Zwischen Dank und Sorge um die Höfe

Kreiserntedankfest des KBV Waldeck

Beim Kreiserntedankfest des Kreisbauernverbandes Waldeck in Goddelsheim standen Dankbarkeit für die Ernte und die Herausforderungen der Zukunft gleichermaßen im Mittelpunkt. Neben dem Gottesdienst blickten die Redner auf ein wechselhaftes Erntejahr sowie die Belastungen durch Bürokratie, steigende Kosten und politische Unsicherheiten.

Umrahmt von vielen Gratulanten nahmen Daniel Hellwig aus Hillershausen, Gerrit Fabien Jechne aus Meineringhausen, Lisa Bauer aus Sachsenhausen und Kevin Brücher aus Hesperinghausen ihre Urkunden zum erfolgreichen Abschluss der Ausbildung entgegen.

Foto: Barbara Liese

Familie Schott hatte die Maschinenhalle ihres Lohnunternehmens und vor allem den Altar für diesen Tag festlich geschmückt. „Wir feiern Erntedank. Wir haben diese Gaben hier aufgestellt und damit irgendwie auch uns selbst aufgerichtet. Es geht darum, dass die Liebe, aus der all dies entsteht, auch bei den Menschen ankommt. Und das richtet auf“, sagte Pfarrer Reinald Richber aus Sachsenberg in seiner Predigt. Gemeinsam mit Pfarrer Klaus Nobiling aus Goddelsheim gestaltete er einen musikalischen Gottesdienst. Heiko Kieweg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, zog eine kurze Wetterbilanz für das Jahr 2026. Er erinnerte an die erste Trockenphase im März, die durch Niederschläge im April und Mai ausgeglichen werden konnte, sowie an die letzte Juniwoche. „Gerste, Raps und Weizen litten unterschiedlich stark. Insgesamt sind wir noch vergleichsweise gut durchgekommen. Die Maisernte läuft noch auf Hochtouren und wir erwarten schwankende und unterdurchschnittliche Erträge. Auf die zunehmende Trockenheit werden wir mit veränderten Anbaumethoden, reduzierter Bodenbearbeitung und angepassten Fruchtfolgen reagieren müssen.“

Landwirte seien es gewohnt sich veränderten Bedingungen anzupassen, flexibel zu reagieren, auf steigende Energiekosten, eine überbordende Bürokratie und unsichere politische Rahmenbedingungen habe man jedoch keinen Einfluss. Das gelte auch für die Tierhaltung, die im Kreis einen hohen Stellenwert hat. Hohe Erzeugerpreise machen den tierhaltenden Betrieben ebenso große Sorgen wie die politische Lage und fehlende Planungssicherheit. Ein Vertrag, der mit dem Lebensmitteleinzelhandel geschlossen wurde, um Mehrkosten für höhere Haltungsformen zu finanzieren, wurde jetzt wegen „wirtschaftlicher Unzumutbarkeit“ fristlos gekündigt. Eine Maßnahme, die das Vertrauen in Partnerschaften nicht festigt. Das gelte auch für Förderprogramme in der heimischen Ferkelproduktion. Die Fristen zum Umbau der Ställe stehen fest, die Baukosten steigen, die Förderprogramme werden eingestampft. Am Ende seiner Rede dankte Kieweg für den Zusammenhalt, der auf dem Land nicht nur erlebt, sondern auch gelebt werde.

Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands, sieht insgesamt ähnliche Herausforderungen und erinnerte gleichzeitig daran, dass Landwirte nicht nur ihre Felder bestellen „Wir pflegen unsere Kulturlandschaft, erhalten Lebensräume für Tiere und Pflanzen und tragen dazu bei, dass unsere Dörfer lebendig bleiben. Wir übernehmen Verantwortung für unsere Familien, unsere Höfe und unsere Heimat.“ Zum Abschluss des offiziellen Teils überreichten Landrat Jürgen van der Horst und Kultusminister Armin Schwarz Urkunden für den erfolgreichen Abschluss der landwirtschaftlichen Ausbildung.

Barbara Liese – LW 41/2026