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Unter Beobachtung

Rübenrüssler in Zuckerrüben – eine Gefahr?

Wie der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer mitteilt, werden auf manchen Feldern „aktuell seltsame Fraßschäden an den Rübenblättern festgestellt, die an Vogelfraß erinnern“. Etwa 30 ha Zuckerrüben seien in Südwestdeutschland mit ähnlichen Schadbildern umgebrochen worden. Schnell sei mancherorts gemeldet worden, der aus Österreich bekannte Derbrüssler könne die Ursache sein. Diese Meldungen erwiesen sich dem Verband zufolge nach Beobachtung durch Experten der ARGE Zuckerrübe Südwest glücklicherweise als falsch.

Typisch für den Spitzsteißigen Rübenrüssler ist der Randfraß an den Blatträndern.
Foto: VHP

Ursache der Schäden ist in Wahrheit der Spitzsteißige Rübenrüssler (Tanymecus palliatus), heißt es in der Pressemeldung weiter. Jeder fünfte Käfer in Deutschland sei ein Rüssler. „Sie sehen oft ähnlich aus. Die Verwechslungsgefahr ist also groß. Der Spitzsteißige Rübenrüssler tritt in Hessen, BadenWürttemberg und Rheinland-Pfalz, aber auch in den neuen Ländern auf und frisst nahezu alles von Ahorn bis Zuckerrübe. Das aktuell hohe Vorkommen des Rüsslers ist vermutlich der warmen Herbst- und Winterwitterung und attraktiven Zwischenfrüchten zu verdanken“, so der Verband.

Außerdem sei der Käfer in der Vergangenheit durch die Neonikotinoide in Zuckerrüben vermutlich unterdrückt worden. Die ARGE Zuckerrübe Südwest beobachtet den Schädling bereits und versucht die Ursachen des stärkeren Auftretens einzugrenzen.

Zur Kontrolle in den Acker

Unterschiede zum gefräßigen Derb­rüssler aus Österreich sind das Schadbild und die Vermehrung: Ein befallener Acker kann direkt neben einem schädlingsfreien Acker liegen, und meist waren Zwischenfrüchte die Vorkultur. Die Felder sind daher oft von der Mitte aus befallen – was die Diagnose erschwert. Dagegen wandert der Derbrüssler aus benachbarten vorjährigen Rübenfeldern ein. Der Spitzsteißige Rübenrüssler ist da weniger wählerisch und hat ein breites Wirtspflanzenspektrum – so auch viele Zwischenfruchtarten. Er braucht keine Rüben. Auch Unkraut ist auf befallenen Schlägen durch den Rüssler quasi biologisch komplett bekämpft, da er wirklich nahezu alles vertilgt! Wasser und nasskalte Witterung schaden dem Rüssler dagegen.

LW – LW 19/2019