Der Brennholzmarkt boomt

Immer mehr Selbstwerber machen ihr eigenes Brennholz

Steigende Nachfrage und regionale Versorgungsstrukturen beleben den Energieholzmarkt. Heizen mit Holz gilt derzeit als wirtschaftliche und klimaschonende Alternative zu Öl und Gas. Holger Pflüger-Grone von Hessen-Forst berichtet vom Brennholzmarkt in Hessen.

Zwar gibt es bereits zwei Zertifizierungssysteme für Brennholz, doch im allgemeinen Handel werden diese Siegel noch wenig gebraucht.
Foto: Rainer Sturm/pixelio

Holz war bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste von Menschen genutzte Ener­giequelle. So dominierte der Anteil des Brennholzes im Kaufunger Wald Mitte des 19. Jahrhunderts noch mit 91 Prozent und ging bis Ende des 20. Jahrhunderts auf 6 Prozent zurück. Binnen 150 Jahren hat sich in dieser Region das Verhältnis Nutzholz zu Brennholz nahezu umgekehrt. Mit der Industrialisierung verlor der Energieträger Holz enorm an Bedeutung.

Während im 20. Jahrhundert in den Industrieländern eine Abkehr von der Brennholznutzung zugunsten von Kohle, Öl und Gas erfolgte, ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts eine Rückkehr zur Wärmegewinnung durch Brennholz aufgrund des weltweit zunehmenden Energiebedarfs, der steigenden Importabhängigkeit, Endlichkeit und Preisentwicklung fossiler Energieträger sowie der Problematik des Klimawandels und Beschränkung der CO2-Emissionen zu beobachten.

Holz – speicherbare Energie

Holz ist gespeicherte Sonnenenergie und ein nachhaltig nachwachsender Rohstoff. Die Nutzung und Verwendung von heimischem Holz trägt zur Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe bei. Durch die energetische Holznutzung können fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas substituiert oder zumindest gestreckt werden. Zum Beispiel kann ein Festmeter trockenes Buchenscheitholz energetisch 270 Liter Heizöl oder ein Raummeter trockenes Buchenscheitholz energetisch 190 Liter Heizöl ersetzen. Darüber hinaus kann durch Energieholz die Umweltbelastung reduziert und im Rahmen eines Energiemixes ein wertvoller Beitrag zur Deckung des Energiebedarfs regional erreicht werden.

Brennholzverkauf

Der Energieholzverkauf in den von Hessen-Forst betreuten Waldflächen bewegte sich im Schnitt der Jahre 2005 bis 2008 bei gut einer halben Million Kubik- oder Festmeter je Jahr. Das entspricht somit einem jährlichen Marktvolumen von zirka 10 Mio. Euro. Das Energieholz hat somit einen Anteil am Gesamteinschlag von 11 Prozent.

Rund 75 Prozent des Brennholzverkaufs aus dem betreuten Wald von Hessen-Forst geht direkt an den Endkunden, zirka 25 Prozent wird über den Energieholzhandel abgesetzt, wobei der Energieholzhandel eine sehr uneinheitliche Menge von Brennholzaufbereitern umfasst, die vom gewerblichen Selbstwerber, der Spaß am Holz machen hat, bis zum professionellen Holzhandel reicht.

Um für die heimische Feuerstätte (Kaminofen, Kachelofen oder Zentralheizung) Brennholz zu erwerben, bieten die Forstämter des Landesbetriebes Hessen-Forst Brennholz in Form von runden Langholzabschnitten am Waldweg oder als selbst aufzubereitendes Schichtholz auf der Waldfläche („Selbstwerbung“) an. Bei der Selbstwerbung wird nach Einweisung durch den Revierförster oder das Forstamt selbstständig der Bedarf an Brennholz direkt im Wald aufgearbeitet. Es handelt sich hierbei im Regelfall um dicke Äste, Baumkronen oder dünne Stämme von bereits gefällten Bäumen. Dieses Holz kann gegen Entgelt auch an einen Waldweg gezogen werden. Während im ländlichen Raum überwiegend der Abraum auf der Fläche nachgefragt wird, sind es in der Nähe der Ballungsräume die Polter am Waldweg. Dann muss das Holz noch ofenfertig geschnitten, gespalten und nach Hause transportiert werden.

