Hitze im Juni brachte eine schlechte Kornfüllung
HBV prognostiziert durchwachsene Qualitäten
„Das wird kein super Erntejahr.“ Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), prognostiziert eine durchwachsene Ernte – vor allem durch der Hitzewelle im Juni. Neben der Ernte war auch die prekäre Lage in der Landwirtschaft durch Krisen und Konflikte und die damit verbundenen hohen Kosten bei Diesel und Dünger ein Thema beim Erntepressegespräch in Groß-Bieberau am vergangenen Freitag.
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„Die Hitzewelle im Juni hat Schäden hinterlassen“, erklärte der HBV-Präsident. „Die Qualitäten beim Getreide fallen dadurch sehr heterogen aus.“ Auch die Kornfüllung habe darunter gelitten. „Ich rechne deshalb bundesweit nicht mit sehr guten Ernten beim Getreide“, merkte Schmal an.
Anbaufläche bleibt stabil, Qualitäten leiden
Bei der Wintergerste sprach Schmal von Hektolitergewichten zwischen 61 und 68 kg/hl. „Das ist zufriedenstellend. Die Wintergerste hatte die Kornfüllung schon abgeschlossen, als die Hitzeperiode gekommen ist.“
In Südhessen liegen die Erträge laut Schmal bei etwa 60 dt/ha, in Nordhessen bei 70 bis 90 dt/ha. Die höheren Erntemengen im Norden seien bedingt durch die dort höheren Niederschläge. Die Anbauflächen seien weitestgehend stabil mit 60 000 ha in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr waren es 60 300 ha.
In der Sommergerste zeigen sich größere Schwankungen sowohl bei den Hektolitergewichten als auch bei den Erträgen. Beides sei abhängig von den Bodenqualitäten und dem Erntezeitpunkt. Mit 15 000 ha stieg die Anbaufläche sogar an, im vergangenen Jahr waren es noch 14 300 ha Sommergerste in Hessen. Die Anbaufläche beim Winterweizen belief sich auf 148 500 ha und war sehr stabil gegenüber dem Vorjahr mit 148 900 ha. Hier seien die Qualitäten voraussichtlich schlecht, denn auch der Weizen sei mit der Kornfüllungsphase in die Hitzeperiode gekommen.
Beim Winterraps rechnet der HBV-Präsident mit unterdurchschnittlichen Ernten. Die Anbaufläche belief sich hier auf 52 000 ha. In Süddeutschland seien aufgrund der Hitze einige Bestände geschädigt worden. Auch der Mais habe regional unter der Hitze gelitten, „und das, obwohl er eigentlich recht gut mit viel Wärme und Trockenheit zurechtkommt“, sagt Schmal.
Schilf-Glasflügelzikade bedroht Existenzen
„Die Zuckerrüben sind durch die Trockenheit ebenfalls gestresst.“ In Südhessen beregnen laut Schmal einige wenige Betriebe die Bestände, das sei jedoch kostspielig und nicht für jeden Betrieb sinnvoll. Problematisch ist hier auch die Schilf-Glasflügelzikade. Diese breitet sich vor allem in Südhessen immer weiter aus und befällt neben den Zuckerrüben auch Kartoffeln. Zu der Problematik äußerte sich Landwirt Johannes Böhm vom Kohlbacher Hof. Er ist als Zuckerrüben- und Kartoffelanbauer selbst betroffen und sieht große Herausforderungen für die Zukunft. „Wir haben seit über fünf Jahren mit dem neuen Schädling zu kämpfen. Die Zikade richtet so starke Schäden an, dass es in Kombination mit Hitze und Trockenheit sogar zu Totalausfällen kommt“, erklärt Böhm.
Er selbst sieht bei der Bekämpfung großes Potenzial in Verfahren mit Pflanzenschutzmitteln auf RNA-Basis. Diese seien jedoch als Gentechnik eingestuft und deshalb in Deutschland beziehungsweise der EU nicht zugelassen. „Wir haben einen ganzen Baukasten an Maßnahmen zum Pflanzenschutz inklusive Bodenbearbeitungsmaßnahmen und Fruchtfolgeplanung, aber die RNAi-Technologie könnte uns wirklich helfen“, ist Böhm überzeugt. Die Technologie sei außerdem schonender für Insekten, als der Einsatz von herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln.
Durch die Schilf-Glasflügelzikade musste der Odenwälder Landwirt die Produktion von Pflanzkartoffeln einstellen. „Die Qualität war einfach zu schlecht, die Produktion hat hier einfach nicht mehr funktioniert.“ Die Speisekartoffelproduktion läuft hingegen noch. Doch auch hier kämpft er mit Schäden durch die Zikade: Die Lagerfähigkeit der Kartoffeln leidet und es kommt zur Bildung von Gummiknollen.
Wenige Schäden durch Unwetter
Größere Hagelschäden traten während der Vegetationsperiode nur im Landkreis Limburg-Weilburg auf. „Die hier entstandenen Schäden und die langanhaltende Trockenheit verdeutlichen, wie wichtig eine Hagelversicherung für unsere Landwirte ist“, sagte Schmal.
Der HBV sei mit dem Hessischen Landwirtschaftsministerium bezüglich einer geförderten Mehrgefahrenversicherung weiter in regem Austausch. Die Landesregierung müsse hier finanzielle Unterstützung leisten, damit sich die landwirtschaftlichen Betriebe in Zukunft breiter absichern können. Schlussendlich sei es jedoch den Betrieben selbst überlassen, ob sie sich versichern oder nicht. Im Schadensfall seien im Fall einer geförderten Mehrgefahrenversicherung jedoch keine weiteren Leistungen durch das Hessische Landwirtschaftsministerium möglich.
Angespannte Agrarmärkte drücken die Stimmung
Die Marktlage ist laut HBV-Präsident Schmal weiterhin angespannt. Die Getreidepreise bewegen sich – auch durch die weitere Einfuhr ukrainischen Getreides – durch eine Übersättigung auf einem niedrigen Niveau. Schmal erklärt: „Die Erlössituation passt auf den Betrieben derzeit nicht zu den hohen Kosten bei den Betriebsmitteln.“ Bei der Gerste seien 14 bis 14,50 Euro/dt bei Weitem nicht ausreichend, um die Kosten von gut 25 Euro/dt in der gesamten Produktion wieder einzufahren. Beim Weizen sei die Erlöslage mit gut 17 Euro/dt nicht viel besser.
Diesel und Dünger seien durch die global angespannte Situation und die Schließung der Straße von Hormus derzeit sehr teuer. „Düngerlieferungen werden dadurch nicht einfacher. Es bereitet mir Sorgen, dass wir in Deutschland immer anhängiger von der ausländischen Produktion sind. Uns bleibt nur noch ein Produktionsstandort in Piesteritz.“ Schmal sieht hier auch die Bundesregierung in der Pflicht, sich über die Versorgungssicherheit der Landwirte Gedanken zu machen und diese in Zukunft strategisch sicherzustellen.
Tierhaltung braucht endlich eine Zukunftsperspektive
In der Landwirtschaft finde seit Jahren ein enormer Strukturwandel statt, der durch den Klimawandel nur noch zusätzlich befeuert werde. „Die Tierhalter haben keine Planungssicherheit. Für den Nachwuchs in der Landwirtschaft sind das keien positiven Perspektiven“, merkte Schmal an. „Damit uns hier nicht noch mehr Betriebe verloren gehen, brauchen wir dringend Perspektiven.“ Zusammen mit der Neufassung der Düngeverordnung sei der Bauernverband an den drängenden Themen dran und in regem Austausch mit der Politik.
AS – LW 29/2026
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