Grobe Tropfen erfordern eine Doppelflachstrahldüse

Abdriftarme Behandlung ist ohne Wirkungseinbußen möglich

Die Benetzung von Unkräutern und Ungräsern stellt hohe Anforderungen an die Düsen des Pflanzenschutzgerätes. Nach der Meinung vieler Praktiker sind für eine gute Anlagerung von Behandlungsflüssigkeit an kleine Zielflächen möglichst feine Tropfen vorteilhafter als grobe Tropfen, wie sie von Injektordüsen zerstäubt werden. Am deutlichsten gab es solche Hinweise beim Herbizideinsatz in Zuckerrüben, wenn wegen Trockenheit die Bodenkomponente in der Mischung nicht wirken konnte. Bedenken gibt es aber auch bei der Gräserbekämpfung in Getreide, die ja auch in möglichst frühem Stadium erfolgen sollte.

Da die feinen Tropfen abdriftanfällig sind und deshalb die Umwelt stärker belasten als etwas gröbere Tropfen, sind sie jedoch im modernen Pflanzenschutz unerwünscht. Allerdings sind Wirkungs­einbu­ßen auch nicht hinnehmbar, weil ein schlechterer Bekämpfungserfolg durch zusätzliche Maßnahmen ausgeglichen werden muss.

Am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Rheinhessen-Nahe-Huns­rück, Bad Kreuznach, wurde deshalb in mehreren Versuchen mit Hilfe eines leicht nachweisbaren Tracers untersucht, welcher Düsentyp die größte Stoffmenge an Unkräuter in Rüben sowie an Flughafer und Ackerfuchsschwanz in frühen Entwicklungsstadien im Getreide anlagert. Da bekannt ist, dass bei Pflanzenschutzmitteln auch ihre Formulierung das Anlagerungsvermögen beeinflusst, wurde der Behandlungsflüssigkeit jeweils ein zum Applikationszeitpunkt sinnvolles Präparat zugesetzt und mit praxisüblichen Wassermengen ausgebracht.

Versuche variierten Düsentyp und Arbeitsdruck

Schon 2006 wurde ein Versuch in Zuckerrüben durchgeführt, bei dem verschiedene Düsen mit unter­schiedlichem Tropfenspektrum zum Einsatz kamen. Außerdem wurde der Arbeitsdruck noch variiert, was ebenfalls das Tropfenspektrum beeinflusste. Der „Mittlere Volumetrische Tropfendurchmesser“ (MVD) zu jeder Variante wurde vom Julius-Kühn-Institut, Braunschweig (JKI) geliefert.

2010 war das Bekämpfungsziel Flughafer in Sommergerste. Zum Einsatz kamen XR 110 03 als feintropfig zerstäubender Düsentyp, sowie die grobtropfig zerstäubende Injektordüse AVI 110 03 mit ebenfalls einem Spritzfächer. Außerdem wurde die Doppelflachstrahldüse AITTJ 110 03 geprüft, die mit zwei Spritzfächern, 30° in Fahrtrichtung und 30° entgegengesetzt, arbeitet. Sie ist ebenfalls in das Verzeichnis „Verlustmindernde Geräte“ des Julius-Kühn-Institut, Braunschweig (JKI) eingetragen und gilt daher gleichfalls als grobtropfiger Düsentyp.

Kreuznach – LW 15/2013