Schalenobstanbau als Chance – der erste Mandelgipfel
Walnüsse, Mandeln oder Haselnüsse statt Weinbau
„Es geht darum, Drieschen zu verhindern, Flächen sinnvoll zu nutzen und Winzerinnen und Winzern zusätzliche Perspektiven zu eröffnen“, betonte der rheinland-pfälzische Staatssekretär Andy Becht anlässlich des 1. Rheinland-Pfälzischen Mandelgipfels am 9. Dezember in Oppenheim. Becht war Hauptinitiator der vom Landwirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz und dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück (RNH) ausgerichteten Veranstaltung.
Foto: DLR RNH
Reduktion der Rebfläche ist bittere Notwendigkeit
Der Staatssekretär möchte die politischen Rahmenbedingungen für den Schalenobstanbau in Rheinland-Pfalz setzen, den Wissenstransfer unterstützen, stellte Fördermöglichkeiten in Aussicht und ermutigte die über 100 Teilnehmenden, sich mit dem Mandel- und Nussanbau zu beschäftigen.
Der deutsche Weinbau stehe aufgrund der vielen strukturellen und existenziellen Herausforderungen an einem Wendepunkt, unterstrich Dr. Bernd Prior vom DLR RNH. Die Reduktion der Rebfläche sei eine bittere Notwendigkeit. „Mandeln sind dabei die interessanteste Alternative“, stellte Prior als alternative Nutzungsform heraus. Denn die trockenresistentere und wärmeliebende Mandel passe sich gut ans Klima an, man könne sie ebenfalls im Spalier anbauen, sie hat touristisches Potenzial und das Landschaftsbild verändere sich durch die Kombination von Reben und Mandeln kaum, so Prior. Die Installationskosten seien allerdings hoch, zudem wäre ein Schalenobstprogramm mit Förderungen und Modellprojekten sinnvoll, gab er zu bedenken. „Mandeln sind kein Ersatz für Wein, aber können ein Baustein in der Krise sein“, unterstrich der Weinbauexperte.
Rund 80 000 t Mandeln konsumieren die Deutschen pro Jahr, das meiste werde aus den USA, vor allem aus Kalifornien importiert und die Nachfrage steige vor allem durch den
Gesundheitsaspekt, wie Peter Hilsendegen vom DLR RNH aufzeigte. Hinsichtlich der Standortwahl passe das Schalenobst im Großen und Ganzen klimatisch in eine Weinbauregion. Für regelmäßige Erträge solle man aber einen passenden Standort wählen, sprich mittlere bis obere Hanglagen (wie für Aprikosen) ohne Staunässegefahr und bevorzugt auf schweren Böden. Wassergaben seien zum Überleben nicht notwendig, steigerten den Ertrag aber deutlich, so Hilsendegen.
Selbstbefruchtende Sorten sind zu empfehlen
Er empfiehlt, selbstbefruchtende Sorten wie Makako oder Penta zu pflanzen. Beim Pflanzraster habe sich in Versuchen am DLR Rheinpfalz eine Superintensivpflanzung von 3 m x 1,2 m (2 500 Bäume / ha) in einer Spaliererziehung bewährt – siehe Foto, bei der man Mulcher oder Spritze vom Weinbau verwenden könne. Ab Ende August bis in den September und Oktober stehe die Mandellese an, die somit mit der Traubenlese kollidiere. Ab dem dritten bis vierten Standjahr gebe es einen Vollertrag von rund 3 500 kg/ha Kerne. Für die Nachbereitung benötige man aber spezielle Maschinen wie Knack- und Sortiermaschine sowie eine Schälmaschine. Um Mandeln in den Markt zu bringen, wären als Genossenschaften genutzte Aufbereitungsanlagen in den Regionen sinnvoll, ergänzte der Experte.
Sowohl pilzliche Schaderreger wie die Blüten- und Zweigdürre als auch Schädlinge wie Spinnmilben gefährden den Schalenobstanbau, stellte Lukas Myrzik vom DLR RNH fest. Problematisch sei jedoch die magere Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln: Für Schalenobst gebe es in Deutschland nur Ausnahmegenehmigungen, die man teilweise jährlich neu beantragen müsse.
Berater Herbert Knuppen sieht im Haselnussanbau eine interessante Nische, die allerdings Geduld brauche. Denn erst ab dem sechsten bis achten Standjahr stehe ein Haselnussbaum im Vollertrag (mit rund 5 kg/Baum oder 2 t/ha). Knuppen empfiehlt eine Pflanzdichte von 5 m x 5 m (400 Bäume/ha) in Quadrat-oder Rautenform, zudem seien eine Tröpfchenbewässerung (Wasserbedarf: 1 000 ml/Jahr) und Stützpfähle für die Bäume mit einer Standdauer von 40 bis 60 Jahren wichtig. Ab der Ernte benötige man Maschinen wie Saugrüssel, Erntemaschinen oder welche für die Sortierung und Trocknung der Nüsse.
Anstelle von Obstbäumen für Konserven hat Peter Schwalbach aus Wolfsheim sich mit seiner Firma „Nüsse von hier“ vor sieben Jahren auf den Mandel- und Walnussanbau fokussiert. 30 ha Mandel- und 50 ha Walnussbäume stehen mittlerweile auf seinen Feldern, 25 ha Nussbäume pflanzte er im vergangenen Jahr noch. Seine Produkte (darunter auch Walnussmus oder Mandelöl) bietet er im eigenen Onlineshop und zum Wiederverkauf an, Schwalbach ist auch bei Edeka gelistet. Die Bäume zu pflanzen sei am einfachsten, Geld koste es danach, weil man bestimmte Maschinen benötigt, weiß Schwalbach aus eigener Erfahrung, der das Thema Schädlinge etwas unterschätzt hatte. Einen Landhandel für Nüsse gebe es in Deutschland nicht, profitieren könne man aber vom „Hype bei regionalen Produkten“, meinte er.
Die Verarbeitung ist entscheidend
Entscheidend sei die Fruchtverarbeitung, betonten die Experten bei der abschließenden Diskussionsrunde. Willi Kuhn, der in der Südpfalz bereits selbst großflächig Haselnüsse, Maronen, Pekannüsse und Mandeln gepflanzt hat, baut derzeit in Edenkoben eine Frucht- und Nussverarbeitung auf. Problematisch sei beim Schalenobstanbau derzeit, dass es in Deutschland noch keine Strukturen und keine Leitfäden zum Anbau gebe. Potenzial gebe es aber trotz der Herausforderungen, waren sich alle einig.
mwvlw/bla – LW 2/2026
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