Höfe aus der Region - Teil 1

LW-Leseraufruf zum Hofambiente – Erscheinungsbild der Höfe

Ein landwirtschaftlicher Hof ist gleichzeitig Ort des Lebens und des Arbeitens. Die über Generationen in der Familie weitergegebenen Gebäude sind aber auch ein Ort der Geschichte und Tradition. Einige LW-Leser sind unserem Aufruf „Hofambiente“ gefolgt und stellen hier ihre Höfe vor.

Den 2. Teil der Übersicht "Höfe aus der Region" finden sie hier.

Den 3. Teil der Übersicht "Höfe aus der Region" finden sie hier.

Hausrestaurierung und Hofbrunnensanierung

Familie Uwe Fröhlich aus 34593 Knüllwald-Remsfeld (Schwalm-Eder-Kreis) schickte Bilder ihres hessischen Fachwerkhofes, Baujahr 1840 ein.

„Der Hofbrunnen wurde im Jahr 2002 neu ausgegraben und saniert. Er ist fünf Meter tief. Die Solaranlage wurde 2009 erbaut. Die Scheune wurde im Jahr 1971 neu gebaut, das Fachwerkhaus in mehreren Jahren restauriert. Unser Betrieb mit 40 ha Ackerbau und Viehzucht wird im Nebenerwerb bewirtschaftet“, schreibt die Familie.

Das 1849 erbau­te Fachwerk­haus des Betrie­bes Fröhlich.

Ein schmuckes Detail ist das schmiedeeiserne Schild. Die Solaranlage (im Hintergrund) entstand im Jahr 2009.

Der Hofbrunnen wurde im Jahr 2002 neu ausgegraben und saniert.



 

Die „Rehhütte“ von 1820

Monika Fischer aus 67117 Limburgerhof (Rhein-Pfalz-Kreis) berichtet:

„Wir leben nach dem Motto, so wie es unsere Vorfahren schon getan haben: „Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“

Unser Hof wurde 1820 erbaut und wird mit der dazugehörigen Gaststätte in der 6. Generation bewirtschaftet. Über dem Eingang der Gasstätte sind die Namen der Erbauer in Sand­stein eingehauen (18 ATAM KEGEL + BARBA­RA KEGELIN 20). Der Hof liegt zwei km außerhalb von Limburgerhof, gegenüber einem alten Gutshof, einem idyllischem Bach und einem Mühlrad. Unsere „Rehhütte“ ist immer wieder ein beliebtes Ausflugsziel für Leute aus den umliegenden Orten.

In unserem Hof stehen die Wirtschaftsgebäude noch wie vor gut 200 Jahren. Pferdestall, Kuhstall, Tabakscheune und ein Backhaus, die aber heute anderweitig für die Landwirtschaft genutzt werden. Die Gebäude wurden neu verputzt und werden von Zeit zu Zeit frisch gestrichen. Lediglich der Schweinestall wurde wegen Geruchsbelästigung in den hinteren Teil des Hofes verlegt. Aus dem alten Stall wurden Garagen gebaut.“

1995 wurde der Hof mit Verbundsteinen gepflastert. Damit alles freundlich wirkt, hat die Bäuerin Fensterbänke und Kübel mit Blumen bepflanzt. In jeder Ecke und an den Wänden sieht man Gegenstände aus längst vergangenen Tagen, wie Wagenräder, Dreschschlegel, Pflug, Holzfässer, Stein- und Futtertröge oder Milchkannen. Das Hoftor wird von zwei Pfeilern mit großen Hopfenblüten aus Sandstein getragen.

Schon mancher Passant blieb am Tor stehen und lachte: Auf einer Bank vor dem Kuhstall sitzt eine Bauernfamilie aus Stroh. Jedes Jahr werden sie neu heraus­geputzt. Im Winter wird aus dem „Bauern“ auch mal ein Nikolaus und aus den „Kindern“ kleine Engel. Dann gibt es auch noch einen „Stroh- Opa“, der mit Zeitung hinter einem alten, eisernen Ofen sitzt. „Was wir von unseren Ahnen als Dekoration benut­zen und uns daran erfreuen, soll uns doch daran erinnern, wie viel Schwerstarbeit sie für uns geleistet haben.“

Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.

