Die Pfalz stärker als Marke etablieren

Pfälzische Weinbautage mit viel Informationen

Zwei Tage lang boten die 71. Pfälzischen Weinbautage Vorträge zu neuesten Forschungsergebnissen, zeigten Strategien und gaben somit Denkanstöße für die Praxis. Die Themen des DLR Rheinpfalz mit Weincampus Neustadt, der Landwirtschaftskammer und des Weinbauverbands Pfalz reichten dabei von Herausforderungen durch alte und neue Schädlinge, Spätfrost, Auswirkungen des Klimawandels auf Trauben und Weinerzeugung, Kältetechnik im Keller und betrieblichen Wachstumsperspektiven bis hin zur Digitalisierung im Weinbau.

Der Weinbaupräsident der Pfalz, Reinhold Hörner (l.), überreichte gemeinsam mit Albert Kallfelz (2.v.r.), dem Vorsitzenden der Pfälzer Winzergenossenschaften, den Innovationspreis 2018. Weinbauminister Dr. Volker Wissing (r.) gratulierte Juliane Wöhler.
Foto: Andrea Kerth

Bei der Jahreshauptversammlung des Weinbauverbandes Pfalz standen die Innovationsfähigkeit der Betriebe, Perspektiven der Weinbaupolitik und die geschützte Herkunftsbezeichnung als Zukunftschance für die Pfalz im Fokus. Weinbaupräsident Reinhold Hörner blickte auf das ereignisreiche Jahr 2017, das die Winzer nicht nur durch Frostschäden, Trockenheit und Gewitter mit Starkregen herausgefordert hatte. Für den Verein zur Hagelabwehr konnte Hörner Erfolg vermelden, warb aber gleichzeitig um neue Mitglieder. „Je mehr Mitglieder den Verein tragen, je besser die finanzielle Ausstattung, desto professioneller können wir den Hagel abwehren.“

Angesichts der Wetterkapriolen, schwierigen Marktbedingungen und einer aufgeheizten öffentlichen Pflanzenschutzdebatte forderte Präsident Hörner in verschiedenen Punkten die Unterstützung von Weinbauminister Dr. Volker Wissing: So für die weitere Förderung der Pheromonmethode, eine gute personelle Ausstattung der DLR, bei der Gründung der Schutzgemeinschaft der Pfalz oder auch dabei, das Förderprogramm für Investitionen weiter zu öffnen.

Marktanteile in deutschen Regalen zurückgewinnen

Mit Blick auf den Markt erklärte Reinhold Hörner: „Oberstes Ziel muss es sein, Marktanteile in den deutschen Regalen zurückzuerobern, ein Schwerpunkt ist dabei die Profilierung der Pfalz und ihrer Weine. Wir müssen für unser hochwertiges Produkt mehr werben und wollen die Pfalz noch stärker als Marke etablieren.“ Deshalb schlug Hörner den Winzern vor, in einem ersten Schritt, die seit fast 30 Jahren bei 77 Euro liegenden Beiträge zur Gebietsweinwerbung auf 100 Euro anzuheben. Bezüglich der Schutzgemeinschaft betonte Hörner, dass der Weinbauverband Pfalz mit dem Verband der Weingüter und Kellereien und dem Genossenschaftsverband gesprochen und sich weitgehend über die Struktur einer Satzung verständigt habe. „Unser aller Bestreben sollte es sein, so schnell wie möglich die Schutzgemeinschaft der Erzeuger der Pfalz zu gründen und ihre Anerkennung zu beantragen“, unterstrich Hörner.

Die Gäste der Podiumsdiskussion (v.l.): Dr. Rudolf Nickenig, Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes; Nickolas von Haugwitz, Vorstand Brand Unit Digital der Hawesko; Moderator und Vizepräsident des Weinbauverbandes Pfalz, Boris Kranz; Reinhold Hörner und Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts.
Foto: Andrea Kerth

Pointiert zeigte Weinbauminister Dr. Volker Wissing die Perspektiven der Weinbaupolitik auf, zum Beispiel wird mit Blick auf Frost und weitere Gefahren ein konkreter Maßnahmenkatalog für den Weinbau diskutiert. Dr. Wissing betonte, wie wichtig das Risikomanagement im Weinbau sei und positionierte sich klar: „Wir sind in Rheinland-Pfalz auch in Zukunft auf modernen Pflanzenschutz angewiesen. Ich setze große Hoffnungen auf Techniklösungen für den präzisen Einsatz moderner Mittel.“ Gleichzeitig forderte Wissing eine offene, rationale Debatte des Herbizid­themas von der Öffentlichkeit. Einem EU-Audit zufolge ist Deutschland bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wettbewerbsmäßig benachteiligt. „Deshalb hat Rheinland-Pfalz auf der Agrarministerkonferenz den Bund aufgefordert, die Harmonisierung der Pflanzenschutzmittelzulassung auf EU-Ebene voranzutreiben und das Personal in den zuständigen Behörden aufzustocken, um die Bearbeitung von Anträgen zu beschleunigen“, so der Minister.

Geschütze Herkunft als Qualitätsversprechen

Generalsekretär Dr. Rudolf Nickenig stellte das Konzept des Deutschen Weinbauverbands für die Reform des deutschen Weinbezeichnungsrechts vor. Kernaussagen der vom DWV vorgeschlagenen Systematik sind: Herkunft ist mehr als die Herkunft der Trauben, sie ist ein Qualitätsversprechen. Und je kleiner die angegebene Herkunftskategorie ist, desto größer muss die zugesagte Qualität sein. Dabei biete eine EU-Weinrechtsänderung die Möglichkeit, zu mehr Eigenverantwortung für die Regelungen der Weine mit geschützter Herkunftsbezeichung. Nach Ansicht des DWV sollten einige drängende Verfahrensfragen bezüglich der Schutzgemeinschaften bereits 2018 geregelt werden.

Innovationspreis geht an Juliane Wöhler

Beim Großen Pfälzer Weinbautag überreichte Weinbaupräsident Reinhold Hörner gemeinsam mit Albert Kallfelz, dem Vorsitzenden der Pfälzer Winzergenossenschaften den Innovationspreis an Juliane Wöhler. Die Absolventin des Dualen Studiengangs Weinbau und Oenologie Rheinland-Pfalz untersuchte in ihrer Bachelorarbeit am Weincampus Neustadt die Gefriertrocknung als Methode zur Bereitstellung selektionierter weingutseigener Hefen.

ak – LW 4/2018