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Hat der Frost schon Spuren auf den Feldern hinterlassen?

Zu den Auswirkungen der Kältewelle auf den Ackerbau befragte das LW Ulrich Nöth vom DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück in Bad Kreuznach.

LW: Sind bei den jetzt aufgetretenen rekordverdächtigen Frösten von bis zu minus 25 °C Schäden an den ackerbaulichen Kulturen zu erwarten?

Pflanzenbauberater Ulrich Nöth

Ulrich Nöth: Trotz der teils extrem niedrigen Temperaturen sind zunächst einmal keine Schäden zu befürchten, denn einerseits sind die Bestände durch die Schneeauflage geschützt, und andererseits kam der Frost nicht abrupt – die Pflanzen konnten sich an die winterlichen Verhältnisse anpassen. Auswinterungen sind eher zu befürchten, wenn im Februar oder März Wechselfröste zum Hochfrieren der Böden führen und die Wurzeln abreißen. Außerdem steigt beim dann höheren Sonnenstand die Ver­dunstung und die Pflanzen können vertrock­nen. Erfrierungen an den Pflanzen sind eher bei Spätfrösten zu befürchten.

LW: Wie kommen Schädlinge und Krankheitserreger mit diesen Temperaturen zurecht beziehungsweise ist in der kommenden Vegetationsperiode mit geringerem Schädlings- und Krankheitsdruck zu rechnen?
Nöth:
Auch hier gilt, dass die langsam eingetretenen Fröste den Organismen die Möglichkeit gegeben haben, sich auf diese Temperaturen einzustellen. Strenger Frost über längere Zeit setzt aber den Blattläusen beispielsweise schon zu, so dass viele überwinternde Läuse die kalte Jahreszeit nicht überleben. Die schnell einsetzende ungeschlechtliche Vermehrung im Frühjahr wird dadurch gebremst und es ist mit einem verzögerten Auftreten zu rechnen. Gleiches gilt dann natürlich auch für von Blattläusen übertragene Viruskrankheiten. Auf den Besatz mit Mäusen dürfte diese Witterung ebenfalls nur geringe Auswirkungen haben. Sie ziehen sich zurück und weichen so dem Frost aus. Die Nager bekommen eher Probleme, wenn es sehr nass ist und sie in ihren Gängen ersaufen. Die Auswirkungen auf Pilzerkrankungen sind schwer einzuschätzen. Die Entwicklung von Mehltau und Rosten wird unterbrochen und das Epidemiegeschehen eventuell zeitlich nach hintern verlagert. Ähnliches gilt für Halmbruch, da während des kühlen trockenen Herbstverlaufes und der lang anhaltenden Vegetationsruhe kaum Infektionsperioden vorhanden waren.

LW: Was bedeutet ein Winter, der seinen Namen verdient hat, für die Bodengare und die Vegetation im kommenden Frühjahr?
Nöth:
Mittlerweile ist der Frost bis über 30 Zentimeter in den Boden eingedrungen, was zu einer guten Frostgare der Böden führt. Neben einer guten Bodenstruktur ist auch eine gute Stickstoffmobilisierung im Frühjahr zu erwarten. Außerdem kann sich ein Boden, der von schweren Erntemaschinen befahren wurden, durch die Frosteinwirkung etwas von der Beanspruchung erholen. Insgesamt ist der Wintereinbruch bisher für den Ackerbau positiv zu bewerten: Die Kulturen haben keinen Schaden genommen, sondern die nötige Winterruhe erhalten, Krankheiten und Schädlinge werden in ihrer Entwicklung eventuell gebremst und die Böden haben eine Strukturverbesserung erfahren. Entscheidend ist aber, was der spätere Winter und das zeitige Frühjahr noch bringen. Die Fragen stellte Karsten Becker