Warum Ciolos auf Greening setzt

Die bisherigen EU-Agrarkommissare konnten bei ihrem politischen Handeln ihre Herkunft nicht verhehlen. Von Mac Sharry profitierten die irischen Rindfleischerzeuger, Fischlers Umweltprogramme waren für die österreichischen Bedingungen passend, und Fischer Boel beförderte mit ihrem Marktliberalismus die auf Export ausgerichtete dänische Agrarwirtschaft.

Bei Cioloş ist dies nicht anders. Dass er mit seinen GAP-Vorschlägen auf Greening setzt, führt einen dabei zunächst auf die falsche Fährte. Denn was hat ein Rumäne, der noch dazu in Frankreich seine wissenschaftliche Ausbildung genossen und sicher auch die Denkschule übernommen hat, mit Ökologisierung der Landwirtschaft am Hut? Dass Umwelt- und andere Nichtregierungsorganisationen ihren starken Einfluss ausüben, ist nur die eine Seite. Vielmehr sprechen die rumänischen Zahlen für sich: Bei etwa 13,7 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche wird der überwiegende Teil der 3,9 Mio. Bauernhöfe unter die Kleinbetriebsregelung fallen. Damit wären sie von Greening-Maßnahmen und Cross Compliance befreit und können eine pauschale Zahlung in Höhe von rund 500 Euro beanspruchen. Auch für den Rest der rumänischen Landwirtschaft passen die Vorschläge Cioloş´: Rund 12 Prozent der Ackerfläche liegen brach, womit viele Bauern schon die Ökologisierungs-Voraussetzungen erfüllen. Und mit dem Nachweis, ein aktiver Landwirt zu sein, der ab 5000 Euro Direktzahlungen vorliegen muss, haben die Rumänen auch kaum etwas zu tun.

Mit seiner Flatrate für alle EU-Mitgliedstaaten konnte sich Cioloş nicht durchsetzen, mit den aktuellen Vorschlägen wird er womöglich doch sein Ziel erreichen.

Cornelius Mohr