Erntefest vor der Skyline

„Hessens größter Bauernhof“ in der Bankenstadt Frankfurt

Für drei Tage stand in der vergangenen Woche mitten in Frankfurt „Hessens größter Bauernhof.“ Das bei der Stadtbevölkerung beliebte Erntefest wurde bereits zum 27. Mal vom Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein (FLV) in der Bankenmetropole ausgerichtet. Das diesjährige Motto lautete „150 Jahre FLV – 150 Jahre Stadt und Land im Dialog.“

Beim Erntefest-Rundgang am Roßmarkt wurde am von der RWZ Rhein-Main bereitge­stellten Fendt-Vario-Schlepper Station gemacht. Von rechts: Kämmerer Uwe Becker, Milchkönigin Marie Wolf, FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch, Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich, Landfrauenpräsidentin Evelyn Moscherosch, Landjugendvor­sitzender Henrik Schmidtke, HBV-Präsident Friedhelm Schneider, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Starkenburg Walter Schütz, Dr. Nicolai von Roenne von der RWZ Rhein-Main, Landtagsabgeordneter Klaus Dietz.

Foto: Jörg Rühlemann

„Zwischen Hauptwache und Roßmarkt entsteht mit dem Erntefest eine ländliche Atmosphäre, die den Dialog zwischen Stadt und Land fördert“, sagte FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch bei der Pressekonferenz zum Erntefest im Frankfurter Römer. „Im Jahr unseres 150-jährigen Bestehens sind wir stolz darauf, wieder auf dem Roßmarkt im Bankenviertel von Frank­furt zu Gast zu sein. Bereits vor eineinhalb Jahrhunderten veranstaltete unser Verein an gleicher Stelle regelmäßig Pferdemärkte. Es ist unser Ziel, mit dieser Veranstaltung Landwirtschaft und Landle­ben der städtischen Bevölkerung nah zu bringen. Deshalb wurde für die diesjährige Veranstal­tung das Motto „150 Jahre Stadt und Land im Dialog gewählt.“ Hessische Bauern würden mitten in Frankfurt interessierten Verbrauchern ihre Arbeit vorstellen und bei Gesprächen zu besserem gegenseitigen Verständnis beitragen, so Gritsch weiter. Die Verbraucher könnten sich selbst aus erster Hand über die heimische Landwirtschaft und die Produktionsweisen der Betriebe informieren. Der überwiegende Teil der beteiligten Betriebe sind land­wirtschaftliche Direktvermarkter oder arbeiten eng mit der hessischen Landwirtschaft zusammen. Hessische Bauern bieten ein vielseitiges Angebot an frischen Nahrungsmitteln aus der Region, betonte Gritsch. Eine breite Palette von Nutztieren war in dem Aktionsbauernhof zu sehen. Er wurde von der Landwirtschaftlichen Rentenbank aus Frankfurt präsentiert.

Beim Erntefest informierten weitere Organisationen aus der Landwirtschaft mit Informationsständen über ihre Arbeit, so der Hessische Bauernverband, die Landesvereinigung Milch, das Amt für den ländlichen Raum Bad Homburg, der Landfrauenverband Hessen, die Hessische Landjugend, die Arbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Lande, die Vereinigung der hessischen Jagdverbände sowie die Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen. Am Stand des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins wurde auch die Möglichkeit geboten, sich bei Fachleuten über pflanzenbauliche Fragestellungen zu informieren. Außerdem wurde das Projekt „Lern­bauernhof Rhein-Main“ vorgestellt. Um bei dem Erntefest das Interesse an Natur und Landwirtschaft zu wecken, wurden beispielsweise die Kinder von über 450 Frankfurter Schulen und Kindergärten eingeladen.

Neue Direktvermarkter-Broschüre

Am Stand des Hessischen Bauernverbandes waren die Kinder beim Getreidemahlen mit großer Begeisterung bei der Sache.

Foto: Bernd Weber

Beim Vorstellen des Erntefestes ging der Frankfurter Kreislandwirt und FLV-Vorstandsmitglied, Dr. Matthias Mehl, auf die aktuel­le Situation der Landwirte im Rhein-Main-Gebiet ein. Umweltdezernentin Dr. Manuela Rottmann stellte den Einkaufsführer „Frisch von Feld und Hof“ vor. Wie eine Befragung der Frankfur­ter Landwirte und Gärtner durch die Wirtschaftsförderung Frankfurt und das Umweltamt im Jahre 2009 ergab, würden rund 3 700 ha und damit etwa 15 Prozent des Frankfurter Stadtgebietes derzeit von etwa 80 Betrieben landwirtschaftlich genutzt. Die Befragung ergab auch, dass mehr als ein Drit­tel der Landwirte und Gärtner die Direktvermarktungsmöglichkei­ten Hofladen, Ab-Hof-Verkauf oder Selbsternte nutzt. Diese 26 Betriebe werden in der von der Wirtschaftsförderung Frankfurt und dem Umweltamt herausgege­benen Broschüre vorgestellt. Fast alle Frankfurter Direktvermarkter hätten sich daran beteiligt und die Herausgabe unterstützt.

Zahlreiche Ehrengäste

Bei der Eröffnung begrüßte FLV-Vorsitzender Karlheinz Gritsch insbesondere Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich, Landfrauenpräsidentin Evelyn Mo­scherosch, HBV-Präsident Friedhelm Schneider, die Hessische Milchkönigin Marie Wolf, Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker und Landjugendvorsitzenden Henrik Schmidtke.

Staatsministerin Lucia Puttrich hob hervor, dass das Erntefest in der Großstadt eine Gelegenheit sei, der Stadtbevölkerung die vielfältigen Aktivitäten der Landwirte nahe zu bringen. Auch stärke es das Interesse zum Kauf von regio­nalen Erzeugnissen.

Der Präsident des Hessischen Bau­­ernverbandes, Friedhelm Schnei­­­­der, hob hervor, der städti­schen Bevölkerung müssten die aktuellen landwirtschaftlichen Produktionsweisen verdeut­licht werden. Düngung und Pflan­zen­schutz seien ebenso un­verzichtbar wie der Schutz des Bodens und die Bestehen im globalen Wettbewerb auf den Agrarmärkten. All dies der Bevölkerung zu verdeutlichen, dafür setzten sich alle am Erntefest Beteiligten ein. Stadtkämmerer Uwe Becker richtete an Landwir­te und an Verbraucher die Aufforderung, Spannungen im dicht besiedelten Raum zwischen den Landwirten, die die Flächen für die Erzeugung ihrer Produkte benötigten, und der Bevölkerung, die diese als Erholungs­fläche, aber auch für die Erweiterung von Siedlungsgebieten und Verkehrsflächen beanspruche, abzubauen. „Lassen wir uns gemeinsam dafür weiter arbeiten, dass landwirtschaftliche Betriebe hier weiter Zukunft haben“, sagte er. Land­frau­enverbands­präsidentin Moscherosch gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass das Ernte­fest mit seiner besonderen Atmos­phäre Gesprächsmöglichkeiten zwischen Stadt und Land biete. Die Verbrau­cher forderte sie auf, „bei Direktvermarktern regionale Produkte einzukaufen, wo immer dies möglich ist“. Landjugendvorsitzender Henrik Schmidtke verwies auf die Vielfalt und Qua­lität der heimi­schen Erzeugnisse. Für die Sicherung der landwirtschaftlichen Existenzen sei es aber „nötig, dass die Preise stimmen“.