Tag der Offenen Tür am Geilweilerhof in Siebeldingen
Zwischen Trauben, Reben, Aromen und Forschung
Am vergangenen Sonntag öffnete das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen seine Tore. Der Tag der Offenen Tür findet jedes Jahr statt und macht aus dem Forschungsstandort des Julius Kühn-Instituts (JKI) für einen Tag einen lebendigen Treffpunkt für Verbraucher und Weinliebhaber.
Foto: I. Krick
Auf dem Gelände hatten die Mitarbeiter zahlreiche Informationspunkte aufgebaut. Im Mittelpunkt standen der Wein, die Rebe und die Forschungsarbeit. Einen großen Raum nahmen die Aromen ein. Mitarbeiter erläuterten ihre Bedeutung für den Wein, an der Aromastation konnten die Besucher anschließend selbst ihre Nase testen.
Im Ausstellungsraum waren Trauben unterschiedlicher Abstammungen und Herkünfte sowie verschiedener Züchter ausgestellt. Dabei zeigte sich eine bemerkenswerte Vielfalt. Unabhängig davon, aus welchem Land die Sorten stammen, können sie auch in der Pfalz gedeihen.
Schädlinge, Krankheiten und widerstandsfähige Reben
Anhand verschiedener Schadbilder auf Blättern und Beeren konnten die Besucher sehen, von welchen Krankheiten die heimischen Rebstöcke bedroht werden können.
Rebenzüchtung wird auf dem Geilweilerhof seit rund 100 Jahren betrieben. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Züchtungsansätze und -methoden immer wieder den jeweiligen Herausforderungen angepasst.
Wie wichtig die Züchtung für den Weinbau schon in der Vergangenheit war, zeigt der Blick auf die Wurzelreblaus. Intensive Züchtungsanstrengungen in Europa führten zu Unterlagssorten mit hoher Toleranz gegen den Schädling und damit vor rund 100 Jahren zur Rettung des europäischen Weinbaus. Die seither angewandte Pfropfrebe von blattlausresistenten Edelreissorten auf wurzelreblausresistenten Unterlagen ist eine umweltverträgliche, wenn auch teure, und nachhaltige Bekämpfungsstrategie. Gegen Mehltaukrankheiten halfen Anwendungen von Schwefel und Kupfer, die ebenfalls maßgeblich zum Überleben des Weinbaus beitrugen.
Heute stellt die Züchtung resistenter Sorten, der sogenannten PIWIs, einen Schwerpunkt der Arbeit dar. Das Institut konzentriert seine Aktivitäten auf die Kreuzungszüchtung von Edelreissorten, die pilzresistent sind und zugleich eine hohe Weinqualität versprechen. Auch eine große ökologische Anpassungsfähigkeit und eine hohe Ertragssicherheit gehören zu den Zielen.
Vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnen diese Anforderungen zusätzlich an Bedeutung. In den vergangenen Jahren sind auch im deutschen Weinbau die veränderten Klima-bedingungen spürbar geworden. Frühere Reife, trockene Sommer, milde Winter mit anschließenden Spätfrösten und neue Schädlinge wie Esca, Kirschessigfliege oder Flavescence dorée stellen den Weinbau vor neue Herausforderungen. Durch Extremwetterereignisse steigt zudem der Druck der bekannten Krankheiten Falscher Mehltau und Echter Mehltau.
Mit Sensoren durch die Rebzeilen
Wie moderne Technik die Arbeit der Züchter unterstützen kann, zeigte ein weiterer Informationspunkt. Dort erläuterten die Mitarbeiter die Bedeutung digitaler Techniken für die Züchtung und Selektion am Beispiel des sensorgestützten Phänotypisierungsverfahrens.
Nach mehreren Entwicklungsstufen arbeitet der Geilweilerhof heute mit dem PHENO quad. Wie bei den Vorgängermodellen sind auf dem Gerät ein RTK-GPS, ein Datenlogger und eine Belichtungseinheit verbaut. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen Auflichtsensor für die automatische Einstellung der Belichtungszeit, eine Tiefenkamera und eine 5-Kanalkamera.Die Bilddatenaufnahme erfolgt bei natürlichem Hintergrund und unter den jeweiligen Umgebungslichtbedingungen mit zehn Bildern pro Sekunde und einer Fahrgeschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde. In verschiedenen Projekten wurde die Plattform bereits für die Erkennung von Krankheiten, die Beurteilung der Vitalität und die Erfassung des Ertrags getestet.
Ziel ist es, das PHENOquad und verschiedene Datenauswertungsverfahren in den nächsten Jahren zu validieren und ein Konzept für den Einsatz im Selektionsprozess der Züchtung zu entwickeln. Vorteile sind die hohe Flächenleistung und Mobilität.
Wenn gerade kein Tag der Offenen Tür ist, geht das Institut seinem eigentlichen Auftrag nach, der Rebenzüchtung. Diese wird in Deutschland aufgrund der langen Zuchtdauer arbeitsteilig an verschiedenen staatlichen Einrichtungen durchgeführt. Der Geilweilerhof züchtet konventionell und nutzt dabei neueste Erkenntnisse der Genomforschung. Als Basis für die Züchtung und als Vorsorge für die Zukunft sammelt, erhält und evaluiert das Institut zudem die genetischen Ressourcen der Rebe. Damit verbunden sind nationale und internationale Aktivitäten in Gremien und in koordinierender Funktion.
Für die Besucher war der Tag damit weit mehr als ein Ausflug in die Rebzeilen. Zwischen Aromen, Trauben und moderner Sensortechnik wurde die Forschung am Geilweilerhof für die Öffentlichkeit sichtbar.
ik, JKI – LW 36/2026
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