Mit Praxisforschung schneller auf Herausforderungen reagieren

Kompetenzzentrum Praxisforschung Agrar nimmt Arbeit auf

Mit der kürzlich vollzogenen Gründung des Kompetenzzentrums Praxisforschung Agrar gGmbH (Kompag) entsteht eine neue Plattform für praxisnahe Agrarforschung. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, konkrete Fragestellungen aus der Landwirtschaft schneller in Forschung und Innovation zu überführen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen so zügiger in die Praxis gebracht und Herausforderungen gemeinsam gemeistert werden.

Anna Dettweiler, Dr. Christian Lang und Helen Pfitzner sowie Staatsminister Ingmar Jung und Staatsministerin Christine Schneider bei der Feier anlässlich der Gründung der Kompag gGmbH.

Foto: Kompag

Wie die gemeinnützige Organisation in einer Pressemeldung mitteilt, setzt sie auf einen vorausschauenden Ansatz: Entwicklungen früh erkennen, Lösungswege gemeinsam mit der Praxis entwickeln und neue Ansätze möglichst früh unter realen Bedingungen erproben.

„Wir müssen schneller darin werden, aus einer Herausforderung eine konkrete Forschungsfrage und daraus eine anwendbare Lösung zu entwickeln“, sagt Dr. Christian Lang, Geschäftsführer der Agrarservice-Solutions GmbH. „Dafür braucht es nicht nur den Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft, sondern auch die Kompetenz, diesen Prozess fachlich zu gestalten. Wir stiften daher den Start der gemeinnützigen Gesellschaft. Ohne Lösungen verschwinden unsere Betriebe und unser Unternehmen.“ Die Herausforderungen sind in erster Linie der Klimawandel, neue Schaderreger und der Wegfall bewährter Wirkstoffe im Pflanzenschutz.

Landesübergreifende Vernetzung für Forschung und Praxis

Die Gründung von Kompag ist zugleich der nächste Schritt einer Zusammenarbeit, die sich über viele Jahre und zahlreiche gemeinsame Projekte entwickelt hat. „Kompag wird von Akteuren der landwirtschaftlichen Praxis getragen und verbindet Partner aus Hessen und Rheinland-Pfalz“, erläutert Helen Pfitzner, eine der beiden Geschäftsführerinnen der Kompag, die Struktur der Gesellschaft. Auch die Landespolitik der beiden Bundesländer unterstützt den neuen Ansatz.

„Die Herausforderungen für unsere Landwirte nehmen spürbar zu. Praxisnahe Forschung ist deshalb wichtiger denn je, um Betriebe frühzeitig zu unterstützen und Lösungen zu entwickeln, die tatsächlich in der Landwirtschaft ankommen“, äußerte sich Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung anlässlich der Kompag-Gründung.

Auch seine Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz, Christine Schneider, lobte die Gründung der Organisation undbetonte: „Grundlage für die politischen Entscheidungen sind wissenschaftliche Erkenntnisse aus Forschung und Versuchswesen. Dahinter stehen unzählige Stunden engagierter Arbeit vieler Menschen in unterschiedlichen Institutionen. Der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer hat mit seinem Netzwerk die Wissensbasis zur Schilf-Glasflügelzikade entscheidend erweitert.“

Dabei greife Kompag auf ein über Jahre gewachsenes Netzwerk zurück. Entscheidend ist laut der Organisation die Verbindung von gewachsenen Strukturen mit eigener Erfahrung und Kompetenz in der Praxisforschung. Kompag bringe das Wissen darüber mit, welche Fragestellungen aus der Praxis wissenschaftlich bearbeitet werden können, wie Versuche unter realen Bedingungen belastbar geplant und durchgeführt werden und welche Partner es braucht, um aus einzelnen Erkenntnissen eine tragfähige Lösung zu entwickeln.

Die wissenschaftliche Arbeit von Kompag wird durch einen interdisziplinären wissenschaftlichen Beirat begleitet. Ihm gehören unter anderem Prof. Dr. Andreas Vilcinskas und Prof. Elmar Schulte-Geldermann sowie als Vertreter der Offizialberatung in Hessen Dr. Dominick Dicke und aus Rheinland-Pfalz Oliver Martinez an.

Probleme mit der Schilf-Glasflügelzikade

Wie wichtig dieser Ansatz ist, zeige beispielhaft die Entwicklung der Schilf-Glasflügelzikade und der von ihr übertragenen Pflanzenkrankheiten. Was zunächst als regionales Problem wahrgenommen wurde, hat sich zu einer Herausforderung für ganze Wertschöpfungsketten entwickelt. Schäden durch die Schilfglasflügel-Zikade betreffen mehrere landwirtschaftliche Kulturen und Regionen- und das in Zeiten, in denen die Landwirtschaft ohnehin zu kämpfen hat.

Manfred Dreßler, Kartoffelhändler und Landwirt, engagiert sich selbst in Forschungsprojekten: „Als Betroffener merkt man sehr schnell, wenn bestehende Lösungen nicht mehr ausreichen. Für mich ist deshalb entscheidend, dass die Praxis nicht erst am Ende gefragt wird. Wir müssen von Anfang an gemeinsam überlegen, welche Fragen wirklich beantwortet werden müssen – und wie daraus Lösungen entstehen können, die auf dem Betrieb tatsächlich funktionieren.“

LW – LW 36/2026