Problemunkräuter in den Griff bekommen
26. Wetterauer Pflanzenbautag in Niddatal-Ilbenstadt
Mitte Februar fand in Ilbenstadt der 26. Wetterauer Pflanzenbautag statt. Die Themen der Veranstaltung reichten vom Pflanzenschutz über Schadunkräuter bis hin zur Düngung. Denn Unkräuter wie das Erdmandelgras oder der Stechapfel werden zunehmend zum Problem für Betriebe – auch in der Wetterau.
Foto: Michael Lenz
Das Erdmandelgras kann sich über unterirdische Mandeln und Samen ausbreiten. „Aus einer Mutterpflanze können innerhalb kürzester Zeit sieben Tochterpflanzen und eine neue Mandel ausgebildet werden“, erklärte Dr. Dirk Wolber. Die Mandeln können aus bis zu 15 cm Bodentiefe Mutterpflanzen ausbilden und unterirdische Rhizome mit bis zu einem Meter Länge aufweisen. Im Sommer werden dann die Tochterpflanzen am Ende der Rhizome ausgebildet. Ab einer Tageslänge unter zwölf Stunden wird im Herbst die vegetative Vermehrung über die Ausbildung von Mandeln durchgeführt. Ab 0 °C sterben die oberirdischen Pflanzenteile und Rhizome im Winter ab, die Mandeln überdauern im Boden bis zu -15 °C.
Erdmandelgras wird schnell verschleppt
In Niedersachsen hat sich das Erdmandelgras schnell verbreitet, sodass inzwischen zwischen 200 000 bis 250 000 ha betroffen sind. Vor allem 2024 verbreitete sich das Erdmandelgras durch die hohe Feuchtigkeit schnell. Inzwischen ist das Unkraut ein großes Problem für die Landwirte, Biogasanlagen-Betreiber lehnen Substrat von befallenen Flächen ab und auch die Zuckerrübenindustrie rodet keine Rüben auf befallenen Flächen, wodurch wichtige Kulturen den Betrieben wegfallen. Ein Hauptproblem ist die Verschleppungsgefahr: Die Mandeln werden durch die Bodenbearbeitung verschleppt. Bei Einzelpflanzen sollten diese bis zu 30 cm tief ausgegraben werden, um auch die Mandeln zu entfernen. Pflanze und Erde müssen im Restmüll vernichtet werden. Bei großflächigem Befall sollen über eine regelmäßige Bodenbearbeitung die Knollen ausgegraben werden, damit sie austrocknen. „Eine zweijährige Schwarzbrache konnte bis zu 90 Prozent Bekämpfungserfolg der Knöllchen erreichen“, so Wolber weiter. Chemisch lässt sich das Erdmandelgras im Mais mit bis zu drei bis vier Herbizidmaßnahmen etwas eindämmen.
Ann-Kathrin Scherer, LLH-Beratungsteam Pflanzenbau, ergänzte: „Auch in der Wetterau sind erste Flächen in mindestens zehn Fällen gefunden worden.“
Problemunkräuter erkennen, verstehen und handeln
Ann-Kathrin Scherer knüpfte im zweiten Vortrag an und stellte weitere Problemunkräuter vor, die in der Region bereits wei verbreitet sind. Die Samtpappel macht vor allem im Zuckerrüben- und Maisanbau Probleme, eine starke Reproduktionsrate und Erschwerung der Erntemaßnahmen bereiten Probleme. Die Schadschwelle liegt bei unter einer Pflanze. Pro Pflanze können bis zu 1 000 Samen ausgebildet werden, die eine Lebensfähigkeit von über 50 Jahren besitzen und damit sehr ausdauernd sind. „Sobald man die Samtpappel auf seinem Schlag vorfindet, sollte man die Pflanzen händisch entfernen. Unter Umständen sollte man die Fläche mehrfach kontrollieren, da Samtpappeln über eine längere Phase keimen können“, riet Scherer. Der Schaden vom Gemeinen Stechapfel ist dagegen noch größer, er gehört zu der Familie der Nachtschattengewächse und bildet Tropanalkaloide aus. Die gesamte Pflanze und deren Samen sind hochgiftig, sodass das Erntegut kontaminiert werden kann. Eine Reinigung des Ernteguts ist dabei nicht möglich. Gerade beim Anbau von Körnermais werden Proben gezogen, um den Höchstgehalt von Atropin und Scopolamin zu messen, bei zu hohen Gehalten wird der Mais nicht für die Verarbeitung zugelassen. Der Stechapfel ist anfangs vor allem auf Brachflächen in Deutschland zu finden, kann aber auch in ackerbaulichen Kulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben vorkommen. Bis zu 6 000 Samen kann eine Pflanze produzieren und auch diese sind viele Jahrzehnte lang lebensfähig. Auch hier sollten Einzelpflanzen frühzeitig händisch entfernt werden und um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden, sollten Handschuhe getragen werden. Abmulchen der Pflanzen ab Samenreife ist nicht sinnvoll, da der Stechapfel wieder austreiben kann und der Samenvorrat im Boden steigt. Auch hier ist vorrangig im Mais eine chemische Bekämpfung möglich. Beim Anbau von Zuckerrüben ist die Bekämpfung eingeschränkt und weist nur Teilwirkungen auf.
