Überlegungen zum Anbau von Strauchbeerenobst

Kulturführung im Strauchbeerenobstanbau

Die Erzeugung von Strauchbeeren ist keine Tätigkeit, die mal eben so neben anderen Kulturen laufen kann. Neben der Sortenwahl trägt die Kulturführung ganz entscheidend zur Produktionsqualität bei. Der folgende Beitrag gibt eine Übersicht, was bei einzelnen Beerenobstarten beachtet werden soll, damit die Kultur von Strauchbeerenobst von Anfang an ein voller Erfolg wird und nachhaltig gute Qualitäten erzeugt.

Zur Pflanzung von Johannisbeeren und Stachelbeeren können verschiede­ne Qualitäten verwendet werden, abhänig vom Erziehungssystem, von der Verfügbarkeit und von der persönli­chen Bereitschaft. Zum Einsatz kommen eintriebige, zweitriebige und drei- bis viertriebige Pflanzen. Drei- bis viertriebige Qualitäten werden auf einen oder zwei Triebe zurückgeschnitten. Grundsätzlich sollte nur gesundes wüchsiges Material gepflanzt werden. Wünschenswert wäre schon aufgeputztes Material mit einer Höhe von 1,0 m bis 1,2 m. Dieses Material eignet sich sehr gut für die Anforderungen des Erwerbsanbaus, ist aber sehr schwer zu bekommen.

Die Pflanzhöhe sollte sich über der ehemaligen Standhöhe aus der Baumschule befinden. Durch hohes Pflanzen wird versucht das Austriebsvermögen aus der Basis einzuschränken. Die Pflanzabstände sind vom Pflanzsystem abhängig und variieren von 0,5 bis 0,75 m in der Reihe. Der Pflanztermin sollte möglichst im Herbst liegen. Dies hat den Vorteil, dass die Pflanzen direkt erste Wurzeln bilden können und der Austrieb im Frühjahr kräftiger ist. Ziel des ersten Kulturjahres oder des ersten und zweiten Kulturjahres ist das Erreichen der Endhöhe. Über die Vegetations­periode müssen die Stämme mehrmals aufgeputzt werden. Außerdem muss der Leittrieb mehrmals angeheftet werden, damit ein aufrechtes Wachstum gewährleistet ist. Die ersten Seitentriebe sollten in einer Höhe von 0,5 bis 0,6 m abgehen. Darunter befindliche Seitenverzweigungen müssen entfernt werden. Zumindest im ersten Kulturjahr sollte auf den Ertrag verzichtet werden. Der Ertrag bremst das Wachstum. Werden keine fruchtregulierenden Maßnahmen getroffen, bleiben die Pflan­zen niedrig. Es entsteht ein höherer Pflückaufwand durch intensiveres bücken.

Winterschnitt und Fruchtholzumtrieb

Spätestens mit Beginn der Vollertragsphase im dritten bis vierten Standjahr ist ein intensiver Schnitt nötig. Die Früchte sollen am einjährigen Holz produziert werden. Dort sind die Quali­täten in Bezug auf Traubenlänge, Verrieselungsgrad, Traubengewicht und damit dann die Ernteleistungen am besten. Bukettknospen sollen während des Winterschnitts entfernt werden. Ziel des Winterschnitts ist es pro Frucht­element sechs bis acht bleistiftstarke Fruchthölzer zu erhalten. Je nach Sorte variiert dabei die ideale Länge. Unter­schieden wird zwischen dem kurzen (fünf bis 15 cm), mittleren (20 cm bis 30 cm) und dem langen Fruchtholz (ab 30 cm). Rovada, Rotet, Rosetta, Achilles, Invicta und Rote Triumph sollten auf langes Fruchtholz gestellt werden. Das ideale Fruchtholz für Red Lake und Rolan stellen mittellange einjährige Triebe dar. Auf kurzes Fruchtholz wird bei Jonkher van Tets geschnitten. Schwarze Johannisbeeren werden auf lange einjährige Triebe geschnitten, die 40 bis 60 cm lang sind.

