Den Wald nutzen, um ihn zu erhalten
Jahrestreffen der Markmeister und Waldbesitzer in Oberhessen
Denken in Generationen und nicht von heute auf morgen; das kennzeichnet das Tun der Waldbauern und Waldmärkerschaften aus. So werden im Markwald Trais-Münzenberg in diesem Herbst über 200 Roteichen angepflanzt. Solche Investitionen in die Zukunft des Waldes – bis zur Hiebreife dauert es weit über 100 Jahre – brauchen aber zunächst den Erlös aus dem Holzverkauf.
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Michael Freiherr von der Tann, Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes und Geschäftsführer Christian Raupach sprachen beim Rundgang durch die Mark außerdem über aktuelle forstpolitische Entwicklungen in Hessen und über die Holzvermarktung.
Bei der vom Fortsamtsleiter Wettenberg, Harald Voll, und Revierförster Rainer Alberding geführten Besichtigung beschrieb Alberding anhand von sechs forstlichen Schaubildern waldbauliche Besonderheiten des 47 ha großen und 28 Anteile umfassenden Markwaldes Trais-Münzenberg. Der Holzvorrat der Märkerschaft Trais-Münzenberg liegt bei 250 Vfm (Vorratsfestmeter) je ha, der Zuwachs bei 8,2 Vfm/ha/Jahr.
Der besichtigte Standort ist wegen der Baumartenverteilung und des vergleichsweise hohen Nadelholzanteils forstlich interessant. Obwohl die Lage am Rand der Eichenmischwaldzone kaum Nadelhölzer erwarten ließe, sei der Douglasienanteil im Markwald Trais-Münzenerg mit 19 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Wälder in Hessen, konstatierte Alberding. Augenmerk soll auf die gezielte Nutzung der Buche gelegt werden. Ein geeigneter Erntezeitpunkt – nicht zu früh, um beispielsweise ebenso Stämme für Submissionen zu haben, aber auch nicht zu spät, um eine Deklassierung (Herabstufung) der Stämme aufgrund Rotkernigkeit zu verhindern – bestimme insbesondere beim Laubholz über die Wirtschaftlichkeit der Nutzung dieses Waldes. Die Preise für die Buche bewegten sich derzeit zwischen 70 Euro und 120 Euro je Festmeter.
Douglasie als Brotbaum anbauen
Bei dem vergleichsweise niedrigen Jahresniederschlag von circa 500 bis 600 mm sowie einer Höhenlage des Markwaldes zwischen 160 und 200 m über Normalnull auf den mächtigen Lössböden, empfahl der Förster, den Anbau von Douglasien in diesem Wuchsgebiet zwischen der Wetterau und dem Gießener Becken weiter voranzubringen. Die aus Nordamerika stammende Douglasie sei frohwüchsig, vergleichsweise windwurffest und vor allen Dingen widerstehe sie Borkenkäfer und Kupferstecher. Bei der Buchennaturverjüngung wird in der Mark Trais-Münzenberg darauf geachtet, dass dabei nicht die Hainbuche zum Zuge kommt. Ebenso will man eine Verhagerung der Waldfläche, beispielsweise durch Efeu oder Holunder, unbedingt verhindern. Der Revierförster zeigte ferner, wie in den vergangenen Jahren die eng gehaltenen Buchenaltbestände aufgelichtet und deren natürliche Verjüngung eingeleitet wurde. Dabei wurde auch deutlich, dass die freistehenden Buchen mit Wassermangel zu kämpfen haben, was sich durch lichtere Kronen zeigte.
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Rahmenbedingungen diskutiert
Mit großem Interesse beteiligten sich die Vorstände der Markgenossenschaften außerdem an der Diskussion über die derzeitigen Rahmenbedingungen für den Waldbau in Hessen. Bei allen naturschutzrechtlichen und forstpolitischen Entscheidungen dürfe die Einkommensfunktion des Waldes nicht außer Acht gelassen werden, stellten Michael Freiherr von der Tann und Christian Raupach vom Hessischen Waldbesitzerverband heraus. Nur ein nach ökonomischen Zielen ausgerichteter, nachhaltiger Waldbau sei auch den vielen gesellschaftlichen Anforderungen weiterhin gewachsen.
Frhr. von der Tann zollte der Wiesbadener Landesregierung zwar Lob und Anerkennung für die bisher in vielen Anliegen des Berufsstandes erfolgreiche Zusammenarbeit. Beispielsweise sei mit der Regelung des Vorranges des Vertragsnaturschutzes im Naturschutzgesetz eine gangbare Lösung, sowohl für das Land Hessen, als auch für den Berufsstand gefunden worden. Von der Tann sagte aber auch, dass die Waldbesitzer mit den jüngsten Entscheidungen der Landespolitik zur Novellierung des Jagdgesetzes (siehe LW-Hessenbauer 35/2011, Seite 42) nicht konform gehen könnten. Die Jagd sei darin teils zu eingeschränkt. „Auch wir wollen das Wild in unserem Wald, aber wir hätten den Abschuss von Böcken bis Dezember für richtig gehalten, um Wildschäden im Wald zu verringern.“
Markwald ist modern
Der Markwald, in Nordhessen auch Interessentenwald genannt, blickt in Hessen auf eine lange Geschichte zurück und ist doch in seiner Organisation aktueller denn je. Markbücher reichen bis in die Fürstenzeit zurück und Markgenossenschaften sind häufig im Dorf verankert und auch oftmals Anliegen der Bewohner, wie Waldlehrpfaden und Vereinseinrichtungen, verpflichtet. Markwaldanteile sind wie die „Aktien des kleinen Mannes“ auf dem Lande. Ihr Stellenwert ist aber nicht zu unterschätzen. Gut geführte Markgenossenschaften erwirtschaften häufig Überschüsse, so dass sie für die Märker auch ökonomisch mehr als einen ideellen Wert darstellen. Moe
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