Reduzieren oder optimieren?
Ruben Gödecke, Pflanzenschutzdienst Regierungspräsidium Gießen, startete seinen Vortrag ernüchternd. Die aktuellen Preise für Weizen am Weltmarkt stagnieren auf geringem Niveau, während die Betriebsmittelkosten weiterhin ansteigen. „Die Düngerpreise sind auf hohem Niveau. Deshalb stellt sich die Frage: Mehr Dünger oder mehr Pflanzenschutz – was macht Sinn?“, so Ruben Gödecke.
Bei der finanziellen Betrachtung der Komponenten Düngung und Pflanzenschutz ist aktuell trotz hoher Düngerpreise der Einsatz weiterhin zu empfehlen. Den Düngungseffekt kann man jedes Jahr beobachten. Die erste Intensitätsstufe (120 Kg N/ha) führt zu einer Erhöhung des Ertrags um 20 Prozent. Bei den Pflanzenschutzmaßnahmen ist das nicht immer so. In trockenen Jahren kann oft einiges an Fungizideinsatz eingespart werden. Gerade in diesen Jahren können tendenziell gesunde Sorten gut punkten. Während sich in nassen Jahren der Pflanzenschutz bei termingerechtem Einsatz bezahlt macht.
Ziel sollte es sein, nicht die voll ausgedüngten „Spitzenerträge“ zu erreichen, sondern die sicheren Basiserträge, erläuterte Gödecke. Dennoch sollte man die aktuelle Situation im Blick behalten und vor allem das Resistenzmanagement nicht vernachlässigen. Besonders empfehlenswert ist es daher, die hessischen Versuchsergebnisse im Blick zu haben.
Pflanzenschutzmaßnahmen ausreichend dokumentieren
Yannick Volz, Fachdienst Landwirtschaft Wetteraukreis, erklärte, welche Änderungen Landwirte seit diesem Jahr bei der Dokumentation beachten müssen. Pflanzenschutz-Aufzeichnungen müssen drei Jahre aufbewahrt werden. Seit dem 1. Januar 2026 gilt laut EU-Durchführungsverordnung 2023/564 eine neue Aufzeichnungspflicht in der EU. Ziel hierbei ist eine EU-weite Harmonisierung der PSM-Dokumentation. Bislang mussten Landwirte die Bezeichnung des Pflanzenschutzmittels, das Datum der Verwendung, die Aufwandmenge, Kulturpflanze, behandelte Fläche und den Anwender aufzeichnen. Dies konnte bis zum Ende des Jahres entweder digital in der Ackerschlagkartei oder händisch durchgeführt werden.
Seit dem 1. Januar 2026 müssen nun zusätzliche Angaben bei der Dokumentation erfolgen: Neu ist die Aufzeichnung der Zulassungsnummer des Pflanzenschutzmittels, des Startzeitpunktes der PSM-Maßnahmen, sofern es uhrzeitliche Auflagen gibt (zum Beispiel B2 Ende des Bienenflugs bis 23 Uhr), des EPPO-Codes (fünfstelliger Buchstabencode für die Kulturpflanze), gegebenenfalls des BBCH-Codes (sofern es Anwendungsbeschränkungen auf bestimmte Entwicklungsstadien gibt) sowie die geodatenbasierte Flächeneinheit (zum Beispiel Schlagnummer aus dem Agrarantrag). Die digitale Aufzeichnungspflicht wird ab dem 1. Januar 2027 verpflichtend. Die digitalisierte Erfassung muss spätestens 30 Tage nach Anwendung aufgezeichnet sein.
Düngungsstrategie 2026: Nmin-Werte und Düngung
LLH-Pflanzenbauberaterin Ann-Kathrin Scherer präsentierte zudem die ersten Nmin-Ergebnisse aus der Region. Die Bestände haben sich alle sehr gut vor dem Winter entwickelt. Der Raps hat über die Schneemengen und den Winter zwei bis drei Blätter verloren, dennoch sehen die Bestände bisher vital aus. Die Schneemengen und Niederschläge haben den Wasservorrat im Boden gefüllt. Die Wintergerste zeigte in der letzten Woche auf manchen Schlägen Staunässesymptome.
Die Nmin-Ergebnisse zeigen beim Winterweizen und der Wintergerste etwas höhere Werte gegenüber dem langjährigen Mittel auf. Winterraps liegt nach den bisher ausgewerteten Proben auf dem Niveau des langjährigen Schnitts. Eine normale nicht überzogene Andüngung ist sobald es die Befahrbarkeit hergibt anzuraten. Auch wurden die Änderungen der Düngeverordnung angesprochen. Gemäß einer Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) vom 16. Januar werden die Zusatzauflagen in Roten Gebieten ausgesetzt. Die verschärften Vorgaben werden bis auf weiteres nicht kontrolliert. Alle übrigen Regelungen der Düngeverordnung gelten unverändert weiter.
