Mitgliederversammlung des RBV Starkenburg

Energiepreise, Flächenfraß und Wettbewerbsfähigkeit im Fokus

Rund 60 Landwirtinnen und Landwirte folgten der Einladung zur Mitgliederversammlung des Regionalbauernverbandes (RBV) Starkenburg in die Stadthalle Groß-Umstadt. Im Mittelpunkt standen neben den Regularien vor allem die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen für die landwirtschaftlichen Betriebe.

Die stellvertretenden Vorsitzenden und Sprecher der Landkreise Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg im RBV Starkenburg, Horst Müller und Axel Strauß (1. und 2. v. l.), dankten Arno Eckert (Mitte) zusammen mit dessen Vorsitzenden Hans Trumpfheller (2. v. r.) für die langjährige Vorstandsarbeit. Andrea Rahn-Farr, Vizepräsidentin des Hessischen Bauernverbandes, gab im Zuge der Mitgliederversammlung einen Überblick über aktuelle Herausforderungen der hessischen Landwirtschaft.

Foto: RBV Starkenburg

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des RBV, Hans Trumpfheller, richtete die Vizepräsidentin des Hessischen Bauernverbandes, Andrea Rahn-Farr, ihr Grußwort an die Anwesenden. Sie machte die angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe deutlich: „Die Kosten laufen uns davon – bei Energie, bei Betriebsmitteln und bei Auflagen. Gleichzeitig stehen unsere Erzeugerpreise unter Druck. Das passt nicht zusammen.“

Wettbewerbsfähigkeit weiter unter Druck

Mit Blick auf die CO2-Bepreisung, die derzeit mit rund 17 Cent pro Liter Diesel zu Buche schlägt, forderte sie mehr Realitätssinn in der Politik: „Landwirtschaft lässt sich nicht einfach einsparen oder verlagern. Unsere Betriebe sichern die Versorgung – die angekündigte Absenkung der Energiesteuer kann hier nur ein erster Schritt sein.“

Auch Themen wie die Wettbewerbsfähigkeit sowie steigende Standards sprach Rahn-Farr klar an. Mit Blick auf die angekündigte Steigerung des Mindestlohns warnte sie davor, dass dies die zahlreichen Sonderkultur-Betriebe im südhessischen Raum besonders unter Druck setzen würde. „Bei einem Selbstversorgungsgrad zwischen 20 und 40 Prozent bei Obst und Gemüse ist es für die heimische Lebensmittelproduktion wichtig, dass der Mindestlohn nicht weiter steigt“, so Rahn-Farr mit Verweis auf ein vom Deutschen Bauernverband in Auftrag gegebenes Gutachten. Dort wir klar bestätigt, dass eine Branchenlösung für landwirtschaftliche Saisonarbeiter mit einem Niveau von zirka 80 Prozent des allgemeinen Mindestlohns gesetzlich möglich wäre.

Nutzungskonflikte bei Flächen im Ballungsraum

Zudem verwies sie auf zunehmende Nutzungskonflikte im ländlichen Raum, insbesondere durch die Ausbreitung des Bibers: „Der Schutz einzelner Arten darf nicht dazu führen, dass landwirtschaftliche Nutzung unmöglich wird. Hier braucht es praktikable Lösungen und Augenmaß. Wir begrüßen die Biber-Billigkeitsrichtlinie der hessischen Landesregierung, weil damit erstmals Landwirte für die Schäden an ihren Kulturen einen Ausgleich bekommen können. Wir hoffen nun auf eine praktikable und zügige Umsetzung.“

Im Anschluss berichtete der Vorsitzende Hans Trumpfheller über die Arbeit des Verbandes im vergangenen Jahr. Vielfältige Aktivitäten belegen die gute Arbeit für die Mitglieder des RBV. Veranstaltungen wie der Kartoffelabend, der Frühlingsball oder ein Vortrag zum Thema KI in der Landwirtschaft stießen ebenso wie die landwirtschaftliche Woche Südhessen auf großes Interesse.

Preisdruck durch Discounter ist hoch

Sorgen bereitet Trumpfheller der schon zu Saisonbeginn spürbare Preisdruck auf frischen Spargel: „Der Discounter „Netto“ wirbt aktuell mit „Spargel aus der Heimat“ zum Preis von 8,80 € pro kg. Es ist nicht möglich, zu diesem Preis Spargel zu produzieren. Wir rufen deshalb die Verbraucher auf, lieber in den Spargel-Verkaufshäuschen oder in der Regionaltheke des Lebensmitteleinzelhandels einzukaufen und wirklich regionalen Spargel und andere Produkte direkt vom Erzeuger zu kaufen,“ so sein Appell.

Ein zentraler Punkt in der anschließenden Diskussion waren der Rhein-Main-Link und der Bau der neuen Riedleitung Süd (Hessenwasser) und die damit verbundenen Herausforderungen für die Betriebe. Trumpfheller verwies auf die zwischen dem Hessischen Bauernverband und Amprion verhandelte Rahmenvereinbarung, machte aber zugleich deutlich: „Entscheidend sind am Ende die konkreten Verhandlungen vor Ort. Gerade bei Sonderkulturen müssen individuelle Lösungen gefunden werden.“ Weitere Entwicklung bei Infrastrukturprojekten und die Frage fairer Entschädigungen wurden intensiv beleuchtet.

Wahlen bestätigen den bisherigen Vorstand

Neben den inhaltlichen Diskussionen standen die vereinsrechtlichen Punkte auf der Tagesordnung. Der Jahresabschluss wurde vorgestellt, Vorstand und Geschäftsführung entlastet sowie turnusgemäß Wahlen durchgeführt. Als Kassenprüfer ausgeschieden ist Erik Becker. Neu gewähltwurde Heinrich Gerhard.

Aus Altersgründen schied Arno Eckert aus dem Vorstand aus. Für seine 18-jährige Mitarbeit im Vorstand des RBV und sein großes Engagement wurde Arno Eckert geehrt und mit einer Urkunde ausgezeichnet. Im Amt bestätigt wurden zudem Axel Strauß (Darmstadt-Dieburg), Hans Peter Bitsch (Darmstadt-Dieburg), Jürgen Albrecht (Darmstadt-Dieburg), Stephanie Friedrich-Haas (Bergstraße), Simon Eberts (Bergstraße), Roman Benninghoven (Odenwald), Harald Löw (Offenbach) und Klaus Guthmann (Groß-Gerau).

Die Versammlung machte deutlich: Die Landwirtschaft in Südhessen steht vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig zeigte sich ein starker Zusammenhalt innerhalb des Berufsstandes und die klare Erwartung an die Politik, für verlässliche und praktikable Rahmenbedingungen zu sorgen.

RBV Starkenburg – LW 17/2026