Mit Zusatzstoffen Gülle besser machen

Additive können die Effizienz von Wirtschaftsdüngern steigern

Gülleadditive sind Stoffe, die der Gülle vor der Lagerung oder Ausbringung beigemischt werden, um deren Eigenschaften gezielt zu verbessern. Sie dienen dazu Emissionen und Geruchsbildung zu reduzieren, die Nährstoffeffizienz zu erhöhen und die Handhabung der Gülle zu erleichtern.

Gülleapplikation mit Scheibenegge zu Mais. Zusatzstoffe senken Emissionen und Geruchsbildung; zusätzlich verbessern sie die Nährstoffeffizienz und Handhabung der Gülle.

Foto: SKW Piesteritz

Die Herausforderungen an eine nachhaltige, leistungsfähige und zugleich resiliente Landwirtschaft nehmen weltweit spürbar zu. Insbesondere die aktuelle geopolitische Lage verdeutlicht eindrücklich, wie verwundbar globale Lieferketten, Energieversorgung und Ernährungssicherheit sind. Steigende Energiepreise, gestörte Handelswege sowie eingeschränkte Verfügbarkeiten von Düngemitteln führen aktuell zu erheblichen Preissteigerungen und Unsicherheiten am internationalen Düngemittelmarkt.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Stärkung einer unabhängigen, regional verankerten Düngemittelproduktion zunehmend an Bedeutung. Gleichzeit steht die Weiterentwicklung effizienter, ressourcenschonender Düngestrategien und der gezielte Einsatz von Additiven zur Optimierung der Wirksamkeit organischer Dünger im Fokus.

Gülleadditive im Vergleich

Im Wesentlichen kann zwischen folgenden Kategorien bei Gülleadditiven unterschieden werden: chemische, biologische und mineralische Zusätze.

Bei chemischen Additiven handelt es sich vorrangig um Säuren wie Milchsäure, Schwefelsäure oder Zitronensäure, die zu einer Absenkung des pH-Wertes in der Gülle führen. Durch die Ansäuerung verschiebt sich das Ammonium-Ammoniak-Gleichgewicht, wodurch Ammoniakemissionen deutlich reduziert werden. Beim Einsatz des Gefahrenstoffes Schwefelsäure müssen die speziellen Vorschriften zu Transport, Lagerung und Anwendung berücksichtigt werden. Des Weiteren kann eine zu hohe Dosierung der Säure die Pflanzenverträglichkeit er Gülle beeinträchtigen.

Biologische Gülleadditive, wie Mikroorganismen, Enzyme und Nitrifikationsinhibitoren, umfassen ein breites Spektrum unterschiedlichster Stoffe und Wirkungen. Die Wirkung besteht häufig darin, die mikrobielle Aktivität zu verändern und die vorherrschenden Umwandlungsprozesse zu optimieren. Ziel ist es zum einen, die physikalischen Eigenschaften der Gülle wie Lagerstabilität, Fließfähigkeit und Homogenität zu verbessern und zum anderen die Schwimmschicht und Geruchsbildung zu reduzieren. Weiterhin sollen Pflanzenverträglichkeit, Nährstoffeffizienz und Bodenleben gefördert werden. Bei der Optimierung von Lagerung und Ausbringung stehen die Emissionsminderung sowie die Reduktion von Nährstoffverlusten im Fokus. Durch den Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren wird die Stickstoffumwandlung in der Gülle um mehrere Wochen verzögert, was eine Steigerung der Nährstoffeffizienz sowie eine Reduktion klimaschädlicher Lachgasemissionen und Verlagerungsverluste zur Folge hat.

Zu den mineralischen Additiven zählen Tonminerale, Zeolithe, Gesteins- und Quarzmehle, welche der Gülle häufig feinst vermahlen zugesetzt werden und dadurch eine sehr große aktive Oberfläche aufweisen. Damit bieten sie Mikroorganismen Platz zur Besiedlung, binden Nährstoffe und stabilisieren die Struktur der Gülle, mit entsprechenden Vorteilen für Lagerung und Ausbringung. Darüber hinaus lassen sich Nährstoffverluste, Emissionen und Gerüche mindern. Weiterhin können mineralische Zusätze eine Quelle für essenzielle Spurenelemente sein. Auch Stoffe organischen Ursprungs wie Aktivkohle weisen vergleichbare positive Eigenschaften auf und können die Handhabung vereinfachen und die Effizienz der Gülle deutlich verbessern.

Empfehlungen für eine effiziente organische Düngung

Gülleadditive vereinfachen die Lagerung und Anwendung organischer Dünger und verbessern die Nährstoffeffizienz. Die Additive selbst können die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe nicht vermehren und sind auch kein Ersatz für ein fachgerechtes Güllemanagement. Für eine effiziente organische Düngung gilt es die Grundsätze der guten fachlichen Praxis zu beachten:

  • Sachgerechte Lagerung zur Minderung von Verlusten, Emissionen und Geruchsbildung
  • Zugabe geeigneter Gülleadditive
  • Homogenisierung der Gülle ist Voraussetzung für eine gleichmäßige Ausbringung
  • Kenntnis über Nährstoffgehalt der Gülle und Anpassung an den Pflanzenbedarf
  • Durchführung von regelmäßigen Bodenuntersuchungen und Gülleanalysen
  • Beachtung der verzögerten und ungleichmäßigen Nährstoffnachlieferung aus der Gülle und Anpassung an den Pflanzenbedarf; Gülle nicht zu spät einsetzen
  • Ergänzung mineralischen Schwefels als schnellverfügbare Sulfatform zur Verbesserung der Nährstoffeffizienz, da Gülle nur wenig pflanzenverfügbaren Schwefel enthält
  • Beachtung der Witterung: Nutzung kühler, feuchter Bedingungen und Wolkendecke; Vermeidung von Wind, heißen Tagen und intensiver Sonneneinstrahlung
  • Verlustarme Ausbringtechnik: idealerweise Gülleinjektion direkt in den Boden zur Minderung gasförmiger Stickstoffverluste
  • Prüfung einer gleichmäßigen Ausbringung und der Verteilgenauigkeit im Feld

Fazit: Für ein optimales Güllemanagement sind Gülleadditive ein vielversprechendes Instrument. Ihr Nutzen hängt dabei stark vom jeweiligen Produkt, den Betriebsbedingungen und der korrekten Anwendung ab. Sie bestechen durch ihr Potenzial Emissionen und Verluste zu mindern, die Nährstoffeffizienz zu verbessern und die Handhabung zu vereinfachen. Gülleadditive sind kein Ersatz für die Grundsätze der guten fachlichen Praxis, sondern eine wertvolle und sinnvolle Ergänzung.

Ruben Tabet, SKW Piesteritz, Landesarbeitskreis Düngung Südwest – LW 22/2026