Hessens Staatswald vollständig FSC-zertifiziert

Hinz: zweitgrößte Fläche an FSC-Wald in Deutschland

Der hessische Staatswald ist jetzt auf seiner gesamten Fläche nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Das hat Landwirtschaftsministerin Priska Hinz vergangene Woche anlässlich der Übergabe der Zertifizierungsurkunde im Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus mitgeteilt. Der Waldbesitzerverband kritisiert die Zertifizierung nach FSC als nicht praxisgerecht und zu teuer.

Der bereits im Jahr 2015 mit neun Forstämtern gestartete Zertifizierungsprozess sei nach einer zweiten Runde Anfang 2016 mit elf Forstämtern nunmehr in einer dritten und letzten Tranche mit weiteren 18 hessischen Forstämtern und dem Nationalpark Kellerwald-Edersee zu seinem Abschluss gekommen, so die Ministerin.

Die Forstämter dürften ihr Holz aus dem Staatswald ab sofort mit dem weltweit verwendeten FSC-Siegel verkaufen. „Mit rund 315 000 ha zertifiziertem Wald hat Hessen nun, dicht nach Baden-Württemberg, die zweitgrößte Fläche an FSC-Wald in Deutschland“, berichtete Hinz. Mit dem Siegel könne Hessen zeigen, dass sein Wald nach den höchstmöglichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Standards bewirtschaftet werde.

Biodiversität neu in der Bewirtschaftungs-Richtlinie

Zufrieden mit dem Zertifizierungsprozess zeigte sich auch der Leiter des Landesbetriebes HessenForst, Michael Gerst. Die „problemlose Zertifizierung hat uns darin bestätigt, dass unsere hohen Qualitätsmaßstäbe bei der Pflege des hessischen Staatswaldes wertvoll sind“.

Ebenfalls vorige Woche stellte Hinz die überarbeitete Richtlinie für die Bewirtschaftung des Staatswaldes (RiBeS 2018) vor, mit der die aus dem Jahr 2012 stammende Vorgängerregelung an veränderte Umweltbedingungen und gesellschaftliche Entwicklungen angepasst wurde. Demnach wurde die Biodiversität als Grundlage stabiler Wälder neu als Ziel in die RiBeS aufgenommen, ebenso der Klimaschutz.

Nadelholzanteil in Form von Mischwäldern erhalten

Weil Nadelholz als Rohstoff eine besondere Rolle spiele, solle der derzeitige Nadelholzanteil in Form von Mischwäldern erhalten werden.

Hinz teilte ferner mit, dass künftig der Anteil des Naturwaldes an der Staatswaldfläche um zwei Prozentpunkte auf 10 Prozent erhöht werde. Als Ausgleich werde das Land ab 2020 Kompensationsmittel in Höhe von 2,2 Mio. Euro pro Jahr im Haushalt bereitstellen.

Der Hessische Waldbesitzerverband hält die politisch verordnete FSC-Zertifizierung des Staatswaldes für eine folgenschwere Fehlentscheidung der Landesregierung.

Waldbesitzer: FSC starr und kostenintensiv

Statt der Forstwirtschaft pragmatische Lösungen zur Stabilisierung der Wälder angesichts des sich verändernden Klimas und Witterungsbedingungen zu ermöglichen, mache das Forst-Zertifizierungssystem FSC kostenintensive starre Vorgaben und errichte bürokratische Hürden. Nach Sturmschäden im Wald, wie im Januar wieder geschehen, müssten die Förster gefälltes Fichtenholz ohne zusätzliche Bürokratie mit biochemischen Mitteln gegen Borkenkäferbefall schützen können. Das sei mit FSC fast unmöglich.

Der Anbau bestimmter Baum­arten müsse sich nach ihrer Standorteignung und Klimaanpassungsfähigkeit richten, so der Verband weiter. Den Anbau von Baumarten zu begrenzen, nur weil sie aus anderen Ländern stammten, sei sachfremd und schränke die Handlungsmöglichkeiten der Förster unnötig ein. Hier sei FSC vollkommen unflexibel.

Wie die Waldbesitzer weiter ausführen, fordert FSC 10 Prozent der Waldfläche ungenutzt zu lassen. In der Bevölkerung etabliere sich dadurch die Haltung, ein ungenutzter und sich selbst überlassener Wald sei am besten für den Naturschutz und könne dem Klimawandel widerstehen. Diese Auffassung sei fachwissenschaftlich widerlegt und sorge für ein falsches Naturverständnis. Nachhaltig und naturnah bewirtschafteter Wald leisteten in vielfältiger Weise einen wesentlich größeren Beitrag zum Klimaschutz, zum Naturschutz, zum Gewässerschutz und für die Erholung.

LW – LW 32/2018