Mit dem „Schadinspektor“ auf Mäusejagd

WebGIS-Anwendung zur Analyse von Drohnenbildern

Die praktische Umsetzung einer teilflächenspezifischen Applikation von Pflanzenschutzmitteln scheitert derzeit trotz des Vorhandenseins geeigneter Verfahren vor allem an der Verfügbarkeit von Applikationskarten. Einen Ansatz, diese Lücke zu schließen, verfolgt das von der Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP) geleitete Forschungsprojekt „Schadinspektor“.

Für die automatische Bilderkennung sind Feldmausnester aus der Luft gut erkennbar.
Foto: agrar-press

Drohnenbilder sollen hierbei für die automatische Kartierung von Ackerbauschädlingen genutzt werden, um als Basis für Applikationskarten zu dienen. Im Rahmen des dreijährigen Projektes wird an einer auf Drohnenbildern basierende Erkennung von Schaderregern in Getreidekulturen gearbeitet, die dann als WebGIS-Anwendung umgesetzt wird. Das heißt, dass die Anwendung über eine Kartenansicht im Webbrowser zur Verfügung gestellt werden soll.

Die zunächst untersuchten Schadbilder für die automatische Bilderkennung sind Feldmaus- (Microtus arvalis) und Gelbrostnester (Puccinia striiformis), da diese gut aus der Luft erkennbar sind und entsprechende Schadbildkarten praxisrelevant sind: Einerseits kann die manuelle Rodentizid-Ausbringung mit einer Übersichtskarte der Feldmausschäden gerade auf größeren Schlägen deutlich beschleunigt werden. Andererseits ließen sich basierend auf Karten des Gelbrostbefalls direkt auf den Schlepper übertragbare Applikationskarten für die teilflächenspezifische Applikation von Fungiziden generieren. Zukünftig ist auch das Monitoring ganzer Regionen zur Erkennung des Frühbefalls denkbar.

Drohnen sind näher dran als Satelliten

Auf der Basis von Satellitendaten können großräumige Unterschiede der Nährstoffversorgung gut erkannt und für Düngekarten verwendet werden. Im Gegensatz dazu treten Schaderreger im Ackerbau oft so kleinräumig auf, dass sie nicht mehr mit Satellitendaten aufgelöst werden können. Entsprechend können Applikationskarten zur teilflächenspezifischen Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln nicht mittels Satellitendaten generiert werden.

Drohnen hingegen nehmen landwirtschaftliche Flächen mit einer Auflösung im Zentimeterbereich zu mittlerweile vergleichsweise geringen Kosten auf. Im Projekt „Schadinspektor“ wird daher ein Datensatz von Drohnenbildern erstellt sowie Bonituren von Gelbrost- und Feldmausschäden am Boden durchgeführt. Dieser Datensatz aus Drohnenbildern und Bonituren bildet die Grundlage für die Entwicklung einer automatischen Bilderkennung für beide Schaderreger.

Datengrundlage und Bilderkennung

Für das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt werden in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz durch Mitarbeiter der ZEPP und des LLG Sachsen-Anhalt zunächst geeignete Schläge mit Feldmaus- oder Gelbrostbefall ausfindig gemacht. Nach Rücksprache mit den jeweiligen Landwirten werden die Praxisschläge durch die Projektpartner AGRO-SAT Consulting und Luftfotos24 mit Drohnen beflogen. Die zwei Projektpartner nutzen unterschiedliche Drohnentypen (Multikopter und Starrflügler) sowie unterschiedliche Kameras, die jedoch beide ein Rot-Grün-Blau-Bild mit zusätzlichem Infrarot-Kanal liefern. Letzterer ist für landwirtschaftliche Anwendungen besonders wichtig, da Pflanzenstress im Infrarot-Bereich besser erkennbar ist, als im fürs menschliche Auge sichtbaren Farbbereich (Rot-Grün-Blau).

Parallel zu den Befliegungen werden die Schadbilder auf den Untersuchungsflächen bonitiert. Dazu wurde ein Boniturschema entwickelt und in einer App umgesetzt, sodass die Bonituren direkt mit dem Tablet aufgenommen und später zusammen mit den entsprechenden Geokoordinaten auf den Arbeitsserver übertragen werden können.

Die automatische Bildauswertung für Feldmaus- und Gelbrostbefall basiert auf der Wiedererkennung spezifischer Eigenschaften der befallenen Stellen auf den Fotos. Zur Bestimmung der spezifischen Eigenschaften werden die Drohnenbilder zunächst in mehreren Schritten vorverarbeitet, sodass sie immer innerhalb des gleichen Helligkeits- und Kontrastbereiches liegen und eine einheitliche räumliche Auflösung aufweisen. Aus dem vorverarbeiteten Rot- und Infrarotbild wird darüber hinaus der NDVI (Vegetationsindex – Normalized Difference Vegetation Index) berechnet. Um spezifische Eigenschaften der zwei Schadbilder für die spätere Erkennung festlegen zu können, werden nun in einem letzten Schritt verschiedene Charakteristika wie Form, Farbe und Vegetationsindex der bonitierten Schadbilder anhand der Drohnenbilder bestimmt.