Bei stark wachsenden Sorten ist vor der Ernte ein Sommerschnitt möglich. Dabei werden überlange Triebe entfernt. Bei dieser Maßnahme ist auf die zu erwartende Sonneneinstrahlungsintensität zu achten, um Sonnenbrandschäden an den Früchten vorzubeugen. Eine besondere Bedeutung kommt dem Ersatz der Mittelachse zu. Diese sollte nach maximal fünf Jahren ausgetauscht werden. Dazu muss spätestens im Vorjahr ein Ersatztrieb nachgezogen werden. Berücksichtigt werden muss dies bei der Entfernung der sich an der Basis bildenden Bodentriebe. Diese müssen jährlich bei einer Höhe von 15 bis 20 cm mechanisch ausgebrochen oder chemisch abgetötet werden.

Tipps für Sommerhimbeeren

Himbeeranlagen können auf zwei unterschiedliche Arten erstellt werden. Die eine Möglichkeit stellt die Verwendung von Ruten dar. Dazu erfolgt eine Pflanzung im Herbst. Die zweite Möglichkeit stellt die Verwendung von Grünpflanzen dar. Hier erfolgt eine Pflanzung Ende Mai direkt nach den letzten Frösten. Zur Pflanzung von Ruten während des Winters sollte nur Material verwendet werden, welches über starke Adventivknospen verfügt. Die in den Baumschulen gewöhnlich erhältliche B-Sortierung ist zwar preislich interessant, verzögert jedoch den Ertragsbeginn und die Ertragshöhe, sodass dieser Vorteil wieder kompensiert wird. Die Ruten werden vor dem Pflanzen auf eine Höhe von 30 cm geschnitten. Wichtig ist auch die völlige Gesundheit des Pflanzmaterials. Gedacht wird hier in erster Linie an den Befall durch Phytophthora fragaria var. rubi. Pflanzware, die schon aus der Baumschule schwächlich oder krank bezogen wird, stellt keine Grundlage für eine Erwerbsanlagenerstellung dar.

Die Bodenvoraussetzungen auf dem zukünftigen Standort müssen für die Himbeerkultur geeignet sein. Ideale Voraussetzungen bietet ein tiefgründiger mittelschwerer Boden. Der Standort darf auf keinen Fall staunässe­gefährdet sein. Empfehlenswert ist vor der Pflanzung eine Abspritzung mit systemisch wirkenden Herbiziden, wie Round up, um proble­ma­tische Unkräuter möglichst von vorne herein aus­zuschal­ten. Da Beerenobst­gewächse Flachwurzler sind und die Himbeere ein empfindliches Wurzelsystem besitzt, ist eine mechanische Unkrautbekämpfung in der Reihe zu unterlassen.

Erstellung von Ertragsanlagen

Auf Standorten, die potenziell stau­nässegefährdet sind, sollten keine Himbeeren angebaut werden. Eine Möglichkeit Standortnachteile durch zu hohe Bodenfeuchtigkeit zu kompensieren, bildet die Dammkultur. Dazu werden Dämme in Höhe von 20 bis 40 cm geformt und mit schwarzer Folie abgedeckt. Die Folie verhindert Bodenerosionen durch Niederschläge, konserviert Feuchtigkeit über den Sommer und fördert das Pflanzenwachstum durch erhöhte Bodentemperaturen. Im Winter ist der Dammkern relativ trocken und schützt die Wurzeln so durch Fäulnisbefall. Die Haltbarkeit der Folie ist allerdings begrenzt und von ihrer Stärke abhängig. Alternativ kann Silofolie oder Bändchengewebe verwendet werden. Notwendig ist die Einarbeitung von Tropfschläuchen in den Damm. Um in den Sommermonaten eine ausreichende Wasserversorgung sicherzustellen, können zwei parallel verlaufende Tropfschläuche im Damm in 15 cm Tiefe verlegt werden.

