Rolle der Landwirtschaft im Flächennutzungsplan

FLV-Vortrag von Heiko Kassekert vom Planungsverband

Alle planerischen Fragen im Rhein-Main-Gebiet für die nächsten zehn Jahre sind im regionalen Flächennutzungsplan festgelegt. Alle Entwicklungen gehen über die Fläche und die gehen uns Landwirten dabei verloren. Grund genug, sich mit allen Fragen, die die Planungsregion bewegen, zu befassen. Dies sagte FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch bei der Begrüßung von Verbandsdirektor Heiko Kassekert, der im Rahmen der Jahreshauptversammlung des FLV am 9. März 2011 über den regionalen Flächennutzugsplan referierte.

Langjährige FLV-Mitglieder erhielten Urkunden für ihre 40-jährige beziehungsweise für 25-jährige Vereinszugehörigkeit vom FLV-Vorsitzenden Karlheinz Gritsch (l.) und stellvertretenden Vorsitzenden Helmut Steinmetz (r.). Dies sind: Helmut Weider, Hermann Schreiber, Wilfried Rapp und Georg Engel (v.l.).

Foto: Jörg Rühlemann

Die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main umfasst rund 400 Kommunen in 18 Landkreisen aus vier Bundesländern – „von Fulda bis Alzey“, so Heiko Kassekert zu Beginn seines Vortrages. Hier leben rund 5,5 Millionen Menschen und rund 2 Millionen sind hier erwerbstätig. Im Kerngebiet, dem Planungsverband Rhein-Main mit etwa 75 Kommunen aus sechs Landkreisen, leben rund 2,2 Millionen Menschen und eine Million ist hier erwerbstätig. Die ständige Inanspruchnahme weiterer Flächen für Verkehr, Wohnen, Gewerbe oder Freizeit stelle ein großes Konfliktpotential mit der Landwirtschaft dar. Ein Positivum sei es jedoch, dass der Flächenverbrauch zurückgeht. Als Gründe nannte der Referent das Älterwerden der Bevölkerung, das vor allem wegen besserer medizinischer Versorgung und besserem öffentlichen Nahverkehr einen Trend zurück in die Innenstädte ausgelöst hat, und den bevölkerungsmäßigen und wirtschaftlichen Schrumpfungsprozess in den Außengebieten vor allem der Monopolregion. Hier bedingten Bevölkerungsrückgang, weniger Verkehrsinfrastruktur und geringere Finanzkraft der Kommunen weniger Bedarf an Flächen.

Wirtschaft und Bevölkerung in der Rhein-Main-Region steigen

Eine weitere Zunahme der wirtschaftlichen und bevölkerungsmäßigen Entwicklung werde jedoch für das Kerngebiet, den Planungsverband Rhein-Main, erwartet. Da aber auch hier die Sterblichkeitsrate über der Geburtenrate liege, sei dafür Zuwanderung nötig. Im übrigen zähle Rhein-Main gesamtdeutsch gesehen auch zu den „Wanderungsgewinnlern“. Seine Bedeutung als Verkehrsdrehscheibe steige – Luftverkehr, Straßenverkehr und Binnenschifffahrt gleichermaßen. Nicht nur dies löse weiterhin Flächenbedarf aus, auch der zunehmende Pro-Kopf-Bedarf an Wohnfläche sei nicht zu unterschätzen. Alle erwähnten Trends, bestätigte der Referent, seien in die Flächenbedarfsprognosen bis etwa 2020 eingegangen.

Bedarf im Flächennutzungsplan ist festgeschrieben

Waren bisher rund 4 400 Hektar Flächenbedarf in den bestehenden Flächennutzungsplänen der Kommunen der Planungsregion Rhein-Main ausgewiesen, so ist der Bedarf im Flächennutzungsplan des Planungsverbandes nun in Höhe von 2 450 Hektar fest geschrieben. Dass die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen deutlich zurückgehen wird, ist einer Reihe planerischer Überlegungen zu verdanken. Dazu gehören, sagte Kassekert,

  • die Regenerierung von Flächen innerhalb des bebauten Gebietes der Gemeinden,
  • Reaktivierung von Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsbrachen,
  • die Ausweisung von Vorrangflächen und Vorbehaltsflächen für die Landwirtschaft.

Die Vorrang- und Vorbehaltsflächen für die Landwirtschaft sind gegenüber alten Planungen nun um je 5 Prozent vergrößert ausgewiesen worden. Abweichungen von diesen Flächeneinstufungen sollen künftig nur noch bei Geltendmachung besonderen öffentlichen Interesses möglich sein. Für die Wiedernutzung innergemeindlicher Brachflächen sind seitens des Planungsverbandes Hilfestellungen durch Förderprogram­me und Projektentwickler vorgesehen. Ausgleichsmaßnahmen werden künftig im ganzen Planungsgebiet möglich sein, was viele Gemeinden und deren Landwirtschaft entlasten wird.

Vortragsveranstaltungen und Versuchswesen

Vorstandswahlen und Ehrun­gen standen im Mittelpunkt der zuvor durchgeführten Jah­res­hauptversammlung des Frank­­furter Landwirtschaftlichen Vereins, zu deren Beginn FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch auf das zurückliegende Vereinsjahr einging. Dessen Höhepunkt sei anlässlich des 150-jährigen Vereinsbestehens die Ju­­biläumsveranstaltung im Frankfurter Römer gewesen. Neben den Vortragsveranstaltungen, deren Themen auf ein großes Interesse stießen, bilde­ten das eigene Versuchswesen, die Lehrfahrten und die Öffentlichkeitsarbeit weitere Schwerpunkte der Vereinsaktivitäten.

Vorstandswahlen und Ehrungen von langjährigen Mitgliedern

Außer den üblichen Vereinsregularien standen turnusgemäß ebenso Vortragswahlen beim FLV an. Einstimmig für eine weitere Amts­periode wiedergewählt wurden der Vorsitzende Karlheinz Gritsch, der stellvertretende Schatzmeister Karl-Adolf Jakob sowie die Vorstandsmitglieder Erich Fendel, Dr. Matthias Mehl, Michael Schneller und Walther Uhrig. Anschließend wurden Vereinsmitglieder für langjährige Mitgliedschaft und Mitarbeit am Vereinsleben geehrt: Für 40-jährige Mitgliedschaft erhielt Helmut Weider aus Nidderau eine Urkunde und eine Medaille in Silber. Urkunden und Medaillen in Bronze erhielten für 25-jährige Mitgliedschaft Klaus Dietz, MdL, aus Bad Nauheim, Georg Engel, Griesheim, Wilfried Rapp, Frankfurt am Main, und Hermann Schreiber, Oberursel.