So ist das mit Gerüchten

Toni wird belehrt

„Gustav, Gustav, hast du schon gehört, was mit Eule Elsbeth passiert ist?“, kam Henne Toni aufgeregt zu Ziegenbock Gustav gerannt.

„Nein, was soll denn mit ihr passiert sein?“

„Margot hat mir erzählt, sie habe von Anneliese gehört, dass Elsbeth nicht mehr so gut fliegen könne und dass sie deshalb doch glatt gegen einen Baum geflogen sei und sich beide Flügel gebrochen habe. Zwei dicke Verbände seien um ihre Flügel gewickelt und sie könne jetzt für viele Wochen nicht mehr auf Mäusejagd gehen. - Stell dir mal vor, eine Eule, die nicht mehr fliegen kann. Das ist doch fast so schlimm, wie eine Henne, die keine Eier mehr legen kann.“

„Aha, und woher hat deine Freundin Anneliese diese wichtige Information?“, fragte Gustav skeptisch.

„Na, wo wird sie die schon herhaben, vermutlich hat sie wieder Theo, dem 16-jährigen Sohn von Bauer Franz, über die Schulter geschaut, als er im Internet gesurft hat. Im Internet stehen ja so wahnsinnig viele Informationen.“

„Und da haben Anneliese und Theo vermutlich mehrere unterschiedliche Seiten angeguckt, um zu überprüfen, ob diese Nachricht auch wirklich stimmt.“

„Ich weiß nicht, was du willst, Gustav, reicht es nicht, wenn sie die Information auf einer Internetseite gelesen hat?“

„Nein, das reicht nicht. Wenn man Informationen verbreitet, sollte man schon sicher sein, dass sie auch stimmen. Dazu sollte man immer mehrere Quellen befragen: Internetseiten von seriösen Zeitungen und Zeitschriften zum Beispiel, möglichst von mehreren! Im Fall von Eule Elsbeth zum Beispiel auch Seiten von hiesigen Forstverbänden, die sich mit Waldtieren auskennen.“

„Himmel, Gustav, übertreibst du da nicht ein bisschen?“

„Nein, ich übertreibe nicht. Eule Elsbeth ist hier überall bekannt. Wenn du, Margot und Anneliese das Gerücht verbreiten, dass sie nicht mehr gut fliegen kann und deswegen gegen Bäume fliegt, ist das schon schlimm, aber wenn es zudem nicht einmal stimmt, ist das doppelt schlimm.“

„Hm, das habe ich mir so noch nicht überlegt. Für mich war das einfach eine interessante Nachricht, die ich weitersagen wollte. Aber ich kann dich beruhigen, Gustav, ich bin mir ziemlich sicher, dass die Information von Anneliese stimmt.“

In diesem Moment flog Eule Elsbeth über die Köpfe von Gustav und Toni hinweg. Von einem Verband an den Flügeln oder gar irgendeiner Unsicherheit beim Fliegen war nichts zu sehen. Gustav grüßte höflich und Toni starrte die Eule nur mit offenem Schnabel an.

„Eule Elsbeth hat sich aber überraschend schnell von ihrem Unfall erholt“, meinte Toni schließlich zögernd.

„Ach, Toni, glaub einfach nicht jedes Gerücht, das du hörst. Überprüfe es lieber, bevor du es selber auch noch weitererzählst.“

„Ja, ja, Gustav, ich hab es schon kapiert. Warum musst du immer recht haben und ich unrecht?“

„Weil ich mich vorab immer bei mehreren Quellen informiere, bevor ich etwas behaupte, deshalb!“, sprach Gustav und zog Richtung Wiese davon, um sich an einer ordentlichen Portion Gras zu erfreuen.

 

 

 

 

Schäfer – LW 23.05.2019/2019