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Milchboykott: hoher Einsatz und ungewisser Ausgang

Der Beginn des Milchlieferboykotts seit vergangenem Dienstag kam nun doch überraschend. Gleichwohl war er lange und immer wieder vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter angekündigt worden. Damit hat er sich selbst unter Druck gesetzt. Angesichts der stark zurückgegangenen Preise musste er jetzt handeln. Gerade in Bayern, wo der Verband viele Anhänger hat, sind die niedrigeren Preise mit Zeitverzögerung im Vergleich zu Norddeutschland angekommen. Allerdings ist der Milchmarkt zurzeit voll, und die von allen Erzeugern gewünschten Auswirkungen eines Lieferboykotts dürften äußerst schwer zu erreichen sein. Auch stellt sich die Frage, wie nachhaltig eine solche Aktion ist.
Bis zum Redaktionsschluss waren die Auswirkungen auch von den Molkereien schlecht einzuschätzen oder sie haben sich aus taktischen Gründen bedeckt gehalten. Das Medienecho ist jedoch schon sehr groß und bislang nicht negativ. Dies hätte man angesichts der Wehklagen der Verbraucher über allgemein gestiegene Preise durchaus erwarten können.
Diejenigen, die sich am Lieferboykott beteiligen, geben einen hohen Einsatz in Form von entgangenen Erlösen. Schwierig ist es für die Beteiligten, nicht zu wissen, wie lange die Aktion dauern soll. Der hohe Einsatz der Streikenden macht es verständlich, dass sie alle anderen Milcherzeuger drängen, mitzumachen. Dennoch muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, ob es die Milch wegschüttet oder nicht und auf den Erlös verzichten kann. Beide Seiten haben dafür gute Argumente. Es wäre fatal, wenn darüber die Einigkeit des Berufsstandes insgesamt geschwächt würde. Lesen Sie unseren Stimmungsbericht auf den beiden Seiten 8 bis 9.
 
Cornelius Mohr