Über 7 000 Streuobstbäume in Wert setzen

25 Jahre Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz

Sie haben sich in einer Zeit mit dem Erhalt der Streuobstwiesen beschäftigt, in der der Niedergang in den meisten Gemeinden erst richtig begann: die Erzeuger in der Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz (FÖG). Die Weitsicht ist maßgeblich Manfred Jenet zu verdanken, einem Mitarbeiter der Kreisverwaltung Kaiserslautern, der sich in den 90er-Jahren stark für die Streuobstwiesen eingesetzt hat, sodass 1996 die Gründung der FÖG erfolgte.

Eine Investition in die Zukunft der Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz stellt diese Aufsammelmaschine dar. Fahrer Günter Seyler sitzt erst zum dritten Mal auf der Maschine. Laut Hersteller können Ungeübte 2 t pro Tag ernten, Geübte schaffen es auf 5 t pro Tag.

Foto: Setzepfand

„Jenet hat für die Neuanlage von Streuobstwiesen geworben, hat Schnittkurse durchgeführt und die ganze Wertschöpfungskette bis zur Vermarktung für die FÖG aufgebaut“, sagte Uta Wilking aus Weilerbach. Sie ist Gründungsmitglied und hat damals eine Streuobstwiese mit 130 Apfelbäumen alter Sorten angelegt wie viele der Gründungsmitglieder.

FÖG – entgegen dem damaligen Trend

Ein ganz wichtiger Part spielt bei der FÖG die Firma Lösch´s Fruchtsäfte aus Ramstein-Miesenbach. Helmut Lösch, der Geschäftsführer der Lösch´s Fruchtsäfte, ist seit der ersten Stunde dabei, auch ihm ist der Erhalt der Streuobstwiesen in der Region ein großes Anliegen. Damit diese Wirtschaftsform erhalten werden kann, muss sie hochwertig in Szene gesetzt werden. Dies geschieht seit 1998 mit dem Appel-Trittch, einem naturtrüben Apfelsaft aus den Streuobstwiesen der 100 Erzeuger der FÖG, der für 9,90 bis 10,90 Euro/Kiste in den Supermärkten der Region zu kaufen ist. „Rund ein bis vier Euro können wir für den Appel-Trittch mehr verlangen als für normalen Apfelsaft“, erklärt Lösch. Den Erzeugern garantiert er im Vertrag einen Mindestpreis von 14 Euro/dz. Dafür werden bei Pflanzenschutz und Düngung die Kriterien der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) eingehalten. Auch die Pflege der Bäume muss gewährleistet werden. Dies war ein Grund, weshalb Ewald Marschall, der zweite Vorstand, sich beim DLR Rheinpfalz zum Baumwart hat ausbilden lassen. „Ich wollte schon, dass unsere Bäume auch richtig geschnitten werden“, betont Marschall, der selbst 4 ha Streuobst in die FÖG einbringt. Im kommenden Jahr werde ein neues Produkt der FÖG auf den Markt gebracht, die Prickelbeer. Ein Birnenschaumwein überwiegend aus Mostbirnen der alten Welt. Seit 2019 sei er in der Verkostung. Zum 25-jährigen Jubiläum haben die Landräte Otto Rubly aus Kusel, Rainer Guth vom Donnersberg und Dr. Walter Altherr in Vertretung des Landrats für den Kreis Kaiserslautern mit den Vorsitzenden und den Gästen angestoßen.

Biotopvernetzung durch Streuobst

Die lobenden Worte der Landräte waren nicht nur der Prickelbeer geschuldet. Altherr wies darauf hin, dass der bereits verstorbene Jenet damals einen schweren Stand in der Kreisverwaltung Kaiserslautern hatte. Viele wollten die Bäume lieber fällen, neue Streuobstbäume zu pflanzen, das war entgegen dem Trend. „Gut, dass sich die FÖG gegründet hat, sie ermöglicht Hobby, einen kleinen Gewinn und einen Beitrag für die Biodiversität“, fasste Altherr zusammen.

Guth kam mit einem konkreten Vorschlag aus der Planungsgemeinschaft der Landkreise zum Jubiläum: Das Streuobst zukünftig im Rahmen der Biotopvernetzung verstärkt auf extensiven Flächen zu berücksichtigen. „Denn die Produktion aus der Region wird für die Menschen immer wichtiger. Wer möchte Apfelsaftkonzentrat, das einmal um die halbe Welt geschifft wurde?“, fragte er.

Der FÖG-Vorsitzende Oliver Leixner (l.) ehrte zahlreiche Mitglieder der FÖG für 25 Jahre Mitgliedschaft. Auch die Referenten Dr. Jürgen Lorenz vom DLR Rheinpfalz und Landrat Rainer Guth vom Donnersbergkreis erhielten eine Prickelbeer.

Foto: Setzepfand

Wertschätzung mit Wertschöpfung

Die Landkreise Kusel, Kaisers­lautern und Donnersberg haben sich in dieser Sache abgesprochen und eine Absichtserklärung abgegeben. Landrat Otto Rubly aus Kusel betonte wie sehr das Streuobst mit der Westpfalz und der Alten Welt verbunden ist. Es sei ein Synonym für naturbelassenen Raum, für Schönheit in der Landschaft, für Brutraum für viele Wildtiere und Insekten sowie ein Schutz gegen Erosion an den Hängen. „Mal gibt es viel, mal gibt es wenig, das ist normal im Streuobstanbau. Gut, dass die FÖG daran arbeitet, die Streuobstwiesen zu pflegen“, so Rubly.

