Was tun gegen Zecken?

Interview mit Expertin Ute Fischer über Borreliose und FSME

Die richtigen Informationen und die patientengerechte Beratung über eine Zeckeninfektion und deren Folgen sowie Therapiemaßnahmen zu erhalten, ist oftmals schwierig. Das LW befragte daher die Geschäftsführerin vom Borreliose- und FSME-Bund Deutschland, Ute Fischer. Die Expertin gibt im Folgenden wichtige Tipps zum Schutz vor Zeckenstichen, zur Zeckenentfernung bis hin zur Wirksamkeit von Zeckenabwehrmitteln.

Zecken beißen nicht, sondern sie stechen. Die Folgen des Stichs können gravie­rend sein. Doch bis Borreliose oder FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) diagnostiziert sind, vergeht oftmals sehr viel Zeit.
Foto: Kurt Michel/pixelio

LW: Für Menschen, die auf dem Land wohnen, sind Zeckenstiche keine Seltenheit. Wie kann man sich jedoch am besten davor schützen? Muss man sich überhaupt davor schützen? Die Risikogebiete scheinen weit entfernt!
Ute Fischer:
Für Zecken gibt es keine Risikogebiete. Sie sind mehr oder weniger gleichmäßig auf der nördlichen Erdkugel verteilt. Jede dritte Zecke hat Borrelien, das sind Bakterien, in sich und oft auch noch andere Erreger. Risikogebiete, unter anderem auch einige in Hessen und in Rheinland-Pfalz, gibt es nur für FSME-Viren. Dagegen kann man sich impfen lassen.

LW: Sind Personen auf dem Land beziehungsweise diejenigen, die viel draußen arbeiten, besonders gefährdet, an einer Borreliose oder an FSME zu erkranken?
Fischer:
Zecken machen keinen Unterschied zwischen Landwirtschaft oder Park oder Schwimmbad oder Stadtgarten. Zecken verbreiten sich über Vögel und Vierbeiner. An Borreliose kann man überall erkranken. An FSME nur in Risikogebieten, zum Beispiel auch wenn man zur Fußball-Europa-Meisterschaft nach Österreich oder in die Schweiz reist, keine Stadion-Karte besitzt und sich die Spiele im Grünen, beim sogenannten Public Viewing, anguckt.

LW: Man kann sich also gegen Zecken impfen lassen. Zahlt diese Leistung die Krankenkasse?
Fischer:
Wenn man in einem Risikogebiet lebt, zahlt die Krankenkasse die Impfung. Wenn man nur in einem FSME-Gebiet Urlaub machen will, muss man selbst bezahlen. Bereits nach der zweiten Teilimpfung, nach vier Wochen, hat man einen 80-prozentigen Schutz.

LW: Was ist die beste Methode, um eine Zecke zu entfernen?
Fischer:
Man sollte mit einem Messer von hinten unter die Zecke fahren und den Saugrüssel abschneiden oder heraushebeln. Unterwegs, als erste Hilfe, geht das auch mit einer Zeckenkarte. Zeckenzangen sind zu dickbackig. Auch die Finger sind eher geeignet, eine Infektion zu fördern.

LW: Was halten Sie von im Handel angebotenen Zeckenmitteln?
Fischer:
Zeckenabwehrmittel helfen nur bedingt. Man darf nicht zu viel Sicherheit erwarten. Alle Zeckenmittel wirken wesentlich kürzer, als auf der Packung steht. Das hat auch Stiftung Warentest kürzlich als Ergebnis einer Testreihe bekannt gegeben. Einige wirken nur auf der Haut, einige auf der Kleidung. Besser ist es, sich abends gründlich abzusuchen und Zecken sofort zu entfernen. Die Fragen stellte Stephanie Lehmkühler