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Zeit zum Spekulieren

Alle Jahre wieder ist der Beginn der Weinlese in den deutschen Weinanbaugebieten auch die Zeit für reichlich Spekula­tion, wie der neue Jahrgang wohl qualitativ beziehungsweise quantitativ ausfällt und welche Marktpreise erzielt werden.
Zwar sind die frühen Sorten schon weitgehend gelesen, ein Urteil über den Jahrgang 2008 bereits jetzt abzugeben ist jedoch verfrüht. Zu unterschiedlich sind die geernteten Qualitäten und auch die gelesene Menge schwankt stark. Ein Bündel von Gründen ist dafür verantwortlich: Zum einen sind die klimatischen Unterschiede in diesem Jahr selbst auf Ortsebene sehr groß gewesen und partielle Hagelschläge kamen noch hinzu, zum anderen haben die Winzer durch ihre Arbeit im Weinberg 2008 einen besonders großen Einfluss auf die Qualität und Menge. Sowohl durch den Anschnitt – einige haben sich leider wieder für Menge entschieden – als auch durch rechtzeitige Pflanzenschutzmaßnahmen und partielle Entlaubung ist es möglich, auch bei wenig optimalem Erntewetter das bestmögliche Traubenmaterial zu lesen.
Jedenfalls ist es viel zu früh, den diesjährigen Jahrgang bereits mit dem Regenjahr 2006 zu vergleichen und gleichwohl mengenmäßig eine große Ernte vorauszusagen. Wie jedes Jahr, gibt es Spekulanten, die versuchen, mit solchen Gerüchten die Preise ins Rutschen zu bringen, um sich günstig eindecken zu können.
Die Winzer sollten sich darauf nicht einlassen und zurückhaltend auf den Wunsch einer schnellen Most- oder Jungweinabgabe reagieren. Künftig wird es noch wichtiger werden, für eine kontinuierliche Marktbeschickung auf vertragliche Vereinbarungen zu setzen. In der Vergangenheit hat dies nicht immer gut funktioniert, weil die ein oder andere Seite glaubte, durch spekulative Schnellgeschäfte ein Schnäppchen zu machen.

Henning Seibert