Dr. Jürgen Lorenz, der koordinierend für den Streuobstanbau in Rheinland-Pfalz zuständig ist, bemerkte in seinem Grußwort: „Gut, dass es die FÖG gibt, die das Streuobst weiterbringt.“ Sie vereint Wertschätzung mit Wertschöpfung und nur dies führe zum Erfolg. Dass die Streuobstwiesen historisch gesehen eine wichtige Funktion in der einstigen Landwirtschaft spielten, auch darauf wies er hin. So wurden die Zwetschen für 30 Pfennig das Kilogramm verkauft, wenn genügend am Baum hing. Ansonsten wurde die Familie mit Obst und Gemüse durch den Winter gebracht.

Streuobst lebt von Nutzung

„Streuobst lebt von der Nutzung“, stellte Lorenz fest, daher sei er besonders froh, dass die FÖG ein weiteres Produkt auf den Markt bringt und den Erzeugern einen Auszahlungspreis von 80 Euro/dz zahlt. „Da liest man auch die letzte Birne noch auf und achtet auf gute Qualität“, so Lorenz. Für die Apfelproduktion im Streuobst sehe Lorenz 25 Euro/dz als auskömmlich: „Damit könnten die Streuobstwiesen erhalten werden.“ Ein gutes Werkzeug, um Transparenz in die Auszahlung des Streuobstes zu bekommen, sei das Preisbarometer Streuobst des Hochstamm Deutschland e.V., dieses kann unter www.hochstamm-deutschland.d... angezeigt werden. In diesem Jahr werden noch Daten gesammelt.

Nicht auf die FÖG bezogen, jedoch auf die Streuobstbestände insgesamt im Land, sagte Lorenz: „Um das Streuobst zu erhalten müssen wir etwas flexibler werden – vor allem in den Verwaltungen und Naturschutzverbänden. Heute sterben viele Bäume auf der Streuobstwiese an Nährstoffmangel. Es fehle an Kalium und Phosphor. Hier muss dringend etwas geschehen.“

Zur Pflege des Streuobstes gehört die Düngung

Das Streuobst werde ideologisch ausgemagert, doch pflanzenphysiologisch sei dies überhaupt nicht sinnvoll. Streuobstbäume brauchen hin und wieder eine Düngung, gerne mit Stallmist oder Jauche. „Unsere Ahnen haben dies gewusst“, stellte Lorenz fest. Besonders im Vertragsnaturschutz müsse nachgebessert werden, denn die Mär, dass eine Streuobstwiese ausgemagert werden soll, um einen Kalkmagerrasen darunter zu bilden, sei in den meisten Fällen nicht zu realisieren. Meist gebe es Glatthaferwiesen, denen dann Kalium und Phosphor fehle. Berechnungen haben ergeben, dass bei einer Ernte von 10 t Streuobst pro Hektar innerhalb von einem Jahr 32 kg Mineralstoffe allein durch die Früchte entzogen werden. Naturschutz und Verwaltung sollten über eine fachgerechte und artenreiche Streuobstwiesenpflege diskutieren. Wird artenreich im Sinne einer bunten vielblühenden Streuobstwiese verstanden, dann darf nicht zu spät gemäht werden, sondern in der Vollblüte der Margeriten. Dann kommen die ersten Kräuter nicht zum Samen, sondern bilden erneut Blüten aus dem Wurzelstock, der damit gestärkt werde.

Viele Naturschützer sprechen sich für eine spätere Mahd aus, um den Bodenbrütern entgegenzukommen. „Alle haben ihre Berechtigung. Am besten wäre es, keine Vorgaben zu machen, sondern ein Mosaik verschiedener Mahdzeitpunkte zu schaffen“, fasste Lorenz zusammen. Er sprach den rund 300 Besuchern Mut zu weiteren Projekten zu: „Streuobst ist Vielfalt, es lebt von motivierten Menschen, die ich hier sehe.“

Eine große Obstschau mit rund 160 Apfel- und Birnensorten hat auf die Vielfalt der Streuobstwiesen in der Pfalz hingewiesen. Dazu konnten Besucher selbst ihre unbekannten Äpfel und Birnen mitbringen und von Pomologen in der Kurpfalzhalle in Nanzdietschweiler bestimmen lassen. Werner Nussbaum aus Hessen und Rainer Rausch aus der Vorderpfalz waren zu diesem Zweck angereist. „Zu 90 Prozent haben die Leute Äpfel mitgebracht“, sagte Rausch. „Vor allem Rheinischer Winterrambur, Rheinischer Bohnapfel und Goldparmäne“, ergänzte Nussbaum, der auf 40 Jahre Erfahrung in der Obstbestimmung zurückblicken kann.

Damit das Streuobst der FÖG in den kommenden Jahren besser gesammelt werden kann, hat die Firma Lösch in eine Aufsammelmaschine für 33 000 Euro investiert. Die Maschine von der Firma Krauss aus Auenwald bei Stuttgart wird mit Fahrer an die FÖG-Erzeuger gegeben. Denn die Bäume der FÖG kommen nun erst in ihre besten Jahre, sagte Lösch. Bisher sei die Ernte im Durchschnitt über die 25 Jahre bei 100 t/Jahr gelegen. Die besten Jahre waren 2008 mit 275 t und 2020 mit 210 t. Die schwächsten Jahrgänge waren 2005 mit 12 t und 2019 mit Null t. „Bei Streuobst kann man nicht planen, die Alternanz ist enorm. Sicher ist nur, dass jedes Jahr anders wird“, sagte Lösch aus seiner Erfahrung. Die FÖG nimmt gerne noch weitere Erzeuger als Mitglieder auf. Wer hier Interesse hat, kann sich an Ewald Marschall, den zweiten Vorsitzenden wenden unter 0152 /5101 6561 oder per E-Mail direkt an die FÖG: Foeg-Pfalz@t-online.de sowie online an www.foeg-streuobst-pfalz.de.

zep – LW 42/2021