Erfahrungsbericht zur Schilf-Glasflügelzikade
Michael Lenz vom Pflanzenschutzdienst RP Gießen berichtete, welche Erfahrungen im letzten Jahr bei der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade gemacht wurden. Die Schilf-Glasflügelzikade wandert von Südhessen aus Richtung Norden ein. Auch in der Wetterau sah man in den letzten Jahren Schäden bei Zuckerrüben und Kartoffeln. Die Zikade hat eine schnelle Anpassungsfähigkeit und befällt immer mehr Kulturpflanzen. Vor allem Gemüsekulturen, aber auch Unkräuter sind betroffen.
Eine deutliche Zunahme der Zikadenfänge in Zuckerrüben und Kartoffeln sieht man seit 2022. Hauptknackpunkt bei der Eindämmung des Schädlings ist die Fruchtfolge.
Ein möglichst großer Abstand zum Anbau zur Folgekultur nach der Rübenernte von mindestens fünf Monaten ist die wirksamste Maßnahme zur Reduzierung der Schädlingspopulation. Aufgrund der wenigen Vermarktungsmöglichkeiten für passende Fruchtfolgeglieder ist die Akzeptanz der Fruchtfolgeumstellung bei rübenanbauenden Betrieben leider nicht hoch. Eine gemeinsame Taktung in einer Region wäre sinnvoll, um die Nymphen der Zikade auszuhungern (zum Beispiel alle Betriebe einer Region setzen gleichzeitig alle vier Jahre den Rübenanbau aus). Lenz zeigte ebenfalls die Wirkung von Insektizid-Maßnahmen und mögliche zukünftige Beizstrategien auf. Bislang bleibt nur die Möglichkeit über den Anbau toleranter Sorten den Anbau zu erhalten. Lenz appellierte, frühzeitig eine Fruchtfolgeumstellung umzusetzen, damit der Rübenanbau in der Region erhalten bleibt.
Quo Vadis Beizen? Aktuelle Situation und Ausblick
Christodulos Pringas von Syngenta Agro referierte zur aktuellen Situation hinsichtlich der Zulassung von chemischen Beizen. Nach einführenden Erläuterungen zum Zulassungsverfahren von Beizwirkstoffen erläuterte Pringas die Grundprinzipien der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln. In Deutschland ist die Anzahl an zugelassenen Beizen sehr niedrig.
Bei Getreide stehen aktuell zehn fungizide Wirkstoffe zur Verfügung. Wenn Wirkstoffe wie Fludioxinil und Tebuconazol keine Wiederzulassung bekommen, bleiben nur noch fünf fungizide Wirkstoffe ohne Neuzulassungen auf dem Markt. Dies erschwert auch die Bekämpfung von Flugbrand zukünftig. Die Wirksamkeiten der Alternativen zur chemischen Beize sind bislang ernüchternd. Bei den biologischen Präparaten wurde bisher keine große Steigerung der Wirksamkeit gefunden.
Rückblick auf 36 Jahre Schaderregerüberwachung
Für Michael Lenz war dies der letzte Pflanzenbautag vor seinem Ruhestand, weshalb er über die Schaderregerüberwachung in seiner Dienstzeit berichtete. Im Laufe seiner Tätigkeit hat sich nicht nur die technische Ausstattung vom Wählscheibentelefon bis zum Smartphone entwickelt. Ebenso gab es einen starken Wandel bei den Schaderregern und Behandlungsmöglichkeiten. In dieser Zeit kamen die Strobilurine als vielversprechende Bekämpfungsmöglichkeit von pilzlichen Erregern auf den Markt, haben aber durch die Resistenzentwicklung an Durchsetzungskraft verloren. Viele neue Schädlinge kamen während seiner Dienstzeit in Hessen an, darunter der Schwarze Kohltriebrüssler im Raps, der sich mittlerweile im ganzen Bundesland voll etabliert hat. Sehr oft mahnte Lenz daher: „Rechtzeitiges Aufstellen der Gelbschalen ist absolut empfehlenswert!“
Lenz sieht weiterhin großes Einsparpotenzial bei Insektiziden, wenn Schädlinge wie Blattläuse oder Getreidehähnchen sorgfältig gezählt und die Schadschwellen im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes berücksichtigt werden. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass parasitierende Insekten als natürliche Gegenspieler des Rapsglanzkäfers wirken und dessen Schädlingspopulation nachweislich in Grenzen halten. Wie so viele andere eingewanderte Schädlinge hat sich auch der Maiszünsler vom Süden Richtung Norden verbreitet und ist hessenweit ein Stammgast auf den Maisfeldern.
Mit der Ausbringung von Trichogrammakugeln im Mais wurde deutlich, welchen Fortschritt der Pflanzenschutz in dieser Zeit angesichts biologischer und technologischer Mittel gemacht hat. Aber auch seit langer Zeit etablierte Schaderreger wie beispielsweise der Kartoffelkäfer oder die Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln sind heute noch eine große Herausforderung.
LLH – LW 10/2026
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