Gala wird gern gegessen

Der erfolgreiche Anbau von Gala steht und fällt mit der Mutantenwahl

Die Apfelsorte Gala zählt seit mehr als drei Jahrzehnten zu den Importschlagern unter den Apfelsorten. Wegen ihrer Festigkeit und Süße erfreut sie sich großer Beliebtheit unter den Verbrauchern. Dem Obstbauern steht eine fast unüberschaubare Anzahl zur Verfügung, deren Anbau- und Marktwert im Folgenden beschrieben wird. Eine Bereinigung dieses Überangebotes erscheint dringend erforderlich.

Die Erfahrungen zeigen, dass die Sorte Gala in warme Klimazonen gehört und wie kaum eine andere auf eine gleichmäßig gute Wasserversorgung inklusive Zusatzbewässerung angewiesen ist, um ausreichend Fruchtgröße und Aroma zu entwickeln. Nur unter solchen Voraussetzungen ist mit einem hohen Prozentsatz an Früchten mit einem Kaliber über 75 mm zu rechnen, die kostendeckende Preise garantieren. Unter günstigen Standortgegebenhei­ten zählt Gala auch bei uns zu den „Brotsorten“, vor allem wegen der sehr hohen Blüten­frosthärte und der regelmäßig hohen Erträge. In Spätlagen oder kühlen, niederschlagsreichen Standorten treten die Nachteile der Sorte hingegen stärker in den Vordergrund, die mangelnde Fruchtgröße, das mäßige Aroma sowie die hohe Schorf- und Krebsanfälligkeit. Der erfolgreiche Anbau von Gala steht und fällt mit der richtigen Mutantenwahl. Es gibt eine fast unüberschaubare Zahl von Mutanten. Eine Bereinigung dieses Überange­botes erscheint dringend erforderlich.

Beurteilung einzelner Mutanten

Tenroy Royal Gala hatte ihren Ursprung in einer Galaanlage des Betrie­bes M. Ten Hove in Neuseeland und wurde ab 1981 von der französischen Baumschule Delbard unter Lizenz genommen. Tenroy stellt mit 40 bis 60 Prozent orangerot gestreifter Deckfarbe eine deutliche Farbverbesserung gegenüber dem Standard dar, allerdings mit einem Regressionsgrad von bis zu 50 Prozent. Sie muss deshalb, je nach Alter und Standort, drei bis viel Mal durchgepflückt werden. Ihr Anbauwert ist insofern vergleichsweise niedrig. Auch der von der Inra selektionierte Royal Gala Klon 4 Tenforr stellte keine nennenswerte Verbesserung dar. Wegen ihrer hohen Attraktivität besitzt Tenroy auch heute noch einen ausgezeichneten Ruf bei den Konsumenten. Mittlerweile werden deshalb auch ganz andere Mutanten, teilweise dunkelrot gefärbte, unter dem Markennamen Royal Galar vermarktet.

Mitchgla – in Neuseeland entdeckt

Mitchgla Mondial Galar ist auch eine Mutante der Ursprungssorte Gala, die in Neuseeland von M. Mitchell entdeckt wurde und seit 1987 von Mondial Fruit Selection (BS Valois) in Europa vertrieben wird. Mitchgla präsentiert sich mit einer orangerot gestreiften Deckfarbe, die 40 bis 80 Prozent der Fruchtoberfläche umfasst. Die Mutante besitzt einen hohen Anteil an Früchten mit breiten Streifen. Als sie Anfang der 90er Jahre in großem Stil aus Muttergärten weitervermehrt wurde, stellten sich in den Anlagen erste starke Rückmutationen ein, was in Südtirol über einige Jahre eine Stagnation des Anbaus auslöste. Aus dem regressionsbehafteten Mitchgla wurde dort mit Red Gala 95 ein Typ selektioniert und von virusfreien früchtetragenden Bäumen weitervermehrt, der aus pomologi­scher Sicht heute zu den sichersten Herkünften zählt. Das neue selektierte Pflanzmaterial stellte sich auch hinsicht­lich der Fruchtgrößen als leistungsfähig heraus. Man muss jedoch mit einer Regressionsrate von weit über zehn Pro­zent rechnen, weswegen Mitch­gla nur geringe Bedeutung im Anbau hat.

