Unsere Wettbewerbsfähigkeit steht täglich auf dem Spiel
Bedrückte Stimmung bei Kreisversammlung MZ-BIN
Es gab nicht viel Positives für die zahlreich erschienenen Bauern und Winzer, die am Dienstagabend vor einer Woche zur Kreisversammlung nach Undenheim in die Goldbach-Halle gekommen sind. Kreisvorsitzender Peter Acker begrüßte alle sowie den Hauptredner, den Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd (BWV) Eberhard Hartelt, der zum Thema sprach „Agrarpolitik muss endlich liefern – ja was eigentlich?“
Foto: Setzepfand
Wo bleibt ein Inflationsausgleich?
Ein Inflationsausgleich im Rahmen der Direktzahlungen und Honorierung der Umweltleistungen soll die Politik liefern – auch dieses Thema werde in Berlin und Brüssel nicht gehört. Stattdessen soll das Geld für die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2027 gekürzt werden. Ab 2027 oder 2028 stehen den europäischen Bauern gerade noch 294 Mrd. Euro als Einkommensstützung durch zweckgebundene Mittel zur Verfügung im Vergleich zu 400 Mrd. Euro in den Vorjahren. Deutschland werden dann noch 33 Mrd. Euro zur Verfügung stehen für Direktzahlungen. Die EU möchte den Ländern die Möglichkeit geben, die Landwirte zu stärken, dies sei für den DBV undenkbar. „Wir wollen keine Renationalisierung“, betonte Hartelt. Kreisvorsitzender Acker bemerkte in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr: „Uns drücken die Kosten überall. Zwar hatten wir eine gute Getreideernte, aber die Preise haben nicht gestimmt. Bei Braugerste mussten wir hohe Abschläge hinnehmen aufgrund von Mindereiweiß. Beim Weizen schaffen wir aufgrund der Unterdüngung in den Roten Gebieten die Brotweizenqualität nicht mehr. Das sind politisch gemachte Kosten, die wir tragen.“ Dazu gehören zudem der Mindestlohn, die Energie, die Verknappung von Pflanzenschutzmitteln und letztlich sogar die schlechte Konsumstimmung durch verunsicherte Konsumenten, die nur noch billig kaufen, so Acker.
Planungssicherheit – diese kann nur gegeben sein, wenn die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln beim Wegfall von Wirkstoffen durch andere ersetzt wird. Dies sei aber oft nicht der Fall. So werde eine Notfallzulassung nach der anderen gestellt. Wie nun auch bei den Zuckerrüben, die gegen die Schilf-Glasflügelzikade, den Überträger von Stolbur und SBR, unbedingt geschützt werden muss. Denn die Nymphen der Zikade befallen nicht nur Zuckerrüben, Kartoffeln oder Gemüse, sondern auch die Wildkräuter wie Disteln, Löwenzahn und viele andere. Das Problem wurde unterschätzt und müsse nun wahrgenommen werden. „SBR und Stolbur sind eine der größten Katastrophen der letzten 80 Jahre“, sagte Hartelt. Zur Lösung bedarf es mehr als Notfallzulassungen. Vor ähnlichen Problemen stehen auch die Obstbauern bei zahlreichen Schädlingen. Das Vetorecht des Umweltbundesamtes abzuschaffen sei nicht gelungen, so der noch amtierende BWV-Präsident Hartelt, der im November sein Amt abgeben wird. Dieses rühre weiter an der Stoffstrombilanz, obwohl diese nach den Protesten abgeschafft wurde.
zep – LW 6/2026
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