Fröhlichkeit auf Knopfdruck?

Meinungen zur Fastnacht

Karneval! Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch sind wieder die Jecken los. Die einen feiern, die anderen flüchten. Kann der Mensch fröhlich sein, nur weil es im Kalender steht? LW-Autorin Silke Bromm-Krieger hat nachgefragt.

„Für mich ist Karneval ein schönes Brauchtum, das Gemeinschaft stiftet. Es gehört zum Jahreslauf dazu“, meint Wally Hengsberger (59) aus dem Rheinland.
Foto: privat

„Die Freude am Karneval ist für mich eine sehr oberflächliche. Sie dringt nicht zum Kern des Lebens durch“, meint Dirk Römmer (65), Pastor im Ruhestand.

Wally Hengsberger (59) ist gern in Gemeinschaft fröhlich: „Ich lebe schon seit vielen Jahren im Rheinland. Gerade hier gehört Karneval zum Jahreslauf genauso dazu wie Ostern oder Weihnachten. Deshalb empfinde ich „die fünfte Jahreszeit“ nicht als etwas, das auf Knopfdruck kommt. Zumal niemand mitfeiern muss, aber alle dürfen! Für mich ist Karneval ein schönes Brauchtum, das Gemeinschaft stiftet und Menschen näher zusammenrücken lässt. In Büttenreden und auf Karnevalswagen können wir offen Kritik an Politik und Gesellschaft äußern, ohne dass es Ärger gibt. Alle sind an den tollen Tagen ausgelassener, lockerer und fröhlicher als sonst. Da wird zusammen gelacht, geschunkelt und getanzt. Und auch die Kinder haben ihren Spaß. Die Kehrseite der Medaille: Leider übertreiben einige das Fröhlichsein, sie trinken zu viel und geraten miteinander in Streit. Karneval ist schön, aber es ist letztendlich das, was wir daraus machen.

Dirk Römmer (65) mag Fröhlichkeit, die nicht schon am Aschermittwoch vorbei ist: „Ich kenne keinen Menschen, der sich nicht nach Freude sehnt. Schließlich ist die Suche nach Glück und Freude der Motor unseres Lebens. Mit der Freude auf Knopfdruck habe ich meine Probleme. Ich kann nicht auf Knopfdruck fröhlich sein, genauso wenig wie ich auf Knopfdruck traurig bin. Die Freude am Karneval ist für mich eine sehr oberflächliche. Sie dringt nicht zum Kern des Lebens durch. Wildfremde Menschen liegen sich beim Karneval in den Armen, und am nächsten Morgen kennen sie sich nicht mehr. Ich bin Pastor im Ruhestand. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, ist es mir stets ein Bedürfnis gewesen, die Freude dauerhaft in meinem Leben zu verankern. Eine Freude, die ich mir nicht von außen holen muss, sondern die aus meinem Innersten kommt. Für mich ist der Glaube an Gott eine stetige Quelle von Freude. Eine Quelle, von der ich weiß, dass sie niemals versiegen wird.