Da Teile der Baumkronen und dünne Stämme auch als Industrieholz von der Holzindustrie nachgefragt werden, ergibt sich zwischen diesem Industrieholz und dem Brennholz eine gewisse Preiskopplung. Aufgrund der aktuellen Verknappung des Industrieholzes und dadurch steigender Industrieholzpreise werden die seit etwa drei Jahren kon­stanten Brennholzpreise für Selbstwerber ansteigen. Wer seine Holzmenge sicher erhalten möchte, sollte die Bestellung frühzeitig beim nächstgelegenen Forstamt oder Waldbesitzer aufgeben. Die Preise des Brennholzes können abhängig vom Waldbesitzer sehr unterschiedlich sein. Der Landesbetrieb Hessen-Forst empfiehlt den nichtstaatlichen Waldbesitzern seine Brennholzpreise als Richtwert. Was die Privatwaldbesitzer oder Kommunen wirklich verlangen, ist eine Eigentümer­entscheidung. Viele Kommunen oder Bürgermeister halten den Brennholzpreis für Einheimische zur energetischen Grundversorgung etwas niedriger. Bei der Waldarbeit und der Arbeit mit der Motorsäge sind die Unfallverhütungsvorschriften „Forsten“ zu beachten. Als Voraussetzung für den Umgang mit den spezifischen Gefahren der Motorsägenarbeit bei der Brennholzgewinnung werden bei den hessischen Forstämtern Schulungen in Form von ein- oder zweitägigen Lehrgängen angeboten, auch für Frauen. Vermittelt werden theoretisches Wissen zur Holz­ernte und zur Motorsägentechnik sowie praktische Übungen zu sicheren Schnitttechniken. Diese Schulungen sollen vor allem die eigene Sicherheit beim Umgang mit der Motorsäge verbessern. Die Schulungen werden in verschiedenen Modulen angeboten:

  • Aufbereiten von liegendem Holz
  • Techniken zur Fällung und Aufbereitung von stehendem Holz
  • Wartung und Pflege der Motorsäge.

Nähere Informationen zu den Kursen und Terminen geben die Forstämter oder die örtlichen Revierförstereien. Wer Energieholz als Meterholz oder ofenfertig zugeschnitten und gespalten erwerben möchte, kann sich an die Brennholzhöfe oder Brennholzdienstleister wenden. Eine Liste mit Ener­gieholzlieferanten und –dienstleistern ist unter www.hessen-forst.de/produkte/brennholz.htm zu finden.

Hessen-Forst unterhält ein Netzwerk von 20 forstlichen Bioenergieberatern. Ihre Aufgabe ist es, Kommunen, Unternehmen und Privatleute auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die eine bioenergetische Holzverwendung im Bereich Erneuerbarer Energien bietet. Die forstlichen Bioenergieberater sind über jedes hessische Forstamt zu erreichen und kennen sich dabei besonders gut mit den Themen aus, bei denen es um Brennholzaufbereitung, um Brennholztrocknung und -lagerung geht. Sie beraten zum Thema „Richtig Heizen mit Holz“ und „Saubere Verbrennung“. Schließlich haben diese Berater einen Überblick über neue Entwicklungen, beobachten den Markt und können je nach Problemstellung Orientierung zur Holz­energienutzung bieten. Holger Pflüger-Grone Landesbetriebsleitung Hessen-Forst, Sachbereichsleiter Forstliche Bioenergie

Der Brennholzmarkt in Rheinland-Pfalz

Interview mit Franz-Josef Louen, zuständig für die Energieberatung und das Biomassemanagement der Zentralstelle der Forstverwaltung in Rheinland-Pfalz.

