Wann Hitze für Pferde zum Problem wird

Vor allem Fohlen sowie alte und stark beanspruchte Tiere betroffen

Pferde vertragen Hitze besser als Menschen. An sehr heißen oder schwülen Tagen können jedoch auch sie leiden. Besonders gefährdet sind alte und stark beanspruchte Pferde sowie Fohlen. Die Agrarjournalistin Gisela Ehret hat sich mit dem Thema befasst.

Auch Pferde leiden unter der Hitze. Abduschen oder Übergießen mit Wasser ist die effektivste und schnellste Maßnahme, um überhitzte Pferde abzukühlen. Bei Hitze ist Sonnenschutz im Paddock und auf der Weide Pflicht. Ein Unterstand oder Bäume bieten Schatten.

Foto: Ehret

Da gesunde erwachsene Pferde auch stärkere Hitze meist gut tolerieren, hat Hitzestress vor allem im Turniersport Relevanz, wo den Pferden große Leistungen abverlangt werden. Immer wieder wird diskutiert, ob Turniere oder Pferderennen bei großer Hitze noch tierschutzgerecht sind. Auch Kutschfahrten für Touristen stehen in der Kritik. In Berlin zum Beispiel dürfen Pferdekutschen ab 30°C nicht mehr fahren, in Österreich gilt seit 2016 eine 35-Grad-Grenze. Immer wieder wird diskutiert, die Grenze herabzusetzen.

Durch seine außergewöhnlich gute Thermoregulation kann das Pferd unter normalen Umständen seine Körpertemperatur im physiologischen Bereich zwischen 37,5 und 38,5 °C halten. Gelingt ihm das nicht mehr, weil die Wärmeeinwirkung von außen zu groß ist, so spricht man von Hitzestress. Wissenschaftliche Daten zu Hitzestress bei Pferden sind rar. Die meisten Erkenntnisse stammen von Untersuchungen an Sport- oder Arbeitspferden. Die hilfreichsten davon fasste eine Literaturrecherche aus dem Jahr 2023 zusammen, deren Ergebnisse hier wiedergegeben werden.

Um die Körpertemperatur stabil zu halten, ist eine Balance zwischen Wärmeerzeugung und Wärmeabfuhr notwendig. Ist es sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, reduzieren sich die Möglichkeiten der Pferde, Hitze abzugeben. Bei dem Versuch, Wärme abzugeben, strengt sich der Körper sehr an. Das hat Folgen, die die Gesundheit und das Leben bedrohen können. Übermäßiges Schwitzen bringt einen Verlust an Elektrolyten und Wasser mit sich und kann zu Dehydrierung führen. Das zentrale Nervensystem kann unter Umständen nur noch eingeschränkt funktionieren. Steigt die Körpertemperatur über 41°C, kann es zum Hitzschlag kommen. Im schlimmsten Fall können Pferde sterben. Kritisch sind dabei vor allem intensive Arbeit bei großer Hitze und Luftfeuchtigkeit, Unterbringung in Räumen mit schlechter Durchlüftung und der Wechsel von einem kühlen Ort an einen heiß-feuchten. Pferde können sich in einem gewissen Rahmen an Hitze gewöhnen. In einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2001 mit Quarter Horses zeigte sich, dass die Pferde dafür aber etwa fünf Tage brauchen. Bringt man das Pferd vom kühlen Stall in einen in der Sonne aufgeheizten Anhänger, ist das eine plötzliche klimatische Umstellung, die schwerer zu bewältigen ist. Die Angst kann zusätzlich zu starkem Schwitzen und Hitzestress führen. Zehn Prozent der Unfälle beim Pferdetransport stehen in Zusammenhang mit Hitzschlag, so die Verfasser der Literaturrecherche. Besonders gefährlich ist die Erkrankung Exertional Heat Illness (EHI). Sie betrifft vor allem Sportpferde und entsteht, wenn während intensiver Arbeit plötzlich viel Stoffwechselwärme produziert wird. Dies kann zu Überhitzung, Funktionsstörungen im Zentralen Nervensystem oder aggressivem Verhalten führen. EHI muss im frühen Stadium erkannt werden und es muss sofort gegengesteuert werden, um das Fortschreiten zu verhindern. In der Zucht kann Hitzestress ebenfalls negative Folgen haben. Bei Hengsten können die Spermien Schaden nehmen, und auch die Testosteronproduktion kann abnehmen. Bei Stuten kann die Durchblutung der Placenta eingeschränkt sein und das Follikelvolumen kleiner werden. Andauernder Hitzestress kann die Hormone beeinflussen, die Fruchtbarkeit verringern und die Entwicklung des Fötus verändern, warnen die Autoren.

 – LW 32/2026