Chancen der Landwirtschaft für junge Menschen

Inspirierender Junglandwirte Kongress

Anfang November fand der zweite Junglandwirte Kongress der Landjugend RheinhessenPfalz in Münchweiler an der Alsenz statt. Unter dem Motto „Landwirtschaft, Branche der Möglichkeiten“ bot der diesjährige Kongress ein breites Feld von Themen und Vorträgen, die sich mit der Weiterentwicklung der Landwirtschaft und insbesondere den damit verbundenen Chancen für die junge Generation beschäftigten.

Zum Auftakt der Tagung konnte die erste Vorsitzende der Landjugend RheinhessenPfalz, Sarah Harff-Cassel, den Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, und den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Ökonomierat Norbert Schindler, begrüßen.

Austausch mit Kollegen bringt Ideen

In ihren Ansprachen betonten beide wie wichtig es sei, sich ständig mit neuen Möglichkeiten für den eigenen Betrieb auseinanderzusetzen, sich weiterzubilden und sich mit Berufskollegen intensiv auszutauschen. Der Junglandwirte Kongress sei dafür hervorragend geeignet.

Passend zum Motto des Kongresses, referierte Maria Caesar von der Landwirtschaftskammer über verschiedene Möglichkeiten der Selbstvermarktung und stellte anschauliche Beispiele aus der Praxis vor. Junglandwirt Thomas Fabry hielt einen Vortrag mit dem Thema „Landwirtschaft im Dialog“. Fabry nutzt soziale Medien wie Facebook, Instagram und Co., um Verbrauchern die Arbeit in der Landwirtschaft näher zu bringen. Für seine engagierte und vielseitige Öffentlichkeitsarbeit im Bereich moderner Landwirtschaft erhielt er bereits mehrere Preise wie den Gerd-Sonnleitner-Preis oder den DLG-Preis. Er erklärte, wie man die gewünschte Zielgruppe erreicht und welche Schwierigkeiten es im Social Media Bereich bei der Öffentlichkeitsarbeit gibt. Den Teilnehmern gab er hilfreiche Tipps und Tricks an die Hand, um erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit im Netz zu betreiben.

Energiewirte mit elf Windkraftanlagen

Am Nachmittag kamen vier junge Praktiker zu Wort, die ihre Betriebsnische und den Weg zu alternativen Vermarktungswegen vorstellten. Zunächst berichtete Tobias Roeren-Wiemers, der Gewinner des CeresAward als Energielandwirt des Jahres, über den Bürgerwindpark Lichtenau. Zusammen mit sechs Landwirten gründete er eine Planungsgesellschaft für Windkraftanlagen, welche heute elf Windenergieanlagen betreibt. Neben dem Standbein als Energielandwirt, hat Roeren-Wiemers auch die Produktion von Schnittblumen für seinen Betrieb entdeckt. Beim Kongress berichtete er über seine Erfahrungen in diesem Betriebszweig.

Von der eigenen Molkerei ins Supermarktregal

Über den Weg von der Idee bis hin zum fertigen Produkt referierte David Engel von der Engelshof Hofmolkerei in Hetzerath. Der Junglandwirt, der für den viel beachteten YouTube Kanal AgriKULTUR aktiv ist, begeisterte die Teilnehmer mit einem Vortrag von der Entwicklung einer Geschäftsidee für eine eigene Molkerei, über den Entstehungsprozess bis hin zum fertigen Produkt in den Supermarktregalen. Dabei gab er Einblicke in die Höhen und Tiefen bei der Umsetzung des Konzeptes. Aus seiner Sicht ist ein gut durchdachtes Marketingkonzept die wichtigste Grundlage auf dem Weg zur erfolgreichen Besetzung einer Marktnische.

Simon Fink aus Heßheim betritt neue Wege mit dem Anbau und der Vermarktung von Süßkartoffeln. Oftmals hieß es für ihn „probieren geht über studieren“, da Erfahrungswerte für diese Kultur in der Region nicht vorlagen. Auch bei der maschinellen Ausstattung war Erfindergeist gefragt, denn im Bereich Landtechnik gibt es noch keine optimale Lösung, um den Anbau von Süßkartoffeln zu rationalisieren.

Auf großes Interesse traf auch der Vortrag von Carla Jennewein und Anne Faber, die mit „Fräulein Lenz“ den Trend der Zeit erkannt haben und Gemüsekisten direkt bis vor die Haustür liefern. Immer neuen und innovativen Ideen folgend, beteiligt sich das Team von Fräulein Lenz auch bei dem neuen Internetmarkt „Marktschwärmer“. Dort kann online bei verschiedenen Erzeugern aus der Region eingekauft und das fertig gepackte Paket am Markttag direkt bei der Marktschwärmerei abgeholt werden. Dass die Kunden die Personen hinter einem Produkt kennen, ist für Jennewein und Faber besonders wichtig und ein entscheidender Erfolgsfaktor. Beide Frauen sind glücklich über den Weg den sie gewählt haben, auch wenn viele Arbeitsstunden investiert werden müssen und gerade zu Beginn nicht jede davon vollends entlohnt wird.

Leidenschaft und Mut für eigene Ideen sind gefragt

Bei allen Vorträgen spürte man die Leidenschaft zur Landwirtschaft und den Enthusiasmus der Referenten, neue Ideen für den Betrieb zu suchen und umzusetzen. Durch die positive Resonanz der Kongressteilnehmer wurde klar, dass der Kongress alle Teilnehmer bereichert und deshalb geht der Junglandwirte Kongress der Landjugend RheinhessenPfalz am 3. November 2018 in die dritte Runde.

Landjugend RheinhessenPfalz – LW 49/2017