Delaf Galamax wurde in der Baumschule Delbard in einem Royal Gala-Quartier entdeckt. Delaf ist eine der wenigen Mutanten mit etwas größeren Früchten und typisch orangerot gestreifter Deckfarbe. Leider streut die Deckfarbenausprägung der Früchte mit 30 bis 70 Prozent sehr stark, was auf ausgeprägte Rückmutation zurückzufüh­ren ist. Die Regression nimmt mit zu­neh­mendem Alter zu und umfasst teilweise mehr als 50 Prozent des Behangs, wodurch drei bis vier Pflückdurchgänge erforderlich werden. Offensichtlich nimmt dann auch die Fruchtgröße wieder Normalmaße an. Bei dieser Mutante wäre eine intensi­ve Selektionsarbeit von Nöten, um eine homogenere Fruchtqualität sicherzustellen.

Jugala – für frühe Lagen

Jugala wurde im Jahr 2000 in Südwestfrankreich in einer Mitchglaanlage entdeckt. Der Lizenzinhaber ist Mondial Fruit Selection (BS Valois). Jugala reift vier bis sieben Tage vor Mitchgla und ist den ersten Untersuchungen zufolge 2 bis 4 mm größer. Die Deckfarbe entspricht der von Mondial Gala. Jugala wird 2008 in kleineren Mengen und ab 2009 in größeren Stückzahlen vertrieben. Aufgrund ihrer Frühzeitigkeit und Größe ist Jugala für den versuchsweisen Anbau vor allem in frühen Lagen zu empfehlen.

Galaxy Selecta wurde von M. Kiddle in einer Royal Galaanlage in Neuseeland entdeckt und wird seit 1994 von den französischen Baumschulen Valois und Darnaud (Mondial Fruit) sowie Domaine de Castang in Europa vertrieben. Galaxy besitzt eine intensiv ausgeprägte, nicht mehr ganz galatypische, rot bis dunkelrot gestreifte Deckfarbe, die 60 bis 80 Prozent der Fruchtoberfläche umfasst und etwas matter ausfällt als die von Mitchgla. Sie muss je nach Baumalter und Standort zwei bis drei Mal durchgepflückt werden. Die Regres­sion hält sich mit zehn Prozent im Vergleich zu den Mitkonkurrenten und Vorläufern in Grenzen. Durch intensive Selektionsarbeit über früchtetragende Schnittbäume, aus der die Weiterentwick­lung Selecta entstand, versuchte man seitens der Baumschulen die Mutante so stabil wie möglich zu halten. Sie war über zehn Jahre die meist vermehrte und angebaute Mutante. Gegenwärtig repräsentiert der Farbtyp von Galaxy das idealtypische äußere Erscheinungsbild der Sorte Gala aus Sicht vieler Verbraucher und des Handels.

Annaglo wurde in Nelson, Neuseeland, in einer Royal Galaanlage gefunden und besitzt die gleiche rot bis dunkelrot gestreifte Deckfarbe wie Galaxy, allerdings 10 bis 20 Prozent mehr Farb­anteil (80 bis 100%). In Junganlagen und in Gebieten mit sehr guter Ausfärbung (Bodensee und Rheinland) gehen die Streifen auf der Sonnenseite der Früchte in ein flächiges Rot über. Mit zunehmendem Alter bleibt die Streifung deutlicher erhalten. Die Regression liegt nach den ersten Erfahrungen etwas unter der von Galaxy. Annaglo kann in zwei, maximal in drei Pflückdurchgängen geerntet werden und stellt somit eine Verbesserung, wenn nicht Weiterentwicklung der Mutante Galaxy dar. Sie besitzt seit 2003 Sortenschutz und wird von Mondial Fruit Selection (BS Valois) vermarktet.

Gala Schnitzer Schniga wurde 1989 vom Obstbauern F. Schnitzer im Dorf Tirol in einer Royal Galaanlage gefunden. Die Vermehrungsrechte sind im Besitz der Schniga GmbH. Die Ausfärbung der Früchte setzt, ähnlich wie bei Baigent, acht bis zehn Tage vor Galaxy ein. Die Früchte sind zu 70 bis 90 Prozent mit dunkelroten relativ breiten Streifen versehen, wobei einzelne Früch­te, teilweise sogar einzelne Bäume hinsichtlich ihrer Farbintensität deutlich abfallen. In Folge dessen waren bislang zwei bis drei Pflückgänge erforderlich. Diese Beobachtung bezieht sich vor allem auf das erste herausgegebene Material, was offenbar weder virusfrei noch ausreichend pomologisch geprüft war. Deshalb kam Gala Schnitzer in den ersten Leistungsvergleichen hinsichtlich Wachstum, Ertrag, Fruchtgröße, Deckfarbenausprägung und Homogenität (Regression 10 bis 20%) nicht an Baigent heran. Das neue Pflanzmate­rial von Gala Schnitzer wurde von früchtetragenden Schnittbäumen selektiert, anschließend virusfrei gemacht sowie zertifiziert und steht in dieser Form seit 2007/2008 zur Verfügung. Überraschen­derweise wurde nun ein Verfahren zur Aberkennung des Sortenschutzes in Gang gesetzt. Das Vorstufenmaterial machte bisher einen deutlich homoge­neren und leistungsstärkeren Eindruck als das alte. Eine abschließende Beurteilung ist noch nicht möglich.

