Automatisches Melken zu festen Zeiten

Lemmer-Fullwood stellt neues Melksystem vor

Das neue Batch Milking System von Lemmer-Fullwood kombiniert die Vorteile des automatischen Melkens mit den Vorteilen von Gruppenmelkständen: Das Melken läuft vollautomatisch, aber zu festen Melkzeiten. Das Melksystem wurde kürzlich in der Praxis vorgestellt.

Seit Ende Februar ist das erste vollautomatische Batch Milking System in der Agrar GmbH Flämingland im brandenburgischen Blönsdorf in Betrieb. Zwölf Merlin Melkroboter von Lemmer-Fullwood sind im Halbkreis im Melkzentrum angeordnet und übernehmen das Melken der 500 Kühe zu zwei festen Melkzeiten.

Rascher Zutrieb durch kreisförmigen Vorwartehof

Vor den Melkrobotern ist ein kreisförmiger Vorwartehof mit automatischem Nachtreiber angeordnet, in den die Kühe einer Gruppe geleitet werden. Durch dieses Konzept ist nicht nur der reibungslose, schnelle Kuhverkehr, sondern auch ein hoher Durchsatz pro Stunde gewährleistet. In Blönsdorf werden 100 Tiere pro Stunde vollautomatisch gemolken. Sie bekommen im Roboter eine Lockfutterportion beziehungsweise das Milchleistungsfutter je nach Leistung. Auch die monatliche Milchleistungsprüfung erfolgt vollautomatisch mit dem Einsatz von Probeentnahmevorrichtungen an jedem Melkroboter. „Das Batch Milking System kommt beim Melkprozess ohne Menschen aus“, fasste Jan-Eric Lemmer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Lemmer-Fullwood, die Vorteile des Systems zusammen. Es wird nur eine Person benötigt, die die Kühe in den Vorwartebereich bringt. Das Melken und auch das Zurücksortieren in die Gruppe beziehungsweise in den Separationsbereich erfolgt vollautomatisch. Die Alarme beim Melken im Roboter werden auf die Melkzeit begrenzt, und auch das Holen von säumigen Kühen, das in größeren Herden schwierig ist und viel Zeit kostet, entfällt. Die Gruppenstruktur und das Futterregime des bisherigen konventionellen Melkkonzepts können mit diesem Melksystem beibehalten werden.

Arbeitskräfte sind schwierig zu finden

„Wir haben kein Personal zum Melken gefunden“, beschreibt Geschäftsführer Bernd Thiele die Beweggründe, in die neue Technik zu investieren. Eigentlich war ein neuer Gruppenmelkstand geplant. Als Thiele das Konzept gesehen hat, war er begeistert. Das Melkzentrum wurde in den alten Milchviehstall hineingebaut. Die Ecken des runden Melkbereichs werden durch Technik- und Sozialräume sowie das Büro genutzt. Die Energieversorgung und Melktechnik befindet sich oberhalb der Melkroboter. „Uns ist dennoch wichtig, dass das Personal im Stall den Status des Melkers hat. Es ist verantwortlich für die Melktechnik und muss einen Bezug zu den Tieren haben“, so Thiele. Derjenige, der die Kühe zum Melken bringt, kümmert sich bis zum Gruppenwechsel um die Tierbeobachtung und Boxenpflege.

Sieben Mal frische TMR

Die Kühe in Blönsdorf haben vor anderthalb Jahren einen Boxenlaufstall mit planbefestigten Laufflächen bezogen, der mit einer automatischen Fütterung und einem Einstreuroboter für die Liegeboxen ausgestattet ist, beides ebenfalls von Lemmer-Fullwood. Sieben Mal am Tag bekommen die Kühe frisch angemischtes Futter vorgelegt. „Das ist ein enormer Vorteil für die rangniederen Tiere, die nun besser versorgt werden“, so Thiele. Er ist begeistert von der Ruhe im Stall. Durch die Technik kommt das Unternehmen mit deutlich weniger Personal im Milchviehstall aus. Sieben Mitarbeiter kümmern sich um die rund 580 Tiere. Zurzeit wird noch zweimal täglich gemolken, aber es ist geplant, die Hochleistungsgruppe auch dreimal am Tag zu melken. Die Milchleistung liegt im Moment bei 9 300 kg pro Kuh, sie soll auf 10 200 kg gesteigert werden.

Melksystem schrittweise an wachsende Herde anpassen

Nach Aussage von Jan-Eric Lemmer kann das Melksystem schrittweise an eine wachsende Milchviehherde angepasst werden, indem weitere Melkroboter hinzugefügt werden. Wachsen sei auch über längere Melkzeiten möglich. Das neue Melksystem ist nach Lemmers Einschätzung nicht nur für Großbetriebe interessant. Auch kleinere Betriebe könnten damit beispielsweise problemlos Weidehaltung realisieren, was mit einem herkömmlichen AMS nur begrenzt möglich ist.

ibs – LW 18/2018