Branche wieder in der Spur

Agritechnica: Besucher und Aussteller zufrieden

Mit 2 803 Ausstellern und 450 000 Besuchern ist am Wochenende laut DLG die Agritechnica in Hannover zu Ende gegangen. Die Agritechnica ist mittlerweile die einzige Veranstaltung auf dem ehemaligen EXPO-Gelände, die das ganze Areal in Anspruch nimmt. Aussteller- und Besucherzahlen belegen die große Bedeutung der Messe und der Branche. Das LW-Team hat sich ausgiebig in Hannover umgesehen – hier ein Messerundgang.

Der Trend zur Digitalisierung der Landwirtschaft hält weiter an und ist mittlerweile in der Cloud angekommen, aber nicht im Wolkenkuckucksheim, sondern in handfesten Anwendungen, die das Arbeiten schneller, sicherer, und effizienter machen – von möglichen Netzausfällen oder Hackerangriffen einmal abgesehen. Ein neuer Dienstleister in diesem Segment ist die Firma DKE, die mit ihren Silbermedaillen-prämierten „agrirouter“ den Datenaustausch zwischen Maschinen und Software-Produkten verschiedener Hersteller organisieren will.

Günstiger, Internet-basierter Datenaustausch

Der agrirouter soll den Datenaustausch und damit betriebliche Abläufe vereinfachen, den Verwaltungsaufwand reduzieren und die Wirtschaftlichkeit verbessern. Die Steuerung erfolgt über einen Internet-Zugang. Der Nutzer stellt seinen persönlichen agrirouter zusammen und legt mit Regeln fest, wer mit wem welche Daten in welchem Umfang austauscht. Der agrirouter Nutzer bestimmt jederzeit, was mit seinen Daten geschieht. Eine Speicherung oder Datenweitergabe geschieht laut DKE nicht. „Wir sind ein offenes Konsortium von Landtechnikherstellern und App-Entwicklern für den Web-basierten Datenaustausch, und weitere Teilnehmer sind jederzeit willkommen“, so Dr. Jens Möller am Stand in Hannover. Die Nutzungsgebühren seien gering, da die DKE-Data GmbH als Non-Profit Unternehmen arbeite. Offizieller Betriebsbeginn wird Frühjahr 2018 sein.

Gülleausbringung im Fokus

Durch die Neufassung der Gülleverordnung kommt weiter Bewegung in den Markt bei Gül­lefässern und Ausbringtechnik. Einerseits ist eine verlustarme Ausbringung gefordert, was sich in der deutlich gesteigerten Nachfrage zu Schleppschuh-Geräten niederschlägt, wie Birte Bollhorst, Marketing Managerin bei Vogelsang, bestätigte. „Aber auch die Schleppschlauch-Ausbringung hat ihre Vorteile, je nach dem, ob man sich im Grünland bewegt, oder nicht.“ Zum anderen wird das Zeitfenster zum Güllefahren durch die erweiterte Kernsperrfrist immer kleiner – es ist also auch Schlagkraft gefordert. Eine Reaktion darauf sind immer größere Fässer, wobei man sich schon fragen muss, welcher Traktor ein Güllefass mit 30 Kubikmeter oder mehr überhaupt noch in jeder Situation sicher bewegen kann. Ein weiterer Aspekt ist der immense Bodendruck, der unter schwierigen Bedingungen und Böden auch bei mehreren Achsen und vermindertem Luftdruck zum Problem werden kann.

Bodenentlastung durch Verschlauchen

Eine Alternative, die gewiss auch nicht für jeden Betrieb geeignet ist, stellt die Gülle-Verschlauchung dar. Diese kann bei arrondierten Betrieben direkt aus dem Güllebehälter erfolgen oder bei weiter entfernten Flächen mittels mobiler Güllecontainer am Feldrand. Die Kanadische Firma Cadman stellte in Hannover ihr System aus, das eine reine Schlauchausbringung bis zu Entfernungen von 6 km ermöglich. Dazu sind zwei Pumpen am Anfang und am Ende des Zubringer-Schlauches notwendig und eine entsprechende Übernahmeeinheit am Schlep­per, der dann mit der gewünschten Ausbringtechnik ausgestattet werden kann. Wie Export Manager Bill Boldt erklärte, ist derzeit in Polen ein solches System im Einsatz, das insgesamt ein Investitionsvolumen von 300 000 Euro erfordert hat. Anlagen mit weniger Aufwand seien ab etwa 200 000 Euro realisierbar. Auch er freute sich über viele Nachfragen auf der Messe.

Neue Gülletechnik für kleinere Betriebe

Der slowenische Landtechnikhersteller Farmtech präsentierte in Hannover sein neues Güllewagen-Segment, das ab dem Frühjahr 2018 vom Band läuft. Die beiden Güllefass-Baureihen Supercis und Ultracis sollen kostenbewussten landwirtschaftlichen Betrieben interessante Alternativen für die Gülleausbringung bieten. Die Einachser-Baureihe Supercis startet mit den beiden Modellen 500 (5 200 l, 1 960 kg Leergewicht) und 800 (8 200 l Fassungsvermögen, 2 580 kg Leergewicht). Die Baureihe Ultracis soll das Programm mit Tandemachsern ergänzen. Beide Baureihen sind mit eigenstabilen und verzinkten Fasskörpern mit Schwallwänden für eine maximale Stabilität ausgerüstet. Die Höhe der Deichsel kann in mehreren Stufen variiert werden. Zudem ist durch das Schwenken der Zugdeichsel der Wechsel zwischen Oben- und Untenanhängung serienmäßig möglich. Für die neuen Güllewagen stehen drei leistungsstarke Vakuumkompressoren mit unterschiedlicher Ansaugleistung in Abstimmung zum Fassvolumen zur Verfügung. Für den Einsatz mit schweren Verteilsystemen wie beispielsweise bei der Schleppschlauchverteilung kann bei der Ultracis-Baureihe die Position der Achse auf die erforderliche Deichsellast des Zugfahrzeuges angepasst werden. Das zusätzliche Gewicht im Fahrzeugheck wird nahezu vollständig kompensiert, um Fahrten in Hanglagen zu verbessern. Die Ausbringung der Gülle erfolgt laut Hersteller bei beiden Varianten in der Serienausstattung über eine Breitverteildüse. Es kann aber auch ein Pendelverteiler mit einer Arbeitsbreite von bis zu 15 m eingesetzt werden. Auf Wunsch ist auch die Montage eines Schleppschlauchsystems möglich. Das Unternehmen mit österreichischen Eigentümern strebt nach den Worten von Farmtech-Geschäftsführer Franz Jantscher an, ein Fulliner für traktorgezogene Fahrzeuge für den Transport und die Ausbringung von landwirtschaftlichen Gütern zu werden. Bis 2020 will Farmtech die 20-Mio.-Umsatzmarke knacken. Farmtech wird in Hessen von Sodemann, in der Pfalz von Fischer Landmaschinen vertrieben.

KB, ibs, jk – LW 47/2017