Jetzt auf veränderte Märkte reagieren

Welche Sorten für die Frühjahrsbestellung 2009?

Der Praktiker kann – wenn die Winterung von nennenswerten Auswinterungsschäden verschont bleibt – seine im Herbst 2008 begonnene Anbaustrategie fortsetzen und muss jetzt seine Anbauplanung mit Überlegungen zu den für die Frühjahrsaussaat vorgesehenen Kulturen vollenden. Die Vorbereitung auch der Frühjahrsaussaat erfordert Abwägungen zur Anbaustrategie und Sortenwahl, dabei müssen die agrar- und marktpolitischen Rahmenbedingungen, die Absatzchancen der einzelnen Kulturen, die Wünsche der Marktpartner im Hinblick auf Qualität und Menge der Produkte und nicht zuletzt die Eigenschaften der für den Anbau in Frage kommenden Sorten berücksichtigt werden.

Nach einer insgesamt frühen Ernte erfolgte die Aussaat der Winterung im Herbst 2008 in der Regel termingerecht in ein im Allgemeinen gut vorbereitetes Saatbett. Dennoch ist es fraglich, ob bei nicht immer optimalen Witterungs- und Bodenbedingungen alle für die Winterung vorgesehen Flächen auch bestellt wurden.

Desweiteren kann gegenwärtig nicht genau abgeschätzt werden, wie sich die veränderten agrar­politischen Rahmenbedingungen sowie der Preiseinbruch zur Ernte 2008 auf die Aussaat der Winterungen ausgewirkt haben.

Anbaufläche für Sommerungen könnte weiter sinken

Im Moment liegen noch keine belastbaren Zahlen über die im Herbst 2008 in Hessen mit Winterung bestellten Flächen vor. Dennoch deuten erste Prognosen daraufhin, dass Kulturen wie Winterraps und Winterweizen sowie Wintergerste vor den veränderten Rahmenbedingungen eine Ausweitung der Anbaufläche erfahren haben.

Die überwiegend guten bis sehr guten Wachstumsbedingungen von Aussaat bis zum jetzigen Zeitpunkt führten bei den Winterungen zu einem sehr guten Entwicklungsstand bei zum normalen Zeitpunkt gesäten Flächen. Selbst ausgesprochene Spätsaaten haben bei den günstigen Wachstums- und Witterungsbedingungen des Herbstes 2008 noch einen ordentlichen Entwicklungsstand erreicht.

Frühsaaten hingegen sind je nach Saattermin mehr oder minder stark überwachsen in die Vegetationsruhe gegangen.

Bleiben die Winterungen von witterungsbedingten größeren Ausfällen verschont, wird zur Frühjahrsaussaat 2009 in Hessen die Anbaufläche – insbesondere bei Sommergetreide – nochmals eher geringer ausfallen als im Vorjahr.

Abzuwarten bleibt auch wie der geplante Bau von mehreren großen Biogasanlagen durch Energieversorgungsunternehmen die Anbauverhältnisse bei der Sommerung verschieben wird. Werden die Anlagen wie geplant gebaut, wird sich die Nachfrage nach Energiepflanzen – insbesondere nach Mais als Energielieferant – nochmals verstärken. Damit besteht die Gefahr, dass die Anbaufläche von Sommer­getreide (Sommergerste) und Leguminosen im Frühjahr eingeschränkt werden.

Positive Marktchancen für Braugerste und Durum

Dabei sollte der Praktiker im Auge behalten, dass sich gerade die Märkte für Braugerste und Durum in einem Wandel befinden, und sich die Marktchancen für die genannten Kulturen auch für 2009 weiterhin recht positiv darstellen. Bei beiden Fruchtarten besteht trotz der guten deutschen und weltweiten Ernteergebnisse des Jahres 2008 nach wie vor eine große Nachfrage, und damit sind die Aussichten auf normale Marktpreise für 2009 durchaus gegeben.

Der Landwirt hat jetzt die Chance, auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren; er hat aber auch die Qual der Wahl aus einer Vielzahl von zugelassenen und vertriebsfähigen Sorten, die für seinen Zweck richtige Sorte im Hinblick auf agronomischen Eigenschaften auszuwählen.

Daneben müssen aber auch die Aspekte der Sortengesundheit, also die Resistenzeigenschaften der Züchtun­gen, sowie die vom Markt geforderten Qua­litäten und nicht zu letzt die Ertrags­leistung der Sorten berücksichtigt werden. Die Anbauwürdigkeit einer Sorte leitet sich aber nicht nur von einem einzigen Merkmal ab, sondern sie stellt die Summe ihrer Eigenschaften dar.

Empfehlungen beziehen viele Aspekte mit ein

Um den hessischen Landwirten eine Hilfestellung bei der Sortenwahl zu geben, werden von der amtlichen Beratung, den VO-Firmen, den Vermehrern sowie der aufnehmenden Hand bei Getreide und Leguminosen Sorten für die Frühjahrsaussaat 2009 vorgeschlagen. Dabei wird in der nachfolgenden Tabelle differenziert nach „erprobten Sorten“ und Sorten „zum Testen“. Bei den Sortenempfehlungen wurden sowohl die in den hessischen Landesversuchen gewonnen Ergebnisse berücksichtigt als auch die mit den Sorten in der Praxis gemachten Erfahrungen. Daneben war wichtig, dass die Versorgung mit Z-Saatgut für die empfohlenen Sorten gesichert ist. und für die Ernteprodukte der angebauten Sorten Nachfrage bestehen wird.

Bei der Sortenempfehlung konnten natürlich nicht alle regionalen Besonderheiten berücksichtigt werden, so dass in einzelnen Gebieten andere als die in den Tabellen genannten Sorten im Hinblick auf Marktanteile und Anbauumfang von Bedeutung sein können. Für weitergehende Informationen zu den in der Tabelle aufgeführten Sorten sowie für einzelne Beratungsgebiete wichtige Sorten stehen die Pflanzenproduktionsberater des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen zur Verfügung. Dr. Dieter Witzel, LLH