabe sei es vielmehr, unterschiedliche Alterszielgruppen mit zeitgemäßen Angeboten zu erreichen. Eine wachsende Bedeutung kommt dabei Social Media und nichtlinearen Angeboten zu. Sie bieten die Möglichkeit, insbesondere jüngere Menschen dort anzusprechen, wo sie Medien heute konsumieren. Gleichzeitig verändern Künstliche Intelligenz und die zunehmende Verbreitung von Falschinformationen die Medienlandschaft. Umso wichtiger werde es für journalistische Angebote, auch auf diesen Plattformen präsent zu sein und neue Wege der Vermittlung zu gehen.
Ein Schwerpunkt des Austauschs lag auf der Frage, wie Landwirtschaft in den Medien dargestellt wird und wie die Lebensrealität der landwirtschaftlichen Betriebe stärker Eingang in die Berichterstattung finden kann. HBV-Präsident Karsten Schmal machte deutlich, dass er sich eine stärkere Präsenz der Landwirtschaft in ihrer tatsächlichen Vielfalt wünsche. Entscheidend sei die Frage, wie Medien und Landwirtschaft noch stärker aufeinander zugehen könnten. Auch aus den Reihen des Verbandsrates wurde die Diskrepanz zwischen Stadt und Land thematisiert. Landwirte versorgten die Bevölkerung mit Lebensmitteln und leisteten darüber hinaus einen Beitrag zur Energie- und Wasserversorgung. Gleichzeitig würden gesellschaftliche Erwartungen an die Art und Weise der landwirtschaftlichen Produktion immer größer. Hier brauche es mehr gegenseitiges Verständnis und einen kontinuierlichen Dialog. Vonseiten des hr wurde betont, wie wichtig Impulse von außen für die journalistische Arbeit seien. Themenvorschläge, Ideen, aber auch Kritik und Beschwerden sollten aktiv an die Redaktionen herangetragen werden. Auf diese Weise könnten unterschiedliche Regionen Hessens und das Leben im ländlichen Raum noch stärker in der Berichterstattung berücksichtigt werden.
Agrarmärkte und GAP im Fokus des Verbandsrates
Im Anschluss an den Austausch mit dem Hessischen Rundfunk fand die reguläre Sitzung des Erweiterten Verbandsrates statt. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die schwierige Erlössituation und die Unsicherheiten auf den Agrarmärkten. Die wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe bleibt angespannt. Ein weiterer Schwerpunkt war die zukünftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2027. HBV-Referent Paul Hübner informierte den Verbandsrat über den aktuellen Stand. DBV und HBV lehnen Kürzungen des Agrarbudgets sowie eine Aufweichung der eigenständigen europäischen Agrarpolitik ab. Gefordert werden insbesondere der Erhalt der Zwei-Säulen-Struktur, ein konsequenter Bürokratieabbau sowie Förderinstrumente, die auf den landwirtschaftlichen Betrieben tatsächlich einkommenswirksam werden. Entsprechend intensiv werden die Gespräche und Verhandlungen zur künftigen Ausgestaltung der GAP in Brüssel und Berlin weitergeführt. Der Besuch beim Hessischen Rundfunk verband damit zwei wichtige Themen für den Berufsstand: den Dialog über die öffentliche Wahrnehmung der Landwirtschaft und die Auseinandersetzung mit den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Betriebe.
Michelle Mantey, HBV – LW 44/2026
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