In dem Hof stehen die Wirtschaftsgebäude noch wie vor gut 200 Jahren.

Im Winter wird aus dem "Bauern" auch mal ein Nikolaus und aus den "Kindern" kleine Engel.


 

Mit viel Herzblut ...

über den früheren Hof berichtet Georg Schmidt aus 36275 Kirch­­heim-Rotterterode (Land­­­kreis Hers­feld-Rotenburg):

„Ich möchte den Hof vorstellen, auf dem ich vor 71 Jahren ge­boren wurde und den ich 1978 als zweitgeborener Sohn verlassen habe, aber an dem mein Herz immer noch sehr hängt.

Der Hof befindet sich in der Mitte des kleinen Dörfchens Rot­terterode (circa 20 Häuser) der Großgemeinde Kirchheim im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Rotterterode liegt abseits von den großen Verkehrswegen in einer engen östlichen Talmulde der Vorberge des Eisenbergmassivs im Knüllgebirge und schmiegt sich an die steil aufsteigenden waldigen Hänge. Der Hof befindet sich seit sehr langer Zeit in Familienbesitz und die Bewohner lassen sich seit 1565 lückenlos namentlich nachweisen. Der Hof hatte ursprünglich eine Größe von 20 ha und wurde – später vergrößert durch zugepachtete Flächen – bis etwas 1994 als Vollerwerbsbetrieb geführt. Die heutigen Besitzer Inge und Frank Wittich haben einen Teil der Fläche verpachtet und betreiben den Hof im Nebenerwerb mit noch etwa zehn Milchkühen und Nachzucht der Rasse Fleckvieh. Auch eine Kuh der vom Aussterben bedrohten Rasse Rotes Höhenvieh wird gehalten. Das circa 250 Jahre alte Fachwerk-Wohnhaus ist das Aushängeschild des Hofes. Der linke Teil, der früher als Kuhstall diente, wurde 1969 abgerissen und durch einen Neubau für circa 20 Kühe mit Nachzucht ersetzt. In diesem Frühjahr wurde das Dach des Scheunengebäudes mit Photovoltaik-Elementen versehen.

An der Giebelwand der alten Scheune, erbaut 1809, waren früher vier Balken in der First verlängert, und unter einer Überdachung hing eine Glocke, die früher drei Mal am Tag sowie bei Bekanntmachungen des Bürgermeis­ters geläutet wurde. Auch bei Be­erdigungen und Gottesdiensten im nahe gelegenen Bethaus wurde von Hand geläutet. Für den wunderbaren Blumenschmuck im Wohnhaus und auf dem Hofgelände sorgt die Mut­ter der Bäuerin, Lieschen Schmidt.“

Das circa 250 Jahre alte Fachwerk-Wohnhaus ist das Aushängeschild des Hofes (im Jahre 1968).

Die Inschrift am Fachwerkbalken aus dem Jahre 1809 wird von einem Segenswunsch begleitet.


Auf dem Scheunendach ist heute eine Photovoltaik-Anlage.



 

Hofgut Rimbach mit Gästebetrieb

Anneliese und Max Lessig, 36110 Schlitz-Rimbach (Vogelsbergkreis).

Der Gutshof wurde 1850 bis 1852 von Graf Carl von Schlitz (genannt von Görtz) erbaut. Damals wurden 400 ha durch gut 100 Arbeiter bewirtschaftet. Es wurde in einer gutseigenen Brennerei Schnaps gebrannt. Der Großvater von Anneliese Lessig, der ursprüng­lich aus Bayern stammt, war zu dieser Zeit als Gutsverwalter für den Grafen tätig. Um 1946 wurde der Gutshof schließlich verkauft und ist dann in den Familienbesitz übergegangen. Auch Anneliese Lessig wurde auf dem Hofgut geboren.

