Traditionelles Wettscheren zwischen den Jahren

David Kreinberg und Alexander Mitze siegten

Es ist schon Brauch, dass die befreundeten Jungzüchter-Clubs der Nachbarkreise Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf zwischen Weihnachten und Neujahr ein vielbeachtetes Wettscheren von Rindern veranstalten. Während die jungen Leute den Tieren unter fachkundiger Aufsicht einen optimalen Haarschnitt verpassen, bietet sich der Eltern-Generation eine nette Gelegenheit zum Austausch mit Kollegen und interessiertes Publikum kann zuschauen, einen Hof-Rundgang machen und sich mit Landwirten unterhalten.

Nach dem Wettscheren war Fotoshooting vor dem "Friseur-Salon Bürger-Grebe" angesagt. Links stehen die Wettkampfteilnehmer, darunter gleich neben der Model-Färse das Siegerteam David Kreinberg und Alexander Mitze. Rechts vom frisch gestylten Tier die Veranstalter (v. l.) Gastgeberin Christina Grebe, Richterin Ute Hinz, Gastgeberin Christine Grebe, Gastgeber Reinhard Bürger-Grebe, sowie Nicholas Meier vom Vorstand des Jungzüchter-Clubs Waldeck-Frankenberg.

Foto: Ute Germann-Gysen

Dieses Mal richteten die jungen Leute im 150-Seelen-Dörfchen Helmscheid ihren großen Friseur-Salon für Kühe ein. Familie Bürger-Grebe erwies sich als idealer Gastgeber für den Wettstreit. Unter den 370 anwesenden Rindern fand sich eine gute Auswahl an geeigneten Färsen für das Wett-Frisieren. Im Stall des Familienunternehmens war reichlich Platz für den Wettkampf.

Das Panorama-Café über dem Großstall bot einen großzügigen Raum für vorbereitende Besprechungen und den Aufbau der vielen Wettkampfpreise. Dank umweltfreundlicher Wärme aus der hofeigenen Biogasanlage konnten sich die Besucher dort aufwärmen und gleichzeitig von oben auf den Offenstall und den Wettstreit schauen oder den Blick über die herrliche, umliegende Landschaft schweifen lassen.

Trotz kühler Temperatur schwitzten die Teilnehmer

Die hofeigenen Models machten eine gute Figur und erwiesen sich als geduldige Kundinnen, während die Bauernfamilie den vielen Zuschauern einen Imbiss, Erfrischungs- und Heißgetränke reichte. Von den Wettkampfteilnehmern wurde jedoch keine Aufwärmung benötigt. Die neun Zweier-Teams kamen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt bei der Arbeit ins Schwitzen. Die Mannschaften hatten die Aufgabe, binnen 90 Minuten ihrer jeweiligen Färse das ideale Schaubild für Rinderschauen zu besorgen.

Beim Zuschauen wurde deutlich, dass sich die jungen Leute mit der Anatomie und dem Idealbild einer Kuh bis ins kleinste Detail auskannten, obwohl nicht alle Teilnehmer von Milchvieh-Betrieben stammten. Auch schwierige Bereiche, wie Ohren, Euter oder die Hautfalten zwischen den Beinen, wurden gezielt bearbeitet, um die Schönheit der Tiere hervorzuheben. In die Bewertung floss ferner der Umgang mit dem Tier und die Sauberkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz ein. Ein weiteres Kriterium war die Teamarbeit. Gute Abstimmung ist wichtig, wenn eine fünf Quadratmeter große Kuhhaut nach eineinhalb Stunden perfekt frisiert sein soll.

Kampfrichterin Ute Hinz aus Grebenstein, früher selbst Wettkampfteilnehmerin, zeigte sich von den Ergebnissen durchweg überzeugt und vergab hohe Punktzahlen. In den Beurteilungsgesprächen gab sie den jungen Leuten weitere wertvolle Tipps. Auf einer Zuchtschau hätten die vorbildlich herausgeputzten Tiere dank harmonischer Gesamtbilder sicher hohe Preise eingeheimst. „Alle Teams haben eine hervorragende Leistung gezeigt“, freute sich Nicholas Meier vom Vorstandsteam der Waldeck-Frankenberger Jungzüchter. Sein Marburg-Biedenkopfer Kollege Marcel Löwer bedankte sich bei den Hofbesitzern für das Engagement und die guten Vorbereitungen. Er zählte eine lange Liste von Sachpreisen auf, die von Landwirtschaftsverbänden, Geldinstituten, Vereinen, Lieferanten und der Industrie gestiftet waren. Es gab unter anderem Scher-Equipment, Jahreskalender, Kälberverpflegung, kleine Geldbeträge und, für den Fortbestand der Veranstaltungen, Besamungsgutscheine zu gewinnen. Die Preise wurden, bemessen am Ergebnis, auf alle verdienten Teams verteilt.

Rangliste der Richtergebnisse

Fiona Moraba und Alina Schäfer aus Battenberg-Laisa errangen achtenswerte 47 Punkte. Auf 49 Punkte brachten es Julia Hecker-Michel und Andreas Dersch aus Frankenberg-Dörnholzhausen, knapp überboten von Jana und Joy Emde aus Twistetal-Berndorf mit 50 Punkten. Leni Bleibtreu und Deborah Zey, beide Waldbrunn-Ellar erreichten 62 Punkte. Team Sarah Fackiner, Frankenau-Dainrode und Fenja Eckhardt, Immenhausen, brachten es auf 68 Punkte. Die beiden Mädchen erhielten auch den Sonderpreis für den ordentlichsten Arbeitsplatz. 69 Punkte bekamen Franziska Hensche, Bad Arolsen-Helsen, und Emely Meier, Bad Arolsen-Wetterburg, knapp überboten von 70 Punkten, mit denen Milena Hauck und Louisa Schwarz, beide aus Wetterburg, beurteilt wurden. Auf 79 Punkte kämpften sich Wiebke Pohlmann, Willingen-Welleringhausen, und Björn Ochse, Dörnholzhausen. Als Sieger mit 81 Punkten ging das Waldeck-Frankenberger Team David Kreinberg, Frankenberg-Geismar, und Alexander Mitze, Gemünden, aus dem Wettscheren hervor.

Ute Germann-Gysen – LW 2/2020