Vor der Pflanzung hat sich die Einar­beitung von Kompost in den Pflanzstrei­fen als vorteilhaft erwiesen. Kompost verbessert die Bodenstruktur und dient als langsam fließende Stickstoffquelle. Wichtig ist, dass der einen Rottegrad von vier bis fünf aufweist. Dieser gibt Aufschluss über die Umsetzung biologisch leicht abbaubarer organischer Substanz. Bei dem Rottegrad vier darf eine Maximaltemperatur von 30 bis 40° C erreicht werden. Beim Rottegrad fünf darf die Maximaltemperatur nicht über 30° C liegen. Beide Rottegrade ent­sprechen der Produktklassifizierung Fertigkompost. Zur Bodenvorbereitung sollte eine Siebung von null bis zehn Millimeter verwendet werden, um auch den Fremdstoffeintrag in den Boden zu minimieren. Maximal sollten 50 Liter je laufenden Meter Fertigkompost verwendet werden.

Soll eine neue Himbeeranlage über Grünpflanzen erstellt werden, gelten die oben aufgeführten Grundzüge zur Bodenvorbereitung natürlich auch. Entscheidend ist der Pflanztermin. Er sollte so früh wie möglich nach den letzten Frösten liegen, damit die Pflanzen gut einwurzeln und kräftige Adventivknospen ausbilden. Wichtig ist auch, dass das Pflanzmaterial gut abgehärtet ist. Dazu sollten die Pflanzen nach Erhalt einige Tage im Halbschatten stehen. Dies ist wichtig, wenn nach der Pflanzung eine intensive Sonnenphase zu erwarten ist. Alternativ dazu können die Pflanzen auch einige Tage mit Stroh abgedeckt werden. Diese Maßnahmen sind aber nur bei weichem extrem empfindlichen Pflanzmaterial erforderlich. Generell ist davon auszugehen, dass aus der Baumschule pflanzfertiges Material angeliefert wird. Bei frühzeitiger Pflanzung können die Triebe vier Wochen nach dem Pflanztermin auf einen vier Zentimeter langen Stummel pinziert werden. Dieses Maßnahme soll den Austrieb der Wurzelknospen anregen und dazu führen, dass für das kommende Ertragsjahr schwächere Ruten gebildet werden. Diese Maßnahme sollte aber nur in Verbindung mit ausreichen­den Bewässerungs- und Düngungsmöglichkeiten durchgeführt werden.

Anlage mit überwinterten Grünpflanzen

Die Johannisbeersorte Rolan liefert kompakte, wenig verrieselte Trauben im mittelfrühen Reife­bereich.

Eine weitere Möglichkeit stellt die Verwendung von überwinterten Grünpflanzen dar. Diese werden zum Vegetationsanfang gepflanzt und stammen aus der Vermehrung des Vorjahres. Im Vergleich zu einjährigen Grünpflanzen sind diese knapp zehn Prozent teurer.

Besonders diese überwinterten Grünpflanzen stellen eine Alternative zur herkömmlichen Rute dar. Bei einer ordnungsgemäßen Kulturführung gibt es fast keine Ausfälle. Bei Ruten sieht es dagegen anders aus. Je nach dem Gesundheitsstatus und nach der voraus­gegangenen Lagerung sind teilweise hohe Ausfälle zu verzeichnen. Gegenüber der Rute ist die überwinterte Grünpflanze allerdings 25 bis 35 Prozent teurer. Rein auf den Ausfall gepflanzter Ruten bezogen, würde sich die Verwendung überwinterter Grünpflanzen auf einem Hektar Grundfläche erst ab einem Rutenausfall von 35 Prozent lohnen. Krautige und überwinterte Grünpflanzen eignen sich besonders für eine Dammpflanzung. Ohne Damm­pflanzung ist die vegetative Leistung wesentlich geringer und eine herkömmliche Rute vorzuziehen.

Pflegemaßnahmen im ersten Kulturjahr

Die Pflegemaßnahmen im ersten Kulturjahr beschränken sich auf die mechanische Unkrautbekämpfung, sofern keine Folienabdeckung vorgenommen wurde. Mit der Bewässerung kann grundsätzlich auch Dünger gegeben werden. Sofern ein zügiges Wachstum erzielt worden ist, werden die Jungruten gegen Ende der Vegetationsperiode am Erziehungsgerüst mittels Rutenklammern befestigt.

