Nicht krumm, nicht klein, mit einer Spitze

Auf der Suche nach dem ultimativen Weihnachtsbaum

Bernd und Dörthe Schwartkop verkaufen auf ihrem Ackerbaubetrieb seit über zehn Jahren Tannenbäume aus eigenem Anbau. Immer am zweiten Adventswochenende startet das Saisongeschäft. Erkennen Sie Ähnlichkeiten bei den folgenden Impressionen eines Besuches?

Bernd Schwartkop hat einen Teil seines Hofgeländes für den Tannenbaumverkauf herausgeputzt. Eine große Auswahl von Nordmann-, Nobilis- und Blautannen bietet er an, dazu Mini-Bäume im Topf und Tannengrün. Einige Bäume stehen in Reih und Glied auf Holzzäune gestützt, andere warten im Netz auf Käufer. Damit die Kunden trockenen Fußes durch die Reihen laufen können, ist Teppich ausgelegt. Ganz frisch kommen die Bäume aus dem Bestand. „Ich habe sie erst diese Woche geschlagen“, betont Schwartkop und spielt damit auf Importbäume an, die spätestens Mitte November verpackt und auf ihre Reise zum Endverbraucher geschickt werden.

Im alten Backhaus, nur einen Katzensprung entfernt, sorgt Ehefrau Dörthe für die Gäste des Hofes. Während der Steinofen des liebevoll restaurierten Häuschens wohlig knistert, serviert sie im weihnachtlich geschmückten Ambiente Heißgetränke und lädt ein, das selbst gebackene Schwarz­brot zu probieren.

Großfamilie Heyer fährt mit einer Familienkutsche vor. „Wir kommen jedes Jahr hierher und suchen uns drei Bäume aus“, berichtet Familienoberhaupt Ulrich Heyer. Drei Kinder und acht Enkelkinder hat er und fast alle sind beim Baumkauf mit dabei. Zwischen den Tannenbäumen beginnt ein geschäftiges Gewusel. Bernd Schwartkop behält souverän den Überblick und hilft bei der Auswahl. Ruckzuck hat die Familie sich für drei Bäume entschieden und verstaut sie im Anhänger.

Baum darf nicht zu groß sein

Kaum sind die Heyers vom Hof, da schauen Willy und Marita Hagemann vorbei. Stammkundschaft. Man kennt sich, macht einen Spaß und lässt sich einige „Modelle“ vorführen. „Eigentlich wollen wir, dass unser Tannenbaum jedes Jahr ein bisschen kleiner wird. Ob uns das endlich mal gelingen wird?“, fragt Marita Hagemann ihren Ehemann skeptisch.

Geduldig zeigt Schwartkop mehrere Bäume im Vergleich. Dann ist die Entscheidung für einen Baum gefallen. Wirklich klein ist er nicht. Marita Hagemann wird die Edeltanne mit echten und elektrischen Kerzen gleichzeitig schmücken. „Würden wir ausschließlich echte Kerzen verwenden, hätten wir den Baum doch viel zu selten an“, findet die Mutter zweier Kinder. Während die Hagemanns zum Glühweintrinken in die Backstube gehen, kümmert sich der Hofbesitzer um Familie Diedrichsen.

„Hast du auch welche in beige?“, flachst Sven Diedrichsen. Sein Spruch sorgt für allgemeine Heiterkeit. „Was darf ich zeigen?“, fragt Schwartkop. Frau Diedrichsen erklärt: „Der Baum soll höchstens 1,50 Meter sein, hat mein Mann gesagt.“ Schwartkop zeigt mehrere Bäume, doch bei dem einem ist das Grün der Tanne nicht grün genug, bei dem anderen ist der Wuchs der Tanne nicht buschig genug. Wie der Baum denn genau aussehen solle? „Einfach schön“, lautet die präzise Antwort. Schwartkop schält nun doch einen 2,70 Meter großen Baum aus dem Netz. „Wie wär's mit dem? „Nein, der ist zwar gut gewachsen, aber zu hoch!“ Der 45-Jährige schmeißt seine Kettensäge an und kürzt den Baum. Aber nun sieht der Wuchs der Zweige unten nicht mehr gleichmäßig aus. Schwartkop greift erneut zur Säge, kürzt wieder und versichert: „Wenn euch der Baum nicht gefällt, kein Problem. Ihr könnt auch einen anderen haben.“ Die Familie überlegt. Dann steht es fest: „Ja, den nehmen wir.“

Anekdoten rund um den Weihnachtsbaumkauf

Was man alles erleben kann, wenn man Tannenbäume ver­kauft? „Genug“, schmunzelt Landwirt Schwartkop und plaudert aus dem Nähkästchen: „Es war am Nachmittag eines 24. Dezembers. Wir hatten uns gerade ausgehfertig gemacht und wollten mit den Kindern zum Krip­penspiel in die Kirche, als ein Wagen auf den Hof fuhr. Ein Mann, sichtlich genervt, stieg aus. Ich konnte mir einen Spruch nicht ver­kneifen und meinte: „Na, Weihnachten wohl ein bisschen abrupt gekommen, was?“ Der Mann lächelte gequält und sagte: „Eigentlich wollten meine Frau und ich keinen Baum. Aber nun hat sich kurzfristig Schwiegermutter angesagt und ein Baum muss her!“

Wie lange die Leute im Durchschnitt bräuchten, um sich einen Baum auszusuchen? „Das schwankt. Wir haben eine Damen­gruppe von drei Schwestern, die kommt jedes Jahr. In der Spitze brauchen sie für eine Entscheidung drei Stunden. Zwischendurch kehren sie ins Backhaus ein, um sich zu stärken.

