Es ist noch Sand im digitalen Getriebe

Projekt „Smarte Daten, smarte Dienste“ vorgestellt

Digitalisierung und Landwirtschaft geht schon lange zusammen, doch der Datenaustausch, er klemmt noch. Ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt soll eine praxisgerechte Lösung zur Nutzung und Auswertung von Maschinen- und Softwaredaten erarbeiten. In Kaiserslautern am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gab es Mitte Dezember Einblicke in das Projekt „Smarte Daten, smarte Dienste“ (SDSD).

Hightech-Landmaschinen, smarte Fütterungssysteme, Micro-Chips in der Tierhaltung – die Digitalisierung gehört in der Landwirtschaft in weiten Teilen zum Arbeitsalltag. Ob nun der Landwirt mit Sensoren den perfekten Zeitpunkt für die Ernte bestimmt, Apps die Bodentemperatur messen lässt oder den Traktor GPS gesteuert durchs Feld dirigiert. Ob Sensoren Wetterdaten aus dem All empfangen oder ein Computer gesteuerter Pflanzenschutz verschlankt und punktgenau erfolgt oder die Kuh im Stall via Chip im Ohr meldet, wie denn die Befindlichkeit des Tieres ist. Oder ob der Landwirt mittels gesammelter digitaler Daten das Ausfüllen von Anträgen und Nachweisen zu managen sucht.

Viele Systeme, die nicht kompatibel sind

Die Systeme sind im Einsatz, nicht überall und vor allem nicht ohne Probleme. Meist sind sie als Insellösung konzipiert und nur schlecht mit anderen Systemen kompatibel. Software A passt nicht auf Software B, das Innenleben des roten Schleppers kann nicht mit dem Innenleben des grünen Schleppers kommunizieren. Heißt meist in der Praxis: Der Landwirt hat zwar reichlich Daten von seinem Acker irgendwo in seinen Systemen gespeichert, ein Austausch mit dem Lohnunternehmer, mit dessen Maschinenpark, funktioniert selten reibungslos, wenn überhaupt. Denn die Systeme sprechen eine andere Sprache. An eine effiziente und optimierende Auswertung ist dann eher nicht zu denken.

„Bei der praktischen Arbeit ist noch reichlich Sand im Getriebe“, bringt Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück, die Problematik auf den Punkt. Für ihn stellt sich zu allererst die Frage „Wo genau braucht der Landwirt bessere Daten und bessere Dienste?“ Bei all der Digitalisierung sei es wichtig den „Faktor Mensch“ mitzunehmen und auf eine einheitliche Sprache zugreifen zu können.

Daten müssen im Besitz des Landwirts bleiben

Nun geht es nicht um unterschiedliche Dialekte, wie es etwa Johannes Sonnen von DKE-Data, ausdrückte. Es geht schlicht darum, die Daten untereinander kommunizieren zu lassen. Nur dann kann funktionieren, was Zukunft sein soll. Genau deshalb steht hinter dem Forschungsprojekt SDSD das Ziel eines Farm-Management-Systems, das den bürokratischen Aufwand im Büro reduziert, effizient die Produktion verbessert und zwar bei gleichzeitiger Ressourcenschonung und einer Datenhoheit, die beim Landwirt liegt.

„Der Landwirt muss die volle Kontrolle darüber haben, wo und wann Daten anfallen, was gespeichert wird und wer hat wann und wie lange Zugriff“, gibt es für Ansgar Bernardi vom DFKI in diesem Punkt keine Kompromisse. Kein Landwirt solle in Zukunft abhängig von einem bestimmten Anbieter werden. „Der Landwirt soll seine Daten selbst bestimmt verwalten können und die Wahlfreiheit in Technik und Maschinen haben“, fasst Jan Horstmann von der Firma Krone und der Leiter des Forschungsprojektes, zusammen wo der Schwerpunkt der aktuellen Zusammenarbeit liegt.

Noch wird geforscht, noch läuft es nicht rund auf der Datendrehscheibe, den Speichersystemen, beim Auswerten der angelieferten Informationen, bei der Einbindung betrieblicher Stammdaten. Noch kann der Landwirt nicht sorglos eine App aktvieren um beispielsweise dem Lohnunternehmer bestimmte Daten frei zu geben, die dann locker über den Router beim Trecker für ein exaktes Arbeiten auf dem Feld, sei es Säen, Düngen, Spritzen sorgen. Noch kommen keine ausgewerteten Daten nach getaner Arbeit zurück auf den Speicher des Landwirts. SDSD ist aber laut der Experten auf einem guten Weg.

Egal ob es um die Ansprache irgendwelcher Arten oder Sorten geht, um Betriebsdaten, Geo- und Wetterdaten, Maschinendaten und dann irgendwann auch noch um die Schnittstelle zum Lebensmitteleinzelhandel - die soll laut den an SDSD beteiligten Experten auch noch mit rauf auf die Austauschplattform aller in der Landwirtschaft anfallenden Daten. All diese Informationen müssen zusammengeführt werden können. Dann sind sie nutzbar und dann kann das gespeicherte Wissen interpretiert werden und der Landwirt handeln. Sagt jedenfalls Prof. Arno Ruckelshausen. Ah und einfach soll die Handhabung zudem sein. Einen digitalen Stress, den braucht nämlich niemand. Auch darüber gab es Einigkeit bei der Vorstellung von SDSD.

Die Hochschule Osnabrück sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sind Forschungspartner im Forschungsprojekt der Landtechnik- und Equipment-Hersteller AGCO, Grimme, Deutz- Fahr, Krone, Müller-Elektronik, CCI (Competence Center ISOBUS) und DKE-Data (Datenmanagement). Aktuell beteiligen sich zudem zehn weitere Unterstützer aus den Bereichen Landtechnik, Verbände und Software an dem Forschungsprojekt, das unter der Konsortialführung von Krone durchgeführt wird.

Projekt wird gefördert und läuft bis 2020

Für das Projekt das unter dem Titel „Smarte Daten, smarte Dienste SDSD“ 2017 gestartet ist und bis 2020 läuft, wird ein finanzielles Gesamtvolumen von circa vier Millionen Euro veranschlagt. Die Förderung in Höhe von rund zwei Millionen Euro erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE.

Doris Theato – LW 2/2019