LW: Wie entwickelte sich der Brennholzmarkt in den vergangenen 20 Jahren?
Franz-Josef Louen:
Der Markt für stückiges Brennholz zeigte große regionale Unterschiede. Im ländlichen Raum galt das Interesse dem „Billig- Energieträger“ Holz aus Selbstwerbung. Im eher städtisch geprägten Raum war es stets ein Begriff gehobenen Anspruchs und Lebensgefühls. Das Preisniveau war allemal niedrig wie das Volumen. 2004 wurden in RLP 180 000 fm Brennholz von LF gebucht. 2007 wurden bereits 750 000 fm verkauft. 2008 waren es 630 000 fm. Der rasante Anstieg war auf die steigenden Preise für fossile Energien zurückzuführen als auch die Ausweichreaktion der Verbraucher. In der Regel wird das Holz in alten Anlagen verbrannt. Die Effizienz bleibt hierbei auf der Strecke: es wurde viel Holz verbrannt mit relativ kleinem Wärmegewinn und wirtschaftlichem Vorteil. Der Volumenrückgang in 2008 kann mit den zwei vorausgegangenen milden Wintern erklärt werden. Vorher hatte man hohe Vorräte angelegt, um etwa ähnliche Preissteigerungen wie bei Öl und Gas abzufedern. Das Niveau könnte sich stabilisieren. Holz aus anderen Quellen kann nur sehr eingeschränkt geschätzt werden. Aus Verpackungsholz, Landschaftspflege, Gefahrbäumen, Trassenpflege und Privatwald könnten nochmals 30 Prozent hinzukommen.

LW: Wer sind die besten Kunden am Brennholzmarkt?
Franz-Josef Louen:
Die örtlichen Interessenten haben erste Priorität, gefolgt vom örtlichen und regionalen Brennholzhandel.

LW: Welche neuen Strukturen haben sich ergeben?
Franz-Josef Louen:
Nach wie vor ist der Handel oft wenig professionell. Er ist in der Regel kleingewerblich strukturiert. Einige wenige lassen Ambition auf genormte Qualitäten erkennen.

LW: Wo gibt es Probleme?
Franz-Josef Louen:
Die Umsetzung der Europäischen Vor-Norm und entsprechendes Angebot mit Deklaration der Baumart, des vom Kunden nachvollziehbaren Volumens und Wassergehalts fehlt.

LW: Wie wird sich der Brennholzmarkt – Ihrer Meinung nach – weiterentwickeln?
Franz-Josef Louen:
Es wird einerseits den Bereich „fun“ geben im Selbstwerber-Millieu. Andererseits wird der Kleinsthandel im Dumpingbereich zu finden sein. Dieser bremst wiederum die Professionalisierung. Es ist auch Sache des Holzproduzenten danach zu schauen, was mit seinem Holz geschieht, um möglicherweise einen Imageschaden von seiner Ware abzuwenden. Hier sind mehr Informationen, Kommunikation und eine Handhabungshilfe notwendig. Es kommt eben doch darauf an – was man daraus macht!

LW: Welche Maßnahmen sind notwendig, um langfristig die Brennholzversorgung zu gewährleisten?
Franz-Josef Louen:
Information über den begrenzten, aber nachwachsenden Rohstoff Holz halte ich für wichtig. Moderne Holzheiz-Anlagen bilden die Effizienz von fossilen Techniken ab. Stichworte sind ein Ofen mit Wassertasche zur Einbindung in das Zentralheizungsnetz und ein großer Pufferspeicher und Brennwerttechnik. Nach Gebäudedämmung, Einsatz effizienter Technik und Solarthermie in der Grundlast soll das Holz die Spitzenlast decken. Jetzt decken die Holzmengen den Bedarf von einem Haushalt. Möglich wäre aber bereits vier Häuser mit der gleichen Menge zu erwärmen. Bald kann in Nahwärmenetzen mit solarthermischer Rückspeisung es möglich werden, zehn Objekte bequem zu heizen. Mit Franz-Josef Louen sprach Elke Setzepfand