Als die Versorgung allein durch die Landwirtschaft nicht mehr gewährleistet war, hat die Familie zunächst ein einzelnes Zimmer vermietet. Dies wurde so gut angenommen, dass 2003 das Hofgut zu Fremdenzimmern und Ferienwohnungen umgebaut wurde. Für Anneliese Lessig ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt sie. Heute steht das Hofgut unter Denkmalschutz und wurde 2009 durch den Deutschen Tourismusverband mit drei Sternen ausgezeichnet.

Sowohl für die Familie als auch für die Gäste bietet der Hof gemütliche Verweilorte, zum Beispiel die Naturinsel mit Teich und Plätscherbrunnen, den Biergarten, das Jägerzimmer oder die Terrasse – alles gut restauriert mit nostalgischem Flair und viel Liebe zum landwirtschaftlich gepräg­tem Detail (www.hofgut-rimbach.de).

Das Hofgut damals...

... und heute - mit dem Eingang zum Rittersaal.

Die idyllisch angelegte Naturinsel im Innenhof lädt zum Verweilen ein.


 

Das Wohnhaus ist ein gut erhaltenes Fachwerkhaus mit saisonalem Blumenschmuck.

Verbindung von Traditionellem mit Modernem

Hartmut Link aus 36358 Herbstein (Vogelsbergkreis) schreibt:

„Das Erscheinungsbild unseres Hofes macht Tradition und Moderne aus. Es ist mein Bestreben, dass Ursprüngliches (in Bezug auf die Bausubstanz) erhalten bleibt. Das Gebäude wurde 1935 erbaut, lediglich die Stallungen wurden im Inneren umgebaut. Auf Blumenschmuck und sonstige Begrünung wird größten Wert gelegt.“

Der Betrieb im hohen Vogelsberg wird im Vollerwerb bewirtschaftet: 50 ha, 30 Stück Milchvieh plus Nachzucht, vorwiegend Grünland. Das Fachwerk ist gut erhalten und die neuen Fenster geben Wohnkomfort.


 

Denkmalgeschützte Hofreite

Betrieb Krug aus 34281 Gudensberg-Deute (Schwalm-Eder-Kreis).

Ursula Krug schreibt: „Unsere denkmalgeschützte Hofreite von 2 100 qm, inmitten vom Ortskern Deute an der B 254 gelegen, blickt auf 225 Jahre traditionelle Landwirtschaft im Familienbetrieb zurück.“ 1785 wurde der Hof von Heinrich Krug gebaut. „Im Jahr 2002 fand der Abriss der baufälligen alten Sandsteintreppe zum Wohnhaus statt. Dabei erfolgte die Freilegung einer in Sandstein geschriebenen Inschrift – diese ist sehr gut lesbar und erhalten und wird heute als Kleinod gepflegt.

„Seit 35 Jahren bewirtschaften mein Ehemann und ich den Betrieb mit großem Viehbestand zu damaliger Zeit – bis 1990 als Vollerwerb. Ab 1990 bis heute noch wird der Betrieb im Nebenerwerb geführt.

Seit 2008 bewirtschaf­tet unser Sohn im reinen Ackerbaubetrieb: Zuckerrüben, Weizen, Gerste und Raps. Mehrmals wurde ein Umbau und Renovierungen um und am Wohnhaus sowie allen Wirtschaftsgebäuden im Laufe der zurückliegenden Jahre vorgenommen. Als zweites Standbein erfolgte die Errichtung einer Photovoltaikanlage 2007 auf dem Scheunendach und ab 2009 auf dem Dach eines Schulgebäudes.

Bei so viel Idealismus, vor allem Arbeitseinsatz von unserer Familie, hoffen wir, dass unser Sohn den Hof noch lange im Nebenerwerb weiterführen kann.“

Hübsch anzusehen durch den neuen Anstrich des Fachwerks im April 2010.

Die Außenfassade des Fachwerk-Wohnhauses erhielt 2008 einen neuen Putz.

Getreideverladung per LKW in der engen Ortsdurchfahrt.