Um diese Charakteristika in den Feldmausschadbildern statistisch aussagekräftig erfassen zu können, wurde ein sehr großer Datensatz von über 500 bonitierten und überflogenen Schadbildern erzeugt. Die an einem Teil des Datensatzes ermittelte Trefferquote der Bilderkennung liegt derzeit bei 83 Prozent erkannter Feldmausschäden. Weiter gefasste Schadbildcharakteristika zur Bewertung einer kahlen Stelle im Getreide führen zwar zu mehr erkannten Feldmausschäden, bergen aber gleichzeitig das Risiko, dass beispielsweise auch Saatfehler als Feldmausschaden klassifiziert werden könnten. Für die Erhöhung der Trefferquote werden einerseits die Charakteristika weiter optimiert und andererseits weitere Drohnenbilder aufgenommen. Für die Erkennung von Gelbrostnestern werden tendenziell mehr Bilder benötigt, da sich die spektrale und räumliche Trennung von Nestern und gesundem Bestand deutlich schwieriger gestaltet.

Automatische Erkennung von Feldmaus- und Gelbrostschäden

Stehen diese Charakteristika einmal fest, läuft die automatische Erkennung von Feldmaus- und Gelbrostschäden künftig folgendermaßen ab: Die auszuwertenden Drohnenbilder werden zunächst ebenfalls wie oben beschrieben vorverarbeitet. Anschließend werden sich farblich ähnelnde Pixel, die beispielsweise unbedeckten Boden darstellen, in Gruppen zusammengefasst und diese entstehenden Pixelgruppen (engl. Cluster) hinsichtlich ihrer Form und Farbe sowie des mittleren Vegetationsindexes analysiert. Abhängig von den für die beiden Schadbilder spezifizierten Charakteristika werden diese Pixelgruppen nun als mit Feldmaus oder Gelbrost befallen oder nicht befallen klassifiziert.

Drohnen nehmen Flächen – im Gegensatz zu Satelliten – mit einer Auflösung im Zentimeterbereich auf.
Foto: agrar-press

Nach dem beschriebenen Vorgehen wurde zunächst für Feldmausschäden eine automatische Bilderkennung entwickelt und als WebGIS-Anwendung umgesetzt. Um die Bilderkennung nutzen zu können, müssen Drohnenbilder zwei Grundvoraussetzungen erfüllen: Die verwendete Kamera muss mindestens über die Farbkanäle Grün, Rot und Nah-Infrarot verfügen, und die Bilder müssen eine Mindestsauflösung von 10 cm pro Pixel aufweisen. Viele gängige, für die Landwirtschaft konzipierte Kameramodelle erfüllen diese Anforderungen bei der maximal erlaubten Flughöhe von 100 m über der Oberfläche. Ob es sich bei der verwendeten Drohne um einen Multikopter oder einen Starrflügler handelt, spielt keine Rolle.

Um das Drohnenbild eines Schlages auf Feldmausschäden hin untersuchen zu lassen, soll es nach Abschluss des Projektes über eine WebGIS-Oberfläche auf den ISIP-Server via Upload übertragen werden können. Nachdem in der WebGIS-Oberfläche festgelegt wurde auf welchen Kanälen der verwendeten Kamera die Grün-, Rot- und Nah-Infrarot-Bilder abgelegt sind, kann das Lokalisieren der Feld­mausschäden gestartet werden. Die nach der Analyse ausgegebene, georeferenzierte Befallskarte kann im Browser betrachtet werden und anschließend als Kartenansicht oder als Shapefile (.shp) vom Nutzer heruntergeladen werden.

Die automatische Erkennung der Gelbrostschäden in Drohnenbildern befindet sich derzeit in der Umsetzung, allerdings liegen für eine hinreichend genaue Klassifizierung noch nicht genügend Gelbrostdrohnenbilder vor. Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten der Feldmaus- und Gelbrosterkennung soll das Werkzeug auf der Internetseite des ISIP e.V. verfügbar sein.

Erweiterung auf zusätzliche Schadbilder möglich

Der Bilderkennungsservice für Feldmausschäden ist bereits in ein mit wenigen Mausklicks intuitiv bedienbares WebGIS integriert und befindet sich aktuell in der Testphase. Für die derzeit in der Entwicklung befindliche Lokalisierung von Gelbrostnestern in Drohnenbildern werden noch weitere Bilder benötigt. Sobald die Gelbrosterkennung hinreichend präzise funktioniert, kann auch sie in das WebGIS integriert werden.

Darüber hinaus ist die Erweiterung des Werkzeuges auf weitere, aus der Luft gut erkennbare Schadbilder möglich. Mittelfristig ist die automatische Identifizierung und Lokalisierung von Schaderregern anhand ihres Schadbildes in Drohnenbildern ein weiterer Schritt hin zu einem integrierten Pflanzenschutz, in dem die teilflächenspezifische Anwendung von Pflanzenschutzmitteln einen Baustein darstellt.

Dr. Bernd Meese, Niklas Jacob, Dr. Benno Kleinhenz, Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP), Bad Kreuznach – LW 17/2019