In der Praxis zählt die Wirtschaftlichkeit

Lohnunternehmer Thorsten Bank setzt auf Größe und Präzision

Der Betriebsleiter und Lohnunternehmer Thorsten Bank in Grünberg-Harbach nutzt seit Jahren GPS bei der Bodenbearbeitung, beim Ausbringen von Düngern und bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln. In Verbindung mit einer Bodenkartierung und N-Sensor-Technik bewirtschaftet er rund 650 ha vom nördlichen Vogelsberg bis in die Wetterau.

Thorsten Bank betrachtet auf seinem Bildschirm gerade Fotos von Flächen, die ein Mitarbeiter im gut 30 km ent­fernten Langgöns gemacht hat. „Ich muss immer wissen, was draußen los ist“, sagt der Betriebsleiter. Am Fir­mensitz „Sommersmühle“, der außerhalb zwischen den Grünberger Stadtteilen Harbach und Queckborn im westlichen Vogelsberg liegt, gründete der heute 38-Jährige 1994 den Agrarservice Bank.

Seit dem hat der landwirtschaftliche Unternehmer seinen Betrieb unter folgenden Überlegungen weiterentwickelt: „Ich habe nach einem System gesucht, das es mir erlaubt, den elterliche Hof fortzuführen, Dienstleistungen anzubieten und vor allem mehr Einfluss auf das Marktgeschehen zu haben. Die Lösung war die Gründung einer Kommanditgesellschaft aus mehreren Betrieben“, so Bank. In der Bauernland KG haben sich unter seiner Führung 2007 acht Betriebe zusammengeschlossen, deren Ackerflächen komplett von Bank bewirtschaftet werden. Die Grünlandflächen haben die Landwirte nicht eingebracht, sondern führen diese als Biobetriebe mit Viehhaltung fort.

Zusätzlich zur KG und dem Biobetrieb mit Grünland hat Bank mit drei weiteren Betrieben Bewirtschaftungsverträge über rund 190 ha abgeschlossen. Außerdem bietet der „Agrarservice Bank“ Lohnarbeiten mit den Schwerpunkten Pressen, Ausbringung von Kalk und Mist an sowie die Komplett-Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe.

Günstige Konditionen durch Kooperation

„Durch diese Strukturen können wir technische Innovationen für alle nutzbar machen, gezielt investieren sowie beim Ein- und Verkauf entsprechende Konditionen aushandeln.“ Die rund 4000 t Getreide werden beispielsweise komplett bei der RWZ Rhein-Main eingelagert, die auch den gesamten Transport übernimmt. „Die Landwirte müssen viel mehr kooperieren, um sich in eine günstigere Verhandlungsposition beim Betriebsmittelbezug und bei der Vermarktung zu bringen“, so sein Credo.

Um den Ackerbau schlagkräftig und wirtschaftlich zu gestalten, setzt Bank, der eine landwirtschaftliche und eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, auf innovative Technik. Der Maschinenpark enthält unter anderem drei Schlepper (170 bis 195 PS), eine Pflan­zenschutzspritze (5000 l, 28 m), eine Mulchsaatdrillmaschine (4 m), einen Düngerstreuer (bis 42 m), einen 20-m3- Überladewagen und zwei Großpackenpressen. Zur GPS-Nutzung werden auf der Spritze ein Parallelfahrsystem von Müller Elektronic und das automatische Lenksystem Auto Guidiance von Reichhard auf dem großen Schlepper eingesetzt. Zwei weitere Müller-Parallelfahrsysteme und das automatische Lenksystem auf dem Claas-Lexion-Mähdrescher stehen ebenfalls zur Verfügung.

Bewegt und in Stand gehalten wird diese Technik von drei Festangestellten und Aushilfen nach Bedarf.

Digitale Karten sind die Grundlage für teilschlagspezifisches Arbeiten

„Grundlage für die gezielte Düngung ist die genaue Kenntnis des Ertrags­potenzials einer Fläche und ihrer Teilflächen. Dazu wurden unsere Schläge von der Firma Agricon mit einem speziellen Verfahren gescannt; diese nur einmal zu erhebenden Daten zeigen, welche Erträge auf einem Teilstück überhaupt möglich sind. Denn die Unterschiede innerhalb eine Schlages können hinsichtlich der Bodenart und der Wasserversorgung stark variieren“, erläutert Bank. Außerdem wird die Verteilung der Bodenproben über die Fläche an diesen Daten orientiert.

Bei den Düngung während der Vegetation werde dann mittels N-Sensor auf dem Schlepper der aktuelle Versorgungsstand der Kultur ermittelt. Durch die an diese Daten angepasste teilschlagspezifische Düngung würden zwar nicht auf Anhieb größere Düngermengen eingespart, dieser aber effizienter und verlustärmer eingesetzt. Der N-Sensor biete auch den Vorteil, dass schwankende Nährstoffgehalte in Wirtschaftsdüngern ausgeglichen werden.

Die Phosphordüngung erfolgt als Einzeldünger, denn die Gehalte variieren kleinflächig relativ stark. Die zusätzliche Überfahrt fällt durch die Einsparung von etwa 50 Prozent im Vergleich zur früheren P-Menge auch bei hohen Dieselpreisen kostenmäßig kaum ins Gewicht.

„Durch die teilflächenspezifische Dün­gung haben wir erreicht, dass unser Qualitätsfenster beim Weizen bei rund 1,5 Prozent Eiweiß liegt. Wir haben eine sehr gleichmäßige Abreife und können dadurch früher dreschen“, betont Bank. Dies habe unter anderem die Ertragskartierung am Mähdrescher gezeigt, die auch mit den gescannten Bodendaten gut übereinstimmten. Ökonomisch und ökologisch biete das System klare Vorteile; gleiches gelte beim Pflanzenschutz.

Doppelt oder nicht behandelte Flächen gibt es quasi nicht mehr

„Die Ausrüstung unserer Spritze mit dem GPS-basierten Parallelfahrsystem hat dazu geführt, dass Überlappungen von 8 auf 1 Prozent reduziert werden konnten. Diese Genauigkeit macht sich auch bei Planung, Bestellung und Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln bemerkbar. Wir haben am Ende einer Saison kaum noch Restmengen im Pflanzenschutzlager zu verzeichnen“, so der Ackerbauer.

Die Wirtschaftlichkeit steht für den Unternehmer klar im Vordergrund. Deshalb setzt er zum Beispiel noch kein GPS bei der Aussaat ein: Hier bedarf es einer sehr hohen Genauigkeit, für welche die Investitionskosten derzeit noch zu hoch sind. Die nächsten Schritte in der GPS-Nutzung will Bank mit der Bemessung von Wachstumsreglern und Fungiziden gehen. Gemeinsam mit Agricon suche man einen Weg, dies über die Erfassung der Bestandesdichte hinzubekommen.

Insgesamt sieht Thorsten Bank mit dem GPS-Einsatz das Hauptziel einer verbesserten Wirtschaftlichkeit durch mehrere Effekte erreicht: Der Einsatz von teuren Betriebsmitteln sinkt, die Schlagkraft steigt durch Entlastung der Fahrer und bessere Beerntbarkeit, die Qualität der Ernteprodukte ist einheitlich hoch, die Dokumentation wird erleichtert und nicht zuletzt die Umwelt durch den effizienteren Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmit-teln entlastet. Für das Lohnunternehmen kommt noch eine einfachere und genauere Abrechnung mit den Kunden hinzu.

Gerade wegen der heute großen techni­schen Möglichkeiten beklagt der Unternehmer, dass trotz ISOBUS (s. S. 16) viele Geräte schlecht kompatibel seien. „Vor lauter Terminals kann ich beim Schlepper kaum noch aus dem Fenster schauen.“ Seinen Berufskollegen empfiehlt er, alle Möglichkeiten der Kooperation zu nutzen oder Arbeiten durch qualifizierte Dienstleister durchführen zu lassen. Dies erleichtere den Umstieg auf in jeder Hinsicht wertvol­-le Technik. Außerdem solle man nicht vor externen Beratern auf dem Betrieb zurückschrecken. KB