Ich habe aber auch einen Stammkunden, der fährt auf den Hof und sucht sich im Vorbeifahren den Baum aus. Knapp ausgestiegen, hat er seine Wahl bereits getroffen. Und es sind keine schlechten Bäume, die er auswählt. Er hat einen guten Blick dafür.

Und dann ist da noch eine liebenswürdige ältere Dame, die kommt extra aus 80 Kilometern Entfernung, um von uns einen Baum aus heimischer Produktion zu kaufen. Die Kundin läuft mit einem Pendel durch die Bäume und pendelt jeden einzelnen aus, ob er eine positive Ausstrahlung und Schwingung hat. Sie findet immer ihren Traum-Baum, der zu ihr passt und ist darüber sehr glücklich. Dafür nimmt sie gerne die lange Anfahrt in Kauf.

Im Übrigen fällt die Entscheidung für einen Tannenbaum bei Paaren je schneller, desto länger sie verheiratet sind. Ältere Paare einigen sich schnell und ohne viele Worte.

Frisch Verliebte haben Wahl mit Qual

Schwierig sind die, die frisch verliebt sind und gerade ihre erste gemeinsame Wohnung bezogen haben. Wenn sie einen Weihnachtsbaum für das traute Heim aussuchen, kann es dauern. Alles wird sehr lange und sehr liebevoll ausdiskutiert. Mit zunehmender Ehedauer wird der Ton dann erfahrungsgemäß etwas barscher.

Manchmal kommt ein Mann alleine und soll einen Tannenbaum kaufen. Meist bleibt die bange Frage: Wird der Baum meiner Frau gefallen? Und was ist, wenn nicht? In diesem Fall bieten wir an, den Baum zu tauschen. Davon machten in der Vergangenheit schon etliche Kunden Gebrauch.“

Was es neben der nörgelnden Ehefrau noch für Gründe gibt, einen Baum wieder zurückzubringen? Schwartkop: „Eine Familie kaufte einen Baum, der bis zur Decke reichte. Als die Familienmitglieder beim Schmücken waren, stellten sie fest, dass sie an die oberen Zweige gar nicht herankamen. Sie hübsch zu dekorieren, war unmöglich. Eine Leiter gab es im Haushalt nicht. Sie brachten den Baum wieder und tauschten ihn gegen einen kleine­ren.

Im letzten Jahr suchte eine Kundin einen Baum aus und kündigte an, dass ihr Mann ihn später abholen würde. Als der Mann den Baum sah, schlug er die Hände über den Kopf zusammen und meinte verzweifelt: „Wir haben doch nur ein ganz normales Haus!“ Doch der Wunsch der Gattin war dem Ehemann Befehl und so wuchtete er ohne Murren das viel zu üppig geratene Prachtstück auf den Gepäckträger. Umgetauscht wurde es nicht.

Es gibt auch Leute, die kaufen gezielt einen Baum zweiter oder dritter Wahl. Einen, der sonst wahrscheinlich keinen Käufer findet. Sie wollen, dass es dieser Baum mit Schönheitsfehlern besonders gut hat.“ Silke Bromm-Krieger

Pflegetipps für den Weihnachtsbaum

  • Lagerung bis Heiligabend: Lagern Sie den Tannenbaum kühl, schattig und windgeschützt, am besten in einer Garage, im Keller oder auf dem Balkon. Entfernen Sie das Transportnetz und stellen Sie den Baum in einen Kübel Wasser, rät die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V.
  • Kurz vor dem Aufstellen: Sägen Sie kurz vor dem Aufstellen des Christbaums am Stamm eine rund drei Zentimeter große Scheibe ab. So kann der Baum das Gießwasser besser aufnehmen.
  • Im Rampenlicht: Der Baum sollte im Ständer immer leicht im Wasser stehen. Ein paar Kaffeelöffel Glyzerin, Zucker oder Blumenfrischhaltemittel sorgen dafür, dass er lange frisch bleibt. Steht der Baum an seinem Platz, einmal täglich mit einem Wasserzerstäuber befeuchten, da seine Nadeln im beheizten Raum schnell austrocknen (Brandgefahr!). Das Wasser im Ständer täglich nachgießen. Den Baum nicht direkt an die Heizung stellen. Je kühler der Standort, desto besser. Nachts die Heizung möglichst ausstellen. sbk