Baigent Brookfield wurde vom Obstbauern Brookfield 1985 in Hawkes Bay in Neuseeland in einer Royal Galaanlage entdeckt und wird von der französischen Baumschule Davodeau-Ligonniere europaweit vermarktet. Baigent ist zu 90 bis 100 Prozent dunkelrot gefärbt in Form einer intensiven feinen (=schmalen) Streifung, wird von angekörten Bäumen aus kontrollierten Obstanlagen vermehrt und macht unter den gestreiften Galamutanten gegenwärtig den homogensten und stabilsten Eindruck.

Baigent besser als Gala Schnitzer

Die Regression liegt unter fünf Prozent. Die Mutante beginnt bereits acht bis zehn Tage vor Galaxy mit der Ausfär­bung. Die Ernte ist in Junganlagen in einem, später in maximal zwei, Pflückdurchgängen zu bewältigen. In Lagen mit guter Farbausprägung zeigen sich teilweise zu dunkel gefärbte Früchte (5 bis 10 %) und solche, bei der die Streifen in einen flächigen Deckfarbenton übergehen. Am Bodensee steht die Mutante überwiegend unter schwarzen Hagelnetzen. Baigent ist nichts desto trotz gegenwärtig einer der Spitzenreiter unter den Galamutanten.

Obrogala Delbard Gala wurde 1988 von M. Stark bzw. L. und R. Olsen in Washington State (USA) in einer Royal Galaanlage entdeckt und zu Beginn der 90er Jahre von der französischen Baumschule Delbard auf den Markt gebracht. Sie bekommt unter unseren Standortgegebenheiten eine flächig dunkelrote (75 bis 100 %) Deckfarbe mit angedeute­ten Streifen, kann in ein bis zwei Pflück­durchgängen abgeerntet werden und macht einen sehr stabilen Eindruck. Die Mutante war bisher in Südfrankreich von Bedeutung, wurde bei uns aber nur in geringen Mengen gepflanzt.

Simmons Buckeye Gala – meist gepflanzte Mutante in Südeuropa

Simmons Buckeye Gala wurde 1996 in einer Mitchgalaanlage des Obstbauern Roger Simmons in Ohio (USA) gefunden und wird seit 2003 vom französi­schen Baumschulkonsortium Cadamon ver­trie­ben. Sie zählt wie Royal Beaut Proselect oder Cherry Gala zur neuen Gene­ration flächig-gestreifter Gala-Mutanten, die vor allem in Junganlagen einen eher untypischen Eindruck hinterlassen. Früchte der Mutante Simmons sind nahezu vollständig flächig dunkelrot gefärbt. Auf dem verwasche­nen flächigen Rot sind je nach Alter, Jahr und Standort mehr oder weniger dunkelrote Streifen erkennbar. Der Farbumschlag setzt noch vor Baigent ein, sodass auch in schlechten Farbjah­ren ein Großteil der Früchte bereits im ersten Pflückdurchgang beerntet werden kann. Simmons weist bisher einen geringen Regressionsgrad auf (< 5%) und ist prädestiniert für süd­europäische Anbaubedingungen mit eher suboptima­ler Deckfarbenausbildung. Tatsächlich gehört sie dort gegen­wärtig zu den meist­angebauten Mutanten.

Royal Beaut Proselect (Baumschule J. Nicolai, Belgien + Baumschule L. Clementi Italien) wurde in den 90er Jahren vom Obstbauern R. Zulch in einer Royal Galaanlage in Südafrika gefunden. Das erste Vermehrungsmate­rial war farblich inhomogen, teils flächig, teils gestreift. Nach der Virusfreimachung in den USA liegt nun mit Royal Beaut Proselect ein selektionier­ter wesentlich homogenerer Klon vor, mit gleichmäßig schmalen Streifen, die sich auf einer sehr intensiven nahezu umfassenden (90 bis 100%) flächig dunkelroten Deckfarbe entwickeln. Der Farbumschlag setzt noch früher ein als bei Baigent. Das selektionierte Material wird ab Herbst 2008 abgegeben. Erste positive Erfahrungen wurden in Italien gemacht. Die Mutante färbt unter mit­tel­europäischen Klimabedingungen intensiver als Baigent, sodass ein ver­suchs­­weiser Anbau vorerst vor allem in Problemlagen und unter Hagelnetzen ratsam ist.

Burkitt Gala Cherry Gala (Baumschu­len Star Fruits, Frankreich und R. Nico­lai, Belgien) wurde in Neuseeland in einer Royal Galaanlage gefunden. Sie entwickelt im Rheinland und am Bodensee Früchte mit unterschiedlicher Farbausprägung. Neben Galaxy-ähnlichen Äpfeln gibt es Bäume mit deutlich blasserer gestreiften Früchten sowie solche mit nahezu vollständig flächiger dunkelroter Deckfarbe, auf denen eine mehr oder weniger intensiv ausgeprägte Streifung liegt. Der Farb­umschlag setzt noch vor Baigent ein. Die ersten Eindrücke, die Farbstabilität betreffend, waren nicht zufriedenstellend. Einige Früchte weisen breite farblose Streifungen auf, das heißt sie zeigen Anzeichen für eine Rückmutation. Burkitt Gala benötigt anfangs einen, später maximal zwei bis drei Pflückdurchgänge. Sie wird von den Vertreibern mit dem Hinweis beschrieben sieben bis zehn Tage früher reif zu sein. Reifeuntersuchungen am Kompetenzzentrum Gartenbau konnten diese Aussage nicht bestätigen. Insgesamt liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen für eine Empfehlung vor.

Bei Fengala (Feno, Italien) sowie Banning Gala Ultima (CIV, Italien) handelt es sich um neue Mutanten die unter Beobachtung stehen. Ihre Deckfarbe ist vergleichbar mit der von Simmons, Royal Beaut Proselect oder Cherry Gala, das heißt sie ist unter süd­europäischen Klimabedingungen attrak­tiv, bei uns wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit zu dunkel. Regal Prince Gala Must ist eine Mutante von Gala, die in den 80er Jahren von M. Omahuri in Neuseeland entdeckt und seit 1990 von der französi­schen Baumschule Davodeau-Ligonnie­re vertrieben wird.

Regal Prince ist zu 60 bis 80 Prozent flächig rot bis dunkelrot gefärbt. Im Vergleich zu den meisten anderen Mutanten werden die Früchte 3 bis 5 mm größer, besitzen eine etwas flachere Fruchtform, werden drei bis vier Tage früher reif, haben ein engeres Erntefenster und schmecken wegen des geringen Säuregehaltes etwas fader. Regal Prince lässt sich in zwei Pflückdurchgängen beernten und mutiert nicht zurück. Aufgrund des außergewöhnlichen, eher untypischen äußeren Erscheinungsbildes hatte Gala Must in den klassischen Anbauregionen (Frank­reich, Italien) nie eine Marktchance. Lediglich in nicht gänzlich für Gala prädestinierten Anbaugebieten, wie im Rheinland und am Bodensee, wurde diese großfrüchtige Mutante über Jahre hinweg erfolgreich angebaut und vermarktet. Mittlerweile fragt der Handel fast ausschließlich nach gestreiften Mutanten, sodass der Marktwert von Gala Must in den letzten Jahren drastisch gesunken ist und in Folge dessen keine Neuanlagen mehr entstanden sind.

Auch Ruby Gala (Neuseeland, Baumschule Zanzi, Italien und Fendeca= Decarli (Feno; Italien) sind Mutanten, die unter unseren Klimabedingungen fast 100% flächig und sehr dunkelrot ausfärben und etwas flacher gebaut sind, weswegen sie hier auch kaum eine Marktchance besitzen. In Südfrankreich, Italien oder Spanien entwickeln sie eine etwas freundlichere Deckfarbe. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich diese nicht mehr galatypischen Mutanten am Markt behaupten können. Gerhard Baab, Kompetenzzentrum Gartenbau, Bad Neuenahr-Ahrweiler