In den folgenden Standjahren wird die Rutendichte je laufendem Meter auf acht bis zehn Ruten beim senkrechten und auf zehn bis zwölf Ruten beim V-System begrenzt. Die Tragruten werden ummittelbar nach der Ernte aus pflanzengesundheitlichen Gründen entfernt. Im gleichen Arbeitsgang werden die Jungruten am Gerüst befestigt. Da während des Winters mit Rutenausfällen zu rechnen ist, sollten zu diesem Zeitpunkt etwas mehr Ruten als oben angegeben verwendet werden. Grundsätzlich werden die überzähligen Jung­ruten sowie schwache und zu starke Ruten entfernt. Ziel ist die mittelstarke Rute. Sie setzt im Ertrag früh ein und stellt durch fehlende oder wenig entstan­dene Wachstumsrisse keine übermäßige Gefahr für Ruteninfektionen dar.

Nach der Rutenüberwinterung ist eine Kontrolle auf Frostschäden vorzunehmen. Geschädigte Ruten zeigen im Längsschnitt bräunliche Verfärbungen. Entsprechend dem festgestellten Frostschaden sind die gesunden überzähligen oder die geschädigten Ruten zu entfernen, sodass die oben erwähnten Rutendichten erreicht werden.

Einjährige Himbeerkultur geht auf Einsatz von Grünpflanzen zurück

Polka stellt den Standard bei frühreifenden Herbsthimbeeren dar.

Eine Kulturvariante, die auf den Einsatz von Grünpflanzen zurückgeht, ist die einjährige Himbeerkultur. Dazu werden krautige Jungpflanzen wie oben beschrieben auf entsprechende Dämme gepflanzt. Gegen Ende des Pflanzjahres wird bei guter Düngung und Bewässerung eine Höhe von 1,6 bis 1,7 m erzielt. Durch die intensive Belichtung weisen die Ruten einen engen Internodienabstand auf, wodurch ein hohes Ertragspotenzial entsteht. Die Ruten können eintriebig hochgezogen oder durch pinzieren auf zwei, dafür schwächere Ruten, kultiviert werden. Im Ertragsjahr werden entstehende Bodentriebe entfernt. Nach Erfahrungen aus der Schweiz setzt die Fruchtreife in diesem Kultursystem sieben Tage früher ein. Außerdem wird eine bessere Fruchtgröße erzielt. Der Ertrag liegt um fast 50 Prozent höher im Vergleich zu einer konventionell erstellten Anlage. Allerdings sind die Aufwendungen durch die höhere Pflanzenzahl je Hek­tar auch höher. Es hat sich gezeigt, dass die Erfahrungen der Schweiz nicht auf Trockenregionen, wie die Pfalz oder Rheinhessen, übertragen werden können. Im Unterschied zur Schweiz sollten hier statt krautiger Grünpflanzen überwinterte Grünpflanzen Verwendung finden, die im März gepflanzt werden sollen. Das setzt aber voraus, dass die Dämme schon im vorhergehen­den Spätjahr angelegt worden sind.

Die Anlagenerstellung der Herbsthimbeeren entspricht der der Sommerhimbeeren. Von der Biolo­gie her bilden die Herbsthimbeeren im gleichen Jahr, in dem die Jungrute wächst, Früchte. Würden Herbsthimbeeren im Wachstumsrhythmus der Sommerhimbeeren eingegliedert, so würden zwei Ernten im Jahr erreicht.

Herbsthimbeeren fruchten bis zu den ersten Frösten

Die Kultur der Herbsthimbeeren ist verhältnismäßig einfach. Die aufwachsenden Jungruten müssen weder einzeln fixiert werden, noch von Hand ausgedünnt werden. Um die Fruchtgröße zu verbessern, wird die Anzahl der Tragruten in der Reihe durch das schmal schneiden auf 15 bis 20 cm erreicht. Herbsthimbeeren fruchten bis zu den ersten Frösten. Je länger die Vegetationsperiode ist, desto länger ist dann auch der Erntezeitraum. Nach der Ernte werden die abgetragenen Ruten, im Gegensatz zu den Sommerhimbeeren, nicht direkt abgeschnitten. Der Grund dafür liegt in der Verlagerung von Reservestoffen von der Rute in die Wurzel. Die abgetragenen Ruten werden erst in der Vegetationsruhe abgeschnitten. Der Aufwuchs im nächsten Ertragsjahr wird dann wieder wie oben beschrieben kultiviert.

Eine weitere Möglichkeit mit Himbeeren möglichst früh auf dem Markt zu erscheinen, stellt die Kultur von Herbsthimbeeren nach dem Kulturschema der Sommerhimbeeren dar. Die Herbsthimbeeren, wie Polka oder Him­bo­top, werden nicht wie oben beschrieben während des Winters abgeschnitten, sondern wie Sommerhimbeeren stehen gelassen. Die Ernte setzt dann Anfang bis Mitte Juni vor den Hauptsor­ten Tulameen und/oder Glen Ample ein. Im Spätsommer wird der Bestand ein zweites Mal beerntet. Allerdings sind Qualität und Menge dann geringer als bei einer alleinigen Herbsternte.

Anlagenerstellung bei Brombeeren

Die bei den Sommerhimbeeren beschriebenen Grundsätze zur Anlagenerstellung gelten auch für Brombeeren im übertragenen Sinne. Das Pflanzmaterial von Brombeeren wird nur noch als Containerware angeboten. So ist im Prinzip eine fast ganzjährige Pflanzung möglich. Die Pflanzabstände sind von dem Wuchsverhalten der jeweiligen Sorte abhängig.

Auch bei Brombeeren wird die Pflanzung auf folienbedeckte Dämme empfohlen. Wichtig ist die Trennung von Jung- und Altruten. Besonders für aufrecht und halb aufrechtwachsende Brom­beersorten eignet sich das Palmetten­system. Hier wachsen die Jungruten gerade hoch, während die Tragruten rechts und links daneben angeordnet werden. Vor der Ernte werden im Sommer die Seitentriebe der Jungruten auf eine Länge von 20 cm zurückgeschnitten. Im späteren Zeitverlauf werden diese dann auf ein bis zwei Augen zurückgeschnitten. Auch bei Brombeeren wird die Anzahl der Jungtriebe korrigiert.

Kulturvoraussetzungen für Heidelbeeren

Der optimale Standort für die Kultur von Heidelbeeren ist ein staunässefreier, sandig humoser Boden mit einem pH-Wert von 3,5. Diese Bedingungen liegen auf ehemaligen Waldstandorten mit Kiefer- und Heidevegetation vor. In den letzten Jahren laufen intensive Bemühungen, Heidelbeeren auch auf ungeeigneten Standorten anzubauen. Dazu sind umfangreiche Bodenvorbereitungsmaßnahmen nötig.

Die Heidelbeerkultur ist auch auf Standorten möglich, deren pH-Wert höher als 3,5 liegt. Allerdings geht dies zu Lasten der Triebleistung, der Ertragsleistung und der Lebensdauer. In Böden, deren pH-Wert über 6,0 bis 6,5 liegt, ist der Heidelbeeranbau nicht mehr zu empfehlen. Im Vollertrag werden Leistungen von 6,0 bis 7,0 t erzielt. Für Heidelbeeren typisch ist die lange Phase des zunehmenden Ertrages. Sie dauert bis zum siebten/achten Laub und ist abhängig vom verwendeten Pflanzmaterial.

Im Bezug auf die Bodenpflege sei noch grundsätzlich angemerkt, dass der pH-Wert an die Bodenart angepasst werden muss und nicht die vorhandene Bodenart an die Pflanze. Für eine Anlagenneuerstellung werden in dem jeweiligen Reihenabstand von 2,5 bis 3,0 m etwa 0,3 m tiefe und 0,3 bis 0,4 m breite Furchen gezogen. Mit einem Futtermischwagen oder Kompoststreuer mit seitlichem Auswurf werden in diese Furchen organi­sches Material gefüllt. Idealerweise wäre dies Torf. Aus Gründen der Verfüg­barkeit, der Resoursenschonung und aus finanziellen Gründen können oder müssen aber auch andere Materialien verwendet werden. Es handelt sich dabei um möglichst abgelagerte Nadelholzrinde oder Sägespäne aus Nadelholz. Komposte eigenen sich aufgrund des hohen pH-Wertes und Salzgehaltes nicht. Aus wirtschaftlichen Gründen sollten nach unseren Erfahrungen die Preise für die oben genannten Materialien 25 Euro je Kubikmeter Schwarztorf und 5 Euro je Kubikmeter Nadelholzrinde nicht überschreiten.

Für die Verfüllung der Furchen muss mit einer Menge von 400 Kubikmeter organischem Material gerechnet werden. Analog zur Furchenpflanzung kann auch auf leichte Dämme gepflanzt werden. Die dazu benötigte Torfmenge liegt bei 200 Kubikmeter je Hektar.

Es soll direkt in das verwendete, organische Material gepflanzt werden. Eine Vermischung des organischen Materials mit dem Ausgangsboden durch fräsen oder spaten soll unterlassen werden. Möglich ist auch die punktuelle Ausbringung. Dazu werden je Pflanzstelle 80 Liter benötigt.

Absenkung des pH-Wertes durch die Verwendung von Schwefel

Tulameen ist die Standardsorte bei den Sommerhimbeeren.

Eine weitere zusätzliche Möglichkeit der pH-Wert-Absenkung besteht in der Verwendung von Schwefel. Die Wirkung ist abhängig von der Bodenart und vom Humusgehalt im Boden. Amerika­nische Angaben weisen eine Menge von 38 kg Schwefel aus, um den pH-Wert je 10 cm Bodentiefe bei einem Humusge­halt von 2 Prozent um 0,1 zu senken.

Als Pflanzgut werden zwei- oder drei­jährige Containerpflanzen verwendet. Alternativ steht im begrenzten Umfang auch Ballenware zur Verfügung. Bei der Pflanzung ist auf einen guten Bodenschluss zu achten. Containerpflanzen können während der ganzen Vegetations­periode gepflanzt werden.

Der Pflanzabstand in der Reihe ist von der Sorte und von der Wüchsigkeit des Standortes abhängig. Er liegt je nach Standort bei 0,60 über 0,90 bis 1,5 m. Das ergibt eine Spannweite von 4 500 über 3 000 bis 2 000 Sträucher je Hek­tar. Dabei dürften sich die Erstellungskosten unter Verwendung des oberen Wertes in bedenkliche Regionen bewegen. Allgemein gilt ein Abstand von 0,90 m für die Sorten Bluetta, Brigitta, Elliot und 1,5 m für Sorten wie Duke und Bluecrop.

Eine Erneuerung der organischen Abdeckung, die später in einer Höhe von 0,1 m aufgebracht werden muss, wird alle drei Jahre wiederholt. Empfehlenswert ist dazu Rindenmulch. Die Intervalle, in denen die organische Auflage erneuert werden muss, sind vom Zerkleinerungsgrad der organischen Auflage sowie von der Mineralisierungsgeschwindigkeit abhängig. Eine Bewässerungsmöglichkeit sollte unbedingt in die Anlagenplanung mit einbe­zogen werden. Empfehlenswert sind dazu Tropfschläuche mit einem Tropferabstand von 0,25 m. Erforderliche Einzelgaben liegen im Bereich von acht bis zehn Liter je Pflanze.

Im ersten Standjahr beschränken sich die Kulturmaßnahmen auf die Förderung des vegetativen Wachstums und die Unkrautbekämpfung. Im zweiten Standjahr werden bodennahe Äste und altes Fruchtholz entfernt. Es soll dabei ein lockerer Strauchaufbau erzielt werden. Spätestens nach dem sechsten Standjahr müssen alte Fruchtäste entfernt werden, um beginnenden Vergreisungerscheinungen vorzubeugen.

Um den Fruchtansatz zu fördern, können in die Anlagen entweder Bienen­völker aufgestellt werden oder es werden vier Hummelvölker je Hektar aufgestellt. Durchschnittlich einmal in der Woche wird geerntet. Insgesamt sind drei bis fünf Pflückdurchgänge nötig. Die Ernteleistungen bei Handpflücke liegen bei etwa sieben Kilogramm. Nach der Ernte ist eine Sortierung nötig, bei der Stielansätze, kleine und unreife Beeren aussortiert werden. Dirk Metzlaff, DLR Rheinpfalz