Mit Innovationen der Krise trotzen

Ligna 2009 mit deutlich weniger Besuchern und Ausstellern

Die Wirtschaftskrise macht auch vor der Ligna als Weltleitmesse für Forst- und Holzwirtschaft nicht halt: Ein Rückgang von 24 000 Besuchern (22 Prozent), 120 weniger Aussteller – aber ein positiver Verlauf, konzentrierte Geschäfte und hohe Internationalität, so das Resümee zum Abschluss der Messe, die auf dem Expogelände in Hannover stattfand.

Auch die Aussteller auf dem Forst-Freigelände, das sich während der vergangenen Messen zu einem Anziehungspunkt für Forstleute und Waldbesitzer aus ganz Deutschland gemausert hat, bekamen den Besucherrückgang zu spüren. Für die, die dennoch kamen, blieb dafür mehr Zeit für intensive Gespräche und die Unternehmen hatten etliche spannende Neuheiten mit nach Hannover gebracht. Wir stellen Ihnen einige vor.

Bislang erfolgt die Ernte von schnell wachsenden Baumarten (Weide, Pappel, Robinie) in Kurzumtriebsplantagen meist mit Häckslern, die den stehenden Baum in einem Arbeitsgang fällen, hacken und verladen. Auch wenn dies im Winterhalbjahr geschieht – die Bäume haben dann keine Blätter und führen wenig Saft – liegt der Wassergehalt der Hackschnitzel bei 40 Prozent. Das Problem: Die Hackschnitzel sind nicht lagerfähig, erwärmen sich stark und schimmeln. Das Unternehmen JordanTec hat auf der Ligna ein zweistufiges Verfahren vorgestellt, um lagerfähige Holzschnitzel zu ernten, die nicht mehr nachgetrocknet werden müssen. Firmengründer Ernst Jordan beschrieb das System wie folgt: „Zunächst werden die Bäume mit dem neu entwickelten Schwadleger gefällt und abgelegt. Nach mehrmonatiger Trocknung kann das Schwad dann mit einem Reihenhacker aufgenommen und gehackt werden.“ Die so erzeugten Hackschnitzel hätten je nach Lagerungsdauer und Witterungsverlauf einen Wassergehalt von weniger als 20 Prozent und seien ohne weiteres lagerfähig. Die Maschine ist für Reihenabstände von drei Metern konstruiert, neben dem abgelegten Schwad können die Bäume ohne Störung neu austreiben. Der Schwadleger hat ein Gesamtgewicht von rund 1,7 Tonnen, er kann Holzdurchmesser bis 18 Zentimeter verarbeiten. Je nach Holzvorlage wird eine Schlepperleistung von 120 bis 160 PS benötigt.

Umweltschonender Forwarder

Die Holzernte in sensiblen, bislang kaum genutzten Beständen wie Steilhängen und Feuchtgebieten nimmt bei der Mobilisierung von Holzreserven einen wichtigen Stellenwert ein. Etliche Lösungen wurden dazu im vergangenen Jahr bereits auf der KWF-Tagung gezeigt. Ein Rollen-Softlaufwerk für den Raupenharvester Kern 23 S wurde jetzt auf der Ligna vorgestellt. Das neue Laufwerk ist besonders geeignet für Nassgebiete und Steilhänge. Durch die hohe Traktion ist es laut Firmensprecher Franz Eibl sehr geländegängig. Es könne aber auch befestigte Straßen überqueren. Durch gleichmäßig minimalen Bodendruck arbeite der Raupenharvester daher sehr bodenschonend. Der von El-Forest seit längerer Zeit entwickelte, mit Hybridtechnik angetriebene Forwarder F 14 wurde in Hannover mit seinen technischen Details vorgestellt. Das Fahrzeug selbst wird erst Anfang Juni bei der Elmia Wood in Jönköping zu sehen sein. Messevertreterin Mirjana Matkovic schilderte die Arbeitsweise wie folgt: „Der F14 hat einen relativ kleinen Dieselmotor. Dieser treibt einen Generator an. Der erzeugte Strom versorgt die sechs Radmotoren des Forwarders, gepuffert durch Batterien.“ Der Dieselmotor arbeite in einem mittleren Drehzahlbereich, zusätzlich werde bei Bergabfahrten die überschüssige Energie in der Batterie gespeichert. Der Kraftstoff-Verbrauch könne damit je nach Arbeitsbedingungen um 20 bis 50 Prozent reduziert werden. Das habe reduzierte Kohlendioxid-Emissionen zur Folge. Da alle Räder in einer Spur fahren und durch das vergleichsweise geringe Gewicht entstünden weniger Schäden am Boden und den benachbarten Bäumen.

Das „Eiserne Pferd“, wie es bereits vor Jahren im Wald eingesetzt wurde, kommt – technisch durchaus weiterentwickelt – zu neuen Ehren. Das „Forest Horse" ist eine Entwicklung der tschechischen Firma AGRIIMPORT. Es handelt sich um ein Kettenfahrzeug, das in hängigem und feuchtem Gelände eingesetzt werden kann und Stammholz zu den Rückegassen transportiert. Das eiserne Rückepferd wird über eine Deichsel – ähnlich einem Polterwagen – bedient. Eine Steuerung über Funk ist ebenfalls möglich. Durch die geringen Maße (2,6 Meter Länge und 1,2 Meter Breite) ist das Gerät sehr beweglich. Die Fahrgeschwindigkeit liegt bei fünf bis sieben Kilometer pro Stunde. Das Raupenfahrwerk hat drei Achsen, mit der vorderen Achse als Antriebsachse. Je nach Gelände können Stämme von 800 bis 1 000 Kilogramm bewegt werden. Der Vertrieb der auf der Ligna vorgestellten Maschine erfolgt in Deutschland über Meier Land- und Forstmaschinen in Etzenricht.

Für Landwirte wird die Gewinnung von Hackschnitzeln aus Landschaftspflegeholz, wie es beispielsweise beim Heckenschnitt oder der Knickpflege anfällt, interessanter. Mit dem Häcksler CH 180-2 spricht der finnische Hersteller Farmi deshalb speziell Landwirte an. Viele Häcksler hätten bislang nicht die für Hackschnitzelheizungen benötigte Qualität geliefert. Ein Nachbrecher sorge nun dafür, dass keine längeren Holzstückchen mehr auftreten und die geforderte Qualität G30 bis G50 (entspricht Vornorm CEN/TS 14961 P16 beziehungsweise P45) geliefert werden könne. Ausgerüstet ist der Häcksler mit zwei verstellbaren Scheibenhackern, Spanabnahmen von 10, 12 oder 14 Millimetern können eingestellt werden. Einen weiteren Vorteil des Modells CH 180-2 besteht laut Farmi darin, dass auch Schlepper mit geringen Leistungen – schon ab 50 PS – eingesetzt werden können.

Ein alter Bekannter tauchte auf der Ligna wieder auf: Einst wurden die als „Baumfahrrad“ verspotteten selbstkletternden Entastungsgeräte belächelt, weil sie sich – bevorzugt bei Vorführungen – immer wieder in großer Höhe festfraßen. Jetzt hat die Jordan Tec GbR die Hochentastungssäge technisch optimiert und Fehler ausgemerzt. Mit der patentierten HASE 35, die hydraulisch über ein Eisernes Pferd angetrieben werden kann und bis zu 35 Zentimeter dicke Bäume entastet, können laut Herstellerangaben bei einer Astungshöhe von zwölf Metern bis zu 30 Bäume pro Stunde entastet werden. Drei Sägeblätter, die mit bis zu 4 000 Umdrehungen pro Minute rotieren, sägen bis zu acht Zentimeter dicke Äste. Drei kleine über Walzen betriebene Raupenketten sorgen für einen rindenschonenden Druck.

Auch bei den mobilen Sägewerken, seit Jahren treue Dauergäste auf den Forstmessen, gab es Neuheiten. Eine Produktivitätserhöhung um bis zu 30 Prozent kündigt die italienische Firma Pezzolato an. Durch beidseitig gezahnte Sägebänder könne im Vor- und im Rücklauf geschnitten werden, sodass die Säge nicht leer zurückfahren müsse. Das Modell Mini Profi 1 000 soll Kunden im Semiprofibereich ansprechen. Die Produktivität wird mit zwei bis drei Kubikmeter pro Stunde angegeben. Zur Standardausrüstung zählen vier hydraulische Stammklammern, zwei Stammnivellierer und ein Stammwender. Weitere technische Daten des Sägekopfes: Der Bandrollendurchmesser und maximaler Holzdurchmesser betragen jeweils 1 000 mm, die Sägebandbreite 135 mm. Der Hauptantrieb erfolgt durch einen 22 kW Elektromotor, optional ist auch die Ausstattung mit einem Dieselmotor möglich.

Welchen Holzspalter kaufen?

Wer einen neuen Holzspalter benötigt, kann heute aus einer Vielzahl von Geräten wählen. Doch die Qual der Wahl ist nicht einfach: Vertikal- oder Horizontalspalter, wie viel Tonnen Spaltdruck, Markenprodukt oder semiprofessionelles Gerät? Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. (KWF), das verschiedene Produktgruppen aus dem Forstbereich testet, präsentierte auf der Ligna die Gruppenprüfung für Schneidspalter.

Es handelt sich um Geräte für den Semiprofi- und Profibereich. Die Einstiegspreise liegen zwischen 10 000 und 32 500 Euro. Nach einem eingehenden Sicherheitscheck mit nachfolgender Materialprüfung wurden diesmal die Schneidspalter einem Praxistest unterzogen. Geprüft wurden fünf Geräte der Hersteller BGU, Kisa Vedproofs, Palax, Posch und Taijfun. Sie wurden alle mit dem Prüfzeichen „KWF-Test“ ausgezeichnet. Die nächste Ligna findet vom 30. Mai bis 3. Juni 2011 in Hannover statt. Dr. Ute Zöllner und Christian